
Dieser Beitrag betrachtet die wirtschaftliche Position Niedersachsens und seiner Statistischen Regionen im Vergleich zu den 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Anhand ausgewählter Daten werden unter anderem die Wirtschaftsleistung sowie weitere wirtschaftsbezogene Kennzahlen analysiert.
Die Themen Bevölkerung und Bildung wurden in den ersten beiden Teilen des Beitrags behandelt. Die Teile Wirtschaft und Arbeitsmarkt bilden den dritten und vierten Teil des Beitrags.
Wirtschaftsleistung Niedersachsens 2023 höher als die Rumäniens
- Die nominale, d. h. nicht preisbereinigte Wirtschaftsleistung Niedersachsens, war höher als die von Rumänien, welches an Position 12 in der Europäischen Union lag.
- Die Kaufkraft in Niedersachsen lag, wie im Vorjahr, 6,0% über dem EU-Durchschnitt.
- Die Erwerbstätigenquote der 15- bis 64-Jährigen betrug in Niedersachsen 77,4% und lag damit deutlich über dem EU-27-Durchschnitt von 70,8%.
BIP-Wachstum: Niedersachsen wächst im Vergleich zu Deutschland überdurchschnittlich
2023 gab es, wie auch schon in den Vorjahren, europaweit eine spürbare Erholung der Wirtschaftsleistung nach den Einbrüchen während der Corona-Pandemie. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) in jeweiligen Preisen stieg auch die Wirtschaftsleistung Niedersachsens 2023 laut Eurostat1Die Angaben zum Bruttoinlandsprodukt weichen von anderen Veröffentlichungen ab, da Eurostat die Revisionen des Arbeitskreises Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder (AK VGRdL) nicht zeitnah berücksichtigen kann. um 6,4% (inflationsbereinigt noch +0,2%). In Deutschland war das Wachstum mit 5,9% (inflationsbereinigt sogar ein Rückgang von -0,3%) merklich schwächer (Tabelle T3). In der EU-27 sind die meisten Volkswirtschaften, wie in den Vorjahren, auch 2023 nominal stark gewachsen. Die höchsten Wachstumsraten verzeichneten mit Ungarn (+16,3%), Kroatien (+15,4%) und Rumänien (+15,1%) drei Staaten aus dem süd-östlichen Europa. Die drei größten Volkswirtschaften der EU-27
- Deutschland (+5,9%),
- Frankreich (+6,3%) und
- Italien (+6,6%)
wuchsen weniger stark. Irland (-2,1%), Schweden (-2,0%) und Dänemark (-1,5%) schrumpften sogar leicht im Vorjahresvergleich.

BIP-Kennziffern der Statistischen Regionen Niedersachsens
Die Statistische Region Braunschweig wuchs mit einem Anstieg des nominalen BIP um 6,7% niedersachsenweit am stärksten auf über 86 Milliarden Euro. Mit gut 118 Milliarden Euro blieb die Statistische Region Weser-Ems auch 2023 die Region mit der höchsten Wirtschaftsleistung und erzielte mit einem Anstieg von 6,6% die zweithöchste Wachstumsrate. Nach einem starken Wachstum im Vorjahr wies die Statistische Region Lüneburg mit +6,0% das schwächste Wirtschaftswachstum auf. Die Statistische Region Hannover lag mit 6,3% im Mittelfeld.
In absoluten Zahlen können die Statistischen Regionen Niedersachsens durchaus mit einigen Staaten der EU-27 verglichen werden. So sind die Wirtschaftsleistungen der Statistischen Regionen Weser-Ems und Hannover (101 Milliarden Euro) jeweils etwas höher als die Bulgariens (95 Milliarden Euro), in der Statistischen Region Braunschweig etwas höher als in Luxemburg (79 Milliarden Euro) und das BIP der Statistischen Region Lüneburg (63 Milliarden Euro) kann mit der Wirtschaftsleistung Sloweniens (64 Milliarden Euro) verglichen werden.
Niedersachsens Wirtschaftsleistung pro Kopf höher als EU-Durchschnitt
Im Jahr 2023 wurde in Niedersachsen ein BIP pro Kopf in KKS von 106 erzielt (vgl. Tabelle T3 und Abbildung A2). Das entspricht einer preisbereinigten Wirtschaftsleistung pro Kopf, die um 6% über dem EU-Durchschnitt lag. Deutschland selbst erreichte einen noch höheren Wert von 116. Im Gegensatz dazu erwirtschafteten vier EU-Staaten weniger als 75% der durchschnittlichen Wirtschaftsleistung pro Kopf der EU. Wie auch in den Vorjahren belegte Bulgarien mit einem Wert von 64 den letzten Platz.
Der BIP in Kaufkraftstandards verringerte sich in Niedersachsen im Jahr 2023 im Vergleich zu 2022 moderat um 1 Prozentpunkt, sodass die kaufkraftbereinigte Wirtschaftsleistung pro Kopf im Vergleich zu den EU-Staaten ebenfalls nur leicht abnahm (vgl. Tabelle T3 und Abbildung A2). Während in Deutschland (-2) und in zwölf weiteren EU-27-Staaten die Werte ebenfalls zurückgingen – wobei Irland (-25) und Luxemburg (-15) die stärksten Rückgänge verzeichneten – stieg der Indikator in Kroatien, Portugal und Rumänien jeweils um 4 Prozentpunkte.

Wirtschaftsleistung pro Kopf der Statistischen Region Lüneburg vergleichbar mit Portugal
In Niedersachsens Statistischen Regionen lag das BIP pro Kopf in KKS in der Region Braunschweig mit einem Wert von 125 deutlich über dem EU-Durchschnitt. Auch in den Regionen Hannover (108) und Weser-Ems (107) bewegte sich der Wert über dem Durchschnitt. Im Gegensatz dazu erreichte die Region Lüneburg lediglich 84% des EU-Durchschnitts – ein Niveau, das in etwa dem von Portugal (81) entspricht.
Aufgrund dieser niedrigeren Wirtschaftsleistung gilt Lüneburg weiterhin als Übergangsregion im Sinne der Förderkriterien des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und erhält neben EFRE auch Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF). Es ist jedoch zu beachten, dass der Indikator durch die hohe Anzahl an Pendlerinnen und Pendlern in den benachbarten NUTS-2-Regionen verzerrt wird, da die Wirtschaftsleistung am Arbeitsort und nicht am Wohnort erfasst wird. So fließen die Erträge der Pendlerinnen und Pendler, die beispielsweise in Hamburg oder Bremen arbeiten, diesen Zentren zu, was das BIP pro Kopf in KKS in der Statistischen Region Lüneburg senkt und einen Teil des europaweit sehr hohen BIPs pro Kopf in KKS in Hamburg (189) erklärt.
Fazit
Niedersachsen weist im europäischen Vergleich eine solide wirtschaftliche Position auf. Die Wirtschaftsleistung des Landes liegt sowohl nominal als auch kaufkraftbereinigt über dem EU-Durchschnitt. Innerhalb Niedersachsens bestehen regionale Unterschiede, wobei insbesondere die Statistische Region Braunschweig überdurchschnittlich stark wächst. Trotz eines leichten Rückgangs der kaufkraftbereinigten Wirtschaftsleistung bleibt Niedersachsen wirtschaftlich gut aufgestellt.
Weitere Informationen zur Wirtschaft in Niedersachsen erhalten Sie auf der Internetseite des LSN.
Die bisherigen Beiträge der Reihe Niedersachsen in Europa finden Sie hier:
Fußnoten
- 1Die Angaben zum Bruttoinlandsprodukt weichen von anderen Veröffentlichungen ab, da Eurostat die Revisionen des Arbeitskreises Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder (AK VGRdL) nicht zeitnah berücksichtigen kann.