
Anhand ausgewählter Daten aus dem Themenbereich Bevölkerung stellt dieser Beitrag die Position Niedersachsens und seiner Statistischen Regionen den 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union gegenüber. Betrachtet werden die Veränderung der Bevölkerungszahl, des Bevölkerungsanteils von Personen ab 65 Jahren, der Geburtenziffer sowie der Lebenserwartung bei der Geburt.
Weitere Teile dieser Reihe analysieren die Themen Bildung sowie Wirtschaft und Arbeitsmarkt.
Niedersachsens Bevölkerung 2023 im Überblick
- Zwischen den Jahren 2018 und 2023 betrug der Zuwachs der niedersächsischen Bevölkerung 0,3% und lag damit unter dem Durchschnitt der EU-27-Staaten von 0,7%.
- Der Anteil der Bevölkerung im Alter von über 65 Jahren stieg 2023 gegenüber 2018 in Niedersachsen um 0,9 Prozentpunkte – im Vergleich zu den EU-27-Staaten ebenfalls ein geringerer Zuwachs in dieser Altersgruppe.
- Mit durchschnittlich 1,46 geborenen Kindern pro Frau im Alter zwischen 15 und 49 Jahren lag Niedersachsen EU-weit im mittleren Bereich.
- Die Lebenserwartung bei der Geburt betrug in Niedersachsen 80,4 Jahre und lag unter dem Durchschnitt von 81,4 Jahren der EU-27-Staaten.
Zuwachs der niedersächsischen Bevölkerungszahl geringer als EU-Durchschnitt
Zum 31.12.2023 betrug die Bevölkerungszahl in Niedersachsen rund 8 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung von 449 Millionen Personen in der EU-27 sind das etwa 1,8% (vgl. Tabelle T1 und Abbildung A1). Damit lag Niedersachsen im EU-weiten Vergleich im Mittelfeld zwischen Österreich und Bulgarien, die die Positionen 14 und 15 einnahmen. Deutschland war mit 83,5 Millionen Personen das bevölkerungsreichste Land in der EU mit einem Anteil von 18,6% an der Gesamtbevölkerung aller EU-Mitgliedsstaaten.

Mittelfristige Bevölkerungsentwicklung zwischen den EU-27-Staaten heterogen
Die Bevölkerung in Niedersachsen wuchs im Vergleich 2023 zu 2018 um 0,3%. Die Wachstumsrate lag damit unter dem EU-weiten Durchschnitt von 0,7% (vgl. Tabelle T1 und Abbildung A2). Zwischen den EU-Mitgliedsstaaten gab es im mittelfristigen Vergleich 2023 zu 2018 teils sehr unterschiedliche Bevölkerungsentwicklungen. Die drei bevölkerungsärmsten Länder Malta, Luxemburg und Zypern, die alle unter 1 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner verzeichneten, hatten mit 14,3% (Malta), 10,3% (Zypern) und 9,5% (Luxemburg) gleichzeitig die höchsten mittelfristigen prozentualen Zuwächse. Demgegenüber standen Bevölkerungsrückgänge in
- Polen (-3,6%),
- Bulgarien (-3,3%) und
- Griechenland (-3,0%).
In absoluten Zahlen ist die Gesamtbevölkerung in der EU im Vergleich 2023 zu 2018 um 3,2 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner gestiegen. In Spanien gab es mit einem Plus von 1,7 Millionen Personen den absolut höchsten Zuwachs, gefolgt von Frankreich mit knapp 1,2 Millionen und den Niederlanden mit gut 660.000 Personen. Den höchsten Bevölkerungsrückgang im Vergleich 2023 und 2018 mit knapp 1,4 Millionen Personen verzeichnete Polen, gefolgt von Italien mit einem Rückgang von knapp 850.000 Einwohnerinnen und Einwohnern.

Unterschiede bei der Entwicklung in den Statistischen Regionen Niedersachsens
Auch in den vier Statistischen Regionen Niedersachsens hat sich die Bevölkerung im Vergleich 2023 zu 2018 unterschiedlich entwickelt. In der Statistischen Region Weser-Ems gab es mit 1,8% den höchsten Bevölkerungszuwachs, gefolgt von der Statistischen Region Lüneburg mit 0,6%. Sowohl in der Statistischen Region Braunschweig mit -0,2% als auch in der Statistischen Region Hannover mit -1,2% gab es Rückgänge der Bevölkerungszahl.
Anteil der Bevölkerung ab 65 Jahren in Niedersachsen höher als im EU-Durchschnitt
Mit einem Anteil von 22,9% der Bevölkerung im Alter von 65 Jahren oder älter an der Gesamtbevölkerung lag Niedersachsen über dem Durchschnitt der EU-27-Staaten von 21,6% (vgl. Tabelle T1 und Abbildung A3). Den höchsten EU-weiten Anteil der Bevölkerung ab 65 Jahren hatte Italien mit 24,3%, gefolgt von Portugal mit 24,1% und Bulgarien mit 23,8%. Deutschland lag mit einem Anteil von 22,4% im Jahr 2023 zwischen Niedersachsen und dem EU-Durchschnitt.
Den geringsten Anteil der Bevölkerung ab 65 Jahren an der Gesamtbevölkerung hatten 2023 Luxemburg mit 15,0% und Irland mit 15,5%.

Im mittelfristigen Vergleich 2018 zu 2023 ist der Anteil der Bevölkerung ab 65 Jahren in allen EU-27-Staaten, bis auf Malta, gewachsen. In der gesamten Europäischen Union gab es einen Anstieg von 1,4 Prozentpunkten. Sowohl in Niedersachsen als auch Gesamtdeutschland lag der Anstieg bei 0,9 Prozentpunkten.
Niedersachsen 2023 weniger dicht besiedelt als Deutschland
In Niedersachsen lebten im Jahr 2023 durchschnittlich 169 Einwohnerinnen und Einwohner auf einem Quadratkilometer. Das waren 67 Personen weniger als im gesamten Bundesgebiet (236 Personen/km²) (vgl. Tabelle T1). Mit 1.766 Einwohnerinnen und Einwohnern pro Quadratkilometer war der kleinste Staat Malta (313 km²) der Mitgliedstaat mit der höchsten Bevölkerungsdichte 2023. Dagegen wiesen Finnland und Schweden mit 18 beziehungsweise 26 Einwohnerinnen und Einwohner auf einem Quadratkilometer die niedrigste Bevölkerungsdichte auf. Der Durchschnitt in der gesamten EU lag bei 109 Personen je Quadratkilometer.
Geburtenziffer 2023 in Niedersachsen höher als in Deutschland
Frauen im Alter von 15 bis 49 haben 2023 in Niedersachsen durchschnittlich 1,46 Kinder geboren. Werden alle Bundesländer zusammen betrachtet, lag die zusammengefasste Geburtenziffer in Deutschland bei 1,39 Kindern pro Frau. Sowohl Niedersachsen als auch Deutschland lagen damit im EU-weiten Vergleich im Mittelfeld (vgl. Tabelle T1 und Abbildung A4). Mit 1,81 Geburten pro Frau hatte Bulgarien unter den EU-Mitgliedstaaten die höchste zusammengefasste Geburtenziffer, gefolgt von Frankreich mit 1,66 Geburten im Jahr 2023. Schlusslicht waren Malta mit 1,06 und Spanien mit 1,12 Geburten pro Frau.

Zwischen den Jahren 2023 und 2018 ist die zusammengefasste Geburtenziffer in Niedersachsen um 0,16 gesunken. Auch in Gesamtdeutschland ist die Anzahl der Geburten in diesem Zeitraum um 0,18 zurückgegangen. Damit reihten sich Niedersachsen und Deutschland in die EU-weite Entwicklung der Geburten ein. 23 der 27 Mitgliedsstaaten verzeichneten einen Rückgang der zusammengefassten Geburtenziffer im Vergleich der Jahre 2023 zu 2018. Die stärksten Rückgänge gab es dabei in Estland (-0,36), Litauen (-0,34) und Schweden (-0,31). Nur in Portugal (+0,02), Bulgarien und Zypern (je +0,08) ist die zusammengefasste Geburtenziffer im 5-Jahres-Vergleich gestiegen.
Lebenserwartung in Niedersachsen 2023 unterdurchschnittlich
Die Lebenserwartung bei der Geburt lag 2023 in Niedersachsen bei 80,4 Jahren. Sie lagt damit unter der deutschlandweiten Lebenserwartung von 81,1 und unter dem Durchschnitt der EU-27-Staaten von 81,4 Jahren (vgl. Tabelle T1 und Abbildung A5). Wie Abbildung A5 zeigt, war die Lebenserwartung bei der Geburt in den östlichen EU-Staaten geringer als in den südlichen und westlichen. Schlusslichter waren Lettland (75,6 Jahre) und Bulgarien (75,8 Jahre). Mit mehr als einer acht Jahre höheren Lebenserwartung lag Spanien (84,0 Jahre) an der Spitze der Mitgliedstaaten, gefolgt von Italien mit 83,5 Jahren.
Zwischen 2023 und 2018 ist die Lebenserwartung in Niedersachsen um 0,1 Jahre gesunken. Dagegen ist sie sowohl in Deutschland (0,1 Jahre) als auch in der gesamten EU (0,4 Jahre) in diesem Zeitraum leicht gestiegen. Nur zwei EU-Länder verzeichneten einen Rückgang der Lebenserwartung im Vergleich 2023 zu 2018: Finnland (-0,2 Jahre) und Griechenland (-0,1 Jahre). In den Niederlanden und Zypern gab es keine Veränderung in diesem Zeitraum. In den anderen 23 Mitgliedstaaten war die Lebenserwartung 2023 höher als 2018. Die stärksten Anstiege von einem Jahr oder mehr verzeichneten:
- Litauen (1,6 Jahre),
- Luxemburg (1,1 Jahre),
- Malta (1,1 Jahre),
- Rumänien (1,1 Jahre) und
- Portugal (1,0 Jahre).

Fazit
Niedersachsens Bevölkerungszahl lag 2023 im EU-weiten Mittelfeld. Der Anteil der Bevölkerung über 65 Jahre lag leicht über dem EU-Durchschnitt, verzeichnete im EU-weiten Vergleich aber einen geringeren Zuwachs. Zwischen den Statistischen Regionen zeigten sich Unterschiede bezogen auf die Veränderung der Bevölkerungszahl, dem Anteil der älteren Bevölkerung und der Anzahl der geborenen Kinder je Frau im Alter zwischen 15 und 49 Jahren.
Der nächste Teil der Reihe vergleicht Niedersachsen in Bezug auf das Thema Bildung mit den EU-Mitgliedstaaten.
Weitere Informationen zum Thema Bevölkerung in Niedersachsen sind auch auf der Website des Landesamtes für Statistik Niedersachsen zu finden: www.statistik.niedersachsen.de.