
Dieser Beitrag zeigt die Position Niedersachsens und seiner Statistischen Regionen anhand ausgewählter Daten im Themenbereich Bildung im Vergleich zu den 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union. EU-weit werden Daten der frühen Schulabgängerinnen und -abgänger und der Anteil von Personen mit höheren Bildungsabschlüssen im Jahr 2024 verglichen.
Weitere Teile dieser Reihe betrachten die Themen Bevölkerung sowie Wirtschaft und Arbeitsmarkt.
Niedersachsens Bildung 2024 im Überblick
- Mit einem Anteil der frühen Schulabgängerinnen und Schulabgänger an der gleichaltrigen Bevölkerung von 15,4% liegt Niedersachsen über dem Durchschnitt der EU-27-Staaten von 9,3% und belegt den vorletzten Platz.
- 81,3% der 25- bis 64-Jährigen Personen in Niedersachsen haben einen höheren Bildungsabschluss.
- Der Anteil der Personen mit Abschlüssen im Hochschulbereich stieg 2024 gegenüber 2019 um 6,7 Prozentpunkte auf 32,2%.
Anteil früher Schulabgängerinnen und Schulabgänger in Niedersachsen weiterhin sehr hoch
Eine hohe Bildung ist in hochentwickelten, technologielastigen Volkswirtschaften eine wichtige Voraussetzung für einen erfolgreichen Übergang aus dem Bildungssystem in das Erwerbsleben (Tabelle T2). Der Anteil früher Schulabgängerinnen und Schulabgänger an der gleichaltrigen Bevölkerung ist daher ein wichtiger Indikator für die Wettbewerbsfähigkeit einer Region im internationalen Vergleich. EU-weit soll der Wert bis zum Jahr 2030 bei unter 9% liegen.
Dieser Indikator ging in der EU-27 im Jahr 2024 gegenüber 2019 um 0,8 Prozentpunkte auf 9,3% zurück (vgl. Tabelle T2). Innerhalb der EU war die Spanne zwischen den Mitgliedstaaten im Jahr 2024 nach wie vor sehr hoch. Die höchsten Werte verzeichneten
- Rumänien (16,8%),
- Spanien (13,0%) und
- Deutschland (12,4%).
Dagegen wiesen Kroatien (2,0%), Irland (2,8%) und Griechenland (3,0%) sehr viel niedrigere Werte auf (vgl. Abbildung A1). Deutschland lag 2024 damit – wie auch im Vorjahr – deutlich über dem erklärten Zielwert für 2030 von 9%. Mit einem Anstieg des Wertes zwischen 2024 und 2019 von 2,1 Prozentpunkten rückt das Ziel in Deutschland sogar in noch weitere Ferne. Stärker als im deutschen Durchschnitt stieg der Wert mit 3,5 Prozentpunkten in Niedersachsen (15,4%). Im EU-weiten Vergleich lag damit nur noch Rumänien (16,8%) über dem Wert von Niedersachsen.

Bildungsniveau in Deutschland und Niedersachsen auf den zweiten Blick besser
2024 verfügten in der Europäischen Union 36,1% der Frauen und Männer im Alter von 25 bis 64 Jahren über einen tertiären Bildungsabschluss1Tertiäre Abschlüsse (ISCED-Level 5 bis 8) können in Deutschland an Hochschulen und Fachhochschulen sowie an Verwaltungshochschulen, Berufs- und Fachakademien, Fachschulen und Schulen des Gesundheitswesens erworben werden. (vgl. Tabelle T2 und Abbildung A2). Dabei reichte die Spannweite in der EU-27 von 56,6% in Irland bis 19,2% in Rumänien. Der Anteil ist in der EU-27 mit Ausnahme von Finnland (-3,4 Prozentpunkte) in allen EU-Staaten im Vergleich zu 2019 gestiegen. In Deutschland betrug der Anteil der Menschen mit tertiären Bildungsabschlüssen 2024 34,5% und in Niedersachsen 32,5%.
Die unterdurchschnittlichen Anteile der tertiären Bildungsabschlüsse in Deutschland und Niedersachsen müssen an dieser Stelle etwas genauer betrachtet werden, da in den Zahlen der EU die sogenannten postsekundaren nicht-tertiären Abschlüsse2Postsekundare nicht-tertiäre Bildungsabschlüsse (ISCED-Level 4) sind dadurch gekennzeichnet, dass zwei Abschlüsse des Sekundarbereichs II nacheinander oder auch gleichzeitig erworben werden, zum Beispiel zunächst ein Abitur und im Anschluss eine Lehrausbildung. Eurostat veröffentlicht diese Abschlüsse nur zusammen mit dem Sekundarbereich II (ISCED-Level 3). nicht berücksichtigt werden. Darunter fallen bspw. etliche Abschlüsse von Berufsfachschulen und weitere „Fachausbildungen“. Im deutschen Bildungswesen spielen diese Abschlüsse im Vergleich zu der EU-27 eine erheblich wichtigere Rolle: Im Jahr 2023 hatten in Deutschland 13,7% und in Niedersachsen 14,6% der 25-bis 64-Jährigen einen postsekundaren nicht-tertiären Abschluss.3Quellen für Bildungsabschlüsse der deutschen Bundesländer: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Internationale Bildungsindikatoren im Ländervergleich, 2024, Tabelle T2 (Erstergebnisse des Mikrozensus 2023).

Dieses Bild zeigt der EU-weite Vergleich der Bildungsabschlüsse ISCED-Level 3-4. Mit 48,8% und 49,3% lagen Niedersachsen bzw. Deutschland jeweils über dem Durchschnitt der Mitgliedstaaten von 44,3% (vgl. Tabelle T2 und Abbildung A2). Die Spannweite in der EU-27 war, wie auch bei den tertiären Bildungsabschlüssen, sehr hoch und reichte von 66,8% in Tschechien bis 22,9% in Spanien.
Die unterschiedliche Verteilung der verschiedenen Bildungsabschlüsse in den EU-Mitgliedstaaten verdeutlicht die Vielfältigkeit der Bildungssysteme zwischen den Ländern. Zusammengefasst wiesen 80,4% der 25- bis 64-Jährigen in der EU einen höheren Bildungsabschluss (ISCED-Level 3-8) auf (vgl. Abb. 2). Deutschland lag mit 83,8% etwas über dem EU-Durchschnitt (Niedersachsen: 81,3%). Spitzenreiter waren Polen (94,9%), Litauen (94,4%) und die Tschechische Republik (94,3%). Das Schlusslicht ist Portugal (61,5%), gefolgt von Spanien (64,9%) und Italien (66,7%).
Fazit
Niedersachsen weist im EU-Vergleich weiterhin einen überdurchschnittlich hohen Anteil früher Schulabgängerinnen und -abgänger auf und liegt damit deutlich über dem EU-Zielwert. Gleichzeitig zeigt sich beim Anteil höherer Bildungsabschlüsse ein differenziertes Bild: Während tertiäre Abschlüsse unter dem EU-Durchschnitt liegen, ist der Anteil an postsekundaren nicht-tertiären Abschlüssen vergleichsweise hoch. Insgesamt verfügen über 80 % der 25- bis 64-Jährigen in Niedersachsen über einen höheren Bildungsabschluss, was leicht über dem EU-Durchschnitt liegt.
Weitere Infos zum Stand und der Entwicklung der Bildung in Niedersachsen sind auf den Seiten des Landesamtes für Statistik Niedersachsen zu finden.
Fußnoten
- 1Tertiäre Abschlüsse (ISCED-Level 5 bis 8) können in Deutschland an Hochschulen und Fachhochschulen sowie an Verwaltungshochschulen, Berufs- und Fachakademien, Fachschulen und Schulen des Gesundheitswesens erworben werden.
- 2Postsekundare nicht-tertiäre Bildungsabschlüsse (ISCED-Level 4) sind dadurch gekennzeichnet, dass zwei Abschlüsse des Sekundarbereichs II nacheinander oder auch gleichzeitig erworben werden, zum Beispiel zunächst ein Abitur und im Anschluss eine Lehrausbildung. Eurostat veröffentlicht diese Abschlüsse nur zusammen mit dem Sekundarbereich II (ISCED-Level 3).
- 3Quellen für Bildungsabschlüsse der deutschen Bundesländer: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Internationale Bildungsindikatoren im Ländervergleich, 2024, Tabelle T2 (Erstergebnisse des Mikrozensus 2023).