Die generalisierte Pflegeausbildung in Niedersachsen

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Fabio Balbi – stock.adobe.com

Mit Inkrafttreten des Pflegeberufegesetzes (PflBG) am 1. Januar 2020 wurde die berufliche Ausbildung von Pflegefachkräften in Deutschland reformiert. Die in diesem Zuge neu geschaffene, generalisierte Ausbildung zur Pflegefachfrau bzw. zum Pflegefachmann verbindet die seit 2020 auslaufenden Bildungsgänge Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpflege.

Statistische Daten zur generalisierten Pflegeausbildung werden in der ebenfalls seit 2020 durchgeführten Statistik nach der Pflegeberufe-Ausbildungsfinanzierungsverordnung (PflAFinV) erhoben. Mit dem Berichtsjahr 2022 lagen für die Ausbildung zur Pflegefachfrau und zum Pflegefachmann nun erstmals Daten zu Schülerinnen und Schülern in allen drei Klassenstufen sowie zu ersten Absolventinnen und Absolventen in Niedersachsen vor.

Methodische Hinweise

Gesetzesgrundlage für die Statistik nach Pflegeberufe-Ausbildungsfinanzierungsverordnung (Pfl A Fin V) ist das Pflegeberufereformgesetz (PflBRefG) vom 17.07.2017 (BGBl. I 2017 S. 2581). Das Gesetz hat zum Ziel, die bisherigen drei Ausbildungen in der Altenpflege, der Gesundheits- und Krankenpflege und der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege zu dem generalisierten Berufsbild Pflegefachfrau/-mann zusammenzuführen, zu modernisieren und für Auszubildende attraktiver zu gestalten. Die generalisierte Ausbildung soll zudem Zugang zu den verschiedenen Tätigkeitsfeldern in der Pflege bieten und so die zukünftigen Pflegekräfte dabei unterstützen, ihre Berufstätigkeit noch besser an ihre eigene persönliche Entwicklung und Lebenssituation anzupassen. Außerdem ist der Abschluss automatisch im EU-Ausland anerkannt.
Bei der Statistik nach der Pfl A Fin V (kurz „PfleA“ genannt) handelt es sich um eine dezentrale Bundesstatistik, die Daten zur beruflichen Ausbildung in der Pflege erhebt. Zugleich kann sie zur Beurteilung und Evaluierung gesetzlicher Maßnahmen im Bereich der Pflegeausbildung genutzt werden, insbesondere in Hinblick auf die Ausbildungsfinanzierung sowie bestimmte Fördermaßnahmen. Die Statistik wird jährlich zum Stichtag 31.12. (für das vorangegangene Berichtsjahr) durchgeführt. Sie erfasst die bei den für die Finanzierung der Pflegeausbildung zuständigen Stellen (in Niedersachsen: der Pflegeausbildungsfonds) erhobenen Angaben zu den Pflegeschulen und den Trägern der praktischen Ausbildung sowie zu den in Ausbildung befindlichen Personen.

Drei Viertel der niedersächsischen Auszubildenden sind weiblich

Zum Stichtag 31. Dezember 2022 befanden sich in Niedersachsen knapp 14.000 Personen in der generalisierten Ausbildung zur Pflegefachfrau und zum Pflegefachmann. Von den Auszubildenden 2022 waren gut drei Viertel (76,1%) Frauen und ein Viertel (23,9%) Männer. Gegenüber dem Vorjahr (75,6%) hat sich der Frauenanteil damit kaum verändert. Mit 98,3% absolvierte die überwiegende Mehrheit der Schülerinnen und Schüler die Ausbildung in Vollzeit. Nur knapp 1,7% der Ausbildungen fanden in Teilzeit statt.

Auszubildende erhalten in der generalisierten Pflegeausbildung grundsätzlich eine Ausbildungsvergütung. Im Berichtsjahr 2022 erhielten in Niedersachsen zudem 4,4% der Auszubildenden Fördermittel nach § 81 SGB III (siehe Infokasten), weitere 0,3% erhielten andere Fördermittel. Mit 95,3% erhielt der Großteil der Auszubildenden hingegen keine Fördermittel.

Möglichkeiten der finanziellen Förderung im Rahmen der Pflegeausbildung

Über die Ausbildungsvergütung hinaus gibt es unter bestimmten Voraussetzungen auch weitere finanzielle Förderungsmöglichkeiten für Auszubildende in der generalisierten Pflegeausbildung. So besteht im Rahmen der beruflichen Weiterbildung die Möglichkeit der Förderung nach § 81 SGB III oder nach § 16 SGB II i. V. m. § 81 SGB III. Dies beinhaltet von der Bundesagentur für Arbeit geförderte Maßnahmen zur Arbeitsförderung sowie zur Eingliederung in Arbeit. Außerdem ist es möglich, dass eine Ausbildung durch Mittel gefördert wird, die weder § 81 SGB III noch § 16 SGB II i. V. m. § 81 SGB III betreffen (z. B. Berufsausbildungsbeihilfe nach § 57 SGB III oder BAföG).

Knapp ein Fünftel der Auszubildenden war älter als 30 Jahre

Die jüngsten Auszubildenden zur Pflegefachfrau und zum Pflegefachmann waren 2022 in Niedersachsen 16 Jahre alt. Insgesamt entfielen 35,9% der Auszubildenden auf die Altersgruppe zwischen 16 und 20 Jahren, 33,4% waren zwischen 21 und 25 Jahren sowie 12,4% zwischen 26 und 30 Jahre alt (siehe Abb. 1). Älter als 30 Jahre waren 18,3% der Auszubildenden. Der Median in Niedersachsen lag 2022 bei 21 Jahren, das arithmetische Mittel bei 24 Jahren. Die Altersstruktur der Auszubildenden hat sich gegenüber den Vorjahren 2021 und 2020 nicht wesentlich verändert.

Das Diagramm stellt die Anteile der Auszubildenden zur Pflegefachfrau und zum Pflegfachmann in Prozent nach Altersgruppen in Niedersachsen im Berichtsjahr 2022 dar. Mit 35,9% waren die meisten Auszubildenden im Alter zwischen 16 und 20 Jahren. Im Alter zwischen 21 und 25 Jahren waren 33,4% und zwischen 26 und 30 Jahren 12,4%. Die Altersgruppe von 31 bis 40 Jahren weist nur einen Anteil von 10,9% auf, während nur 6,1% zwischen 41 und 50 Jahren alt waren. 51 Jahre und älter sind nur 1,3% der Auszubildenden.
A1 Auszubildende zur Pflegefachfrau/zum Pflegefachmann in Niedersachsen 2022 nach Altersgruppen, Anteile in Prozent

Region Hannover bei Ausbildungen in der Pflege besonders stark vertreten

In Niedersachsen wurden im Berichtsjahr 2022 über 2.300 Schülerinnen und Schüler in der Ausbildung zur Pflegefachfrau bzw. zum Pflegefachmann an Pflegefachschulen der Region Hannover gemeldet. Auf den Landkreis Göttingen entfielen rund 1.100 sowie auf die kreisfreie Stadt Osnabrück knapp 1.000 Auszubildende. Beinahe 700 weitere Auszubildende wurden außerdem jeweils im Landkreis Emsland sowie in der kreisfreien Stadt Oldenburg registriert. Nur in sechs niedersächsischen Landkreisen wurden weniger als 100 Schülerinnen und Schüler in der Ausbildung zur/zum Pflegefachfrau/-mann gezählt (siehe Abb. 2).

Die Karte zeigt die Anzahl der Auszubildenden zur/zum Pflegefachfrau/-mann je Landkreis bzw. kreisfreier Stadt in Größenklassen an. In den meisten Landkreisen liegt der Wert unter 300, der Durchschnitt in Niedersachsen liegt bei 310. Der Höchstwert liegt mit 2.310 in der Region Hannover, die niedrigsten Werte gibt es in den Kreisen Wittmund (39), Oldenburg (45) und Holzminden (45).
A2 Auszubildende zur Pflegefachfrau/zum Pflegefachmann in Niedersachsen 2022 nach Landkreisen und kreisfreien Städten

Weniger neu abgeschlossene Ausbildungsverträge in der Pflege

Im Berichtsjahr 2022 wurden in Niedersachsen rund 5.200 Ausbildungsverträge im Beruf Pflegefachfrau/-mann neu abgeschlossen. Gegenüber dem Vorjahr (rund 5.600) hat sich die Zahl der Neuabschlüsse deutlich verringert (-8,1%). Damit fällt der Rückgang etwas stärker aus als im Bundesdurchschnitt (-7,3%). Mit Ausnahme von Rheinland-Pfalz (+18,8%) zeigten sich in allen Bundesländern rückläufige Zahlen. Sachsen-Anhalt (-18,1%) und Hamburg (-16,2%) wiesen dabei den stärksten Rückgang bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen auf. Der geringste Rückgang im Vergleich zum Vorjahr wurde 2022 mit -2,2% in Sachsen gemeldet.

Jede zweite Ausbildung wurde in Krankenhäusern absolviert

Etwa die Hälfte (49,7%) aller neu angetretenen Ausbildungen wurde in Krankenhäusern absolviert, 36,4% begannen ihre Ausbildung in einer stationären Pflegeeinrichtung. Gut ein Zehntel (10,8%) der Ausbildungsanfängerinnen und -anfänger im Jahr 2022 absolvierte die Ausbildung in ambulanten Pflegeeinrichtungen, bei 3,1% der Neuabschlüsse lag keine Information über die Art der Trägerschaft vor.

Pflegeträger vorwiegend in privater oder frei gemeinnütziger Trägerschaft

Die Träger der praktischen Ausbildung können in Niedersachsen ebenfalls nach der Art ihrer Trägerschaft unterschieden werden (siehe Abb. 3). Nur 30,4% der insgesamt 125 ausbildenden Krankenhäuser in Niedersachsen waren 2022 in öffentlicher Trägerschaft. In privater Trägerschaft waren 31,2% der Krankenhäuser, 38,4% wurden in frei gemeinnütziger Trägerschaft gemeldet. Bei den insgesamt gut 1.200 lehrenden stationären Pflegeeinrichtungen entfielen in Niedersachsen 2022 nur 2,5% auf öffentliche Trägerschaften. Die Mehrheit bildeten hier frei gemeinnützige (36,5%) bzw. private (61,0%) Trägerschaften. Ein ähnliches Bild zeichnete sich 2022 in Niedersachsen mit Blick auf die knapp 700 ambulanten Pflegeeinrichtungen ab. Hier befanden sich nur 1,6% der Einrichtungen in einer öffentlichen Trägerschaft. In frei gemeinnütziger Trägerschaft waren 35,4% der lehrenden ambulanten Pflegeeinrichtungen, mit 63,0% befand sich hingegen der überwiegende Teil in privater Trägerschaft.

Die im Rahmen der generalisierten Pflegeausbildung ausbildenden niedersächsischen Krankenhäuser waren 2022 zu 30,4% in öffentlicher, zu 31,2% in privater und zu 38,4% in frei gemeinnütziger Trägerschaft. Bei den stationären Pflegeeinrichtungen waren zu 2,5% in öffentlicher, zu 61,0% in privater und zu 36,5% in frei gemeinnütziger Trägerschaft. Die im Rahmen der generalisierten Pflegeausbildung ausbildenden niedersächsischen ambulanten Pflegeeinrichtungen waren 2022 zu 1,6% in öffentlicher, zu 63,0% in privater und zu 34,4% in frei gemeinnütziger Trägerschaft.
A3 Im Rahmen der generalisierten Pflegeausbildung ausbildende niedersächsische Einrichtungen nach Art der Trägerschaft, Anteile in Prozent

Anzahl der Pflegefachschulen gleichbleibend

Von den 154 Pflegefachschulen in Niedersachsen, an denen wiederum der schulische Teil der Ausbildung absolviert wird, sind im vergangenen Berichtsjahr 61 Schulen einer öffentlichen, 56 einer frei gemeinnützigen und 37 einer privaten Trägerschaft zuzuordnen. Damit ist die Anzahl der Pflegefachschulen im Vergleich zum Vorjahr (153) etwa gleichbleibend.

Die ersten rund 100 Personen haben ihre Ausbildung bereits abgeschlossen

Im Berichtsjahr 2022 wurden in Niedersachsen außerdem erstmalig Zahlen zu Absolventinnen und Absolventen des Bildungsgangs Pflegefachfrau/-mann gemeldet. Die ersten rund 100 Personen konnten die Ausbildung im Jahr 2022 erfolgreich beenden. Von den Absolventinnen und Absolventen waren 83,3% Frauen und 16,7% Männer. Gleichzeitig brachen im Laufe des Berichtsjahres 2022 fast 2.000 Personen ihre Ausbildung ohne einen Abschluss ab.

Ausblick

Da die Ausbildung zur/zum Pflegefachfrau/-mann in der Regel drei Jahre dauert, ist zum Berichtsjahr 2023 erstmalig mit Abschlüssen in größerer Zahl zu rechnen. Von großem Interesse wird in den kommenden Jahren die Frage sein, wie sich die Zahl der Auszubildenden und der Absolventinnen und Absolventen entwickelt, nicht zuletzt aufgrund des sich verschärfenden Fachkräftemangels in der Pflege. Ob die generalisierte Pflegeausbildung die Attraktivität des Pflegeberufs tatsächlich erhöht, wird sich erst anhand weiterer Daten in den kommenden Jahren beurteilen lassen.

Für weitere Informationen besuchen Sie unseren Themenbereich Bildung auf unserer Website: https://www.statistik.niedersachsen.de/berufliche-bildung-niedersachsen

Methodischer Hinweis – Rundung

Aus Datenschutzgründen sind alle Daten (Absolutwerte) jeweils auf ein Vielfaches von drei gerundet; der Gesamtwert kann deshalb von der Summe der Einzelwerte abweichen.

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