
Die finanziellen Belastungen privater Haushalte haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Insbesondere die Preise für Wohnen, Energie und Lebensmittel stiegen dabei spürbar. Wie sich dies auf das Ausgabeverhalten der privaten Haushalte in Niedersachsen ausgewirkt hat, zeigen die Ergebnisse der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) 2023.
Deren Ergebnisse verdeutlichen, dass Wohnen und Energie im Vergleich zu allen anderen Ausgabenbereichen weiterhin den größten Anteil der Konsumausgaben ausmachen und im Vergleich zur EVS 2013 nochmals deutlich an Bedeutung gewonnen haben.
Wohnen beansprucht einen immer größeren Anteil des Budgets
Im Jahr 2023 gaben die privaten Haushalte in Niedersachsen durchschnittlich 3.032 Euro pro Monat für den privaten Konsum aus. Davon entfielen 1.163 Euro beziehungsweise 38,3% auf Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung (vgl. Abbildung A1). Damit war dieser Bereich mit Abstand der größte Ausgabenposten. Zum Vergleich: 2013 lag der Anteil dieses Ausgabenbereichs noch bei 35,5%. Innerhalb von zehn Jahren erhöhten sich die durchschnittlichen Ausgaben für Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung von 883 Euro auf 1.163 Euro pro Monat (+31,7%).
Nach den Wohnkosten bildeten Nahrungsmittel, Getränke, Tabakwaren und Ähnliches den zweitgrößten Ausgabenblock. Dafür wendeten die niedersächsischen Haushalte 2023 durchschnittlich 443 Euro pro Monat beziehungsweise 14,6% ihrer Konsumausgaben auf. Im Vergleich zu 2013 stiegen die Ausgaben in diesem Bereich um 27,3%.

Verkehrsausgaben in Niedersachsen steigen bei sinkender Bedeutung
Anders als bei Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung sowie Nahrungsmitteln, Getränken, Tabakwaren und Ähnlichem sank die Bedeutung der Verkehrsausgaben. Zu diesen Ausgaben zählen unter anderem die Ausgaben für Autos, Kraft- und Fahrräder sowie deren Reparaturen und die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Ihr Anteil an den gesamten Konsumausgaben verringerte sich von 13,5% im Jahr 2013 auf 11,7% im Jahr 2023. Dennoch gaben die Haushalte, absolut betrachtet, mehr Geld für Mobilität aus: Die monatlichen Ausgaben erhöhten sich von 336 Euro auf 355 Euro.
Auch die Ausgaben für Freizeit, Sport und Kultur verloren anteilig an Bedeutung. Während ihr Anteil an den gesamten Konsumausgaben von 10,8% im Jahr 2013 auf 9,0% im Jahr 2023 zurückging, entwickelte sich der Bereich Gastronomie- und Beherbergungsdienstleistungen in die entgegengesetzte Richtung. Hier stieg der Ausgabenanteil im gleichen Zeitraum von 4,8% auf 6,1%.
Das Haushaltsnettoeinkommen beeinflusst das Konsumverhalten
Wie die EVS 2023 verdeutlicht, hängen Umfang und Struktur der Konsumausgaben eng mit der Höhe des Haushaltsnettoeinkommens zusammen: Mit steigendem Einkommen wachsen nicht nur die Ausgaben insgesamt, sondern auch der Spielraum, Geld für Freizeit, Mobilität und andere Konsumbereiche aufzuwenden.
Haushalte mit einem monatlichen Nettoeinkommen von weniger als 1.300 Euro gaben 2023 in Niedersachsen durchschnittlich rund 1.205 Euro pro Monat für den privaten Konsum aus. Mit 548 Euro entfiel davon fast die Hälfte auf Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung. Für Nahrungsmittel, Getränke, Tabakwaren und Ähnliches wurden weitere 230 Euro beziehungsweise 19,1% der monatlichen Konsumausgaben aufgewendet. Damit konzentrierten sich die verfügbaren Mittel vor allem auf die Deckung grundlegender Bedürfnisse. Die Ausgabenanteile für Freizeit, Sport und Kultur (5,5%; 67 Euro) sowie Gastronomie- und Beherbergungsdienstleistungen (3,5%; 43 Euro) an allen Konsumausgaben waren somit eher gering (vgl. Abbildung A2).

Bei einem höheren Haushaltsnettoeinkommen zeigt sich dagegen ein anderes Bild: Haushalte mit einem monatlichen Nettoeinkommen von mindestens 5.000 Euro gaben durchschnittlich 4.683 Euro für den privaten Konsum aus. Davon entfielen 1.659 Euro beziehungsweise 35,4% auf Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung. Für Nahrungsmittel, Getränke, Tabakwaren und Ähnliches wurden mit 635 Euro ebenfalls deutlich höhere Beträge ausgegeben als im Durchschnitt aller Haushalte (443 Euro). Darüber hinaus gab es größere finanzielle Spielräume für
- Verkehr (603 Euro),
- Freizeit, Sport und Kultur (483 Euro) sowie
- Gastronomie- und Beherbergungsdienstleistungen (322 Euro).
Steigende Wohn- und Energiekosten belasten Haushalte in Niedersachsen
Ein Vergleich mit den Ergebnissen der EVS 2013 verdeutlicht zudem, dass die Ausgaben für Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung in nahezu allen Einkommensgruppen an Bedeutung gewonnen haben. Besonders deutlich fiel dieser Anstieg bei Haushalten mit einem monatlichen Nettoeinkommen ab 2.600 Euro aus. In diesen Einkommensgruppen erhöhte sich der Anteil der Wohnkosten jeweils um knapp fünf Prozentpunkte (vgl. Abbildung A3). Damit wird sichtbar, dass steigende Wohn- und Energiekosten längst nicht mehr nur Haushalte mit niedrigen Einkommen betreffen, sondern zunehmend auch mittlere und höhere Einkommensgruppen belasten.

Fazit
Die EVS 2023 macht deutlich, dass die privaten Haushalte in Niedersachsen einen immer größeren Teil ihres Konsumbudgets für den Bereich Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung aufwenden müssen. Während Wohnkosten seit 2013 sowohl absolut als auch anteilig erheblich gestiegen sind, haben andere Ausgabenbereiche, wie Verkehr oder Freizeit, relativ an Bedeutung verloren. Besonders Haushalte mit niedrigen Einkommen sind von den hohen Wohnkosten betroffen, da sie einen überdurchschnittlich großen Teil ihres Budgets für Grundbedürfnisse aufwenden müssen. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass die Höhe des Haushaltseinkommens das Konsumverhalten maßgeblich beeinflusst.
Die EVS liefert damit wichtige Erkenntnisse darüber, wie sich gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen im Alltag der niedersächsischen Haushalte niederschlagen und welche Ausgabenbereiche ihre Budgets besonders prägen.
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