
In diesem Beitrag wird die wirtschaftliche Stellung Niedersachsens und seiner Statistischen Regionen mit den 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union verglichen. Im Mittelpunkt der Analyse auf Basis von Kennzahlen steht die Wirtschaftsleistung.
Die Themen Bevölkerung und Bildung wurden in den ersten beiden Teilen der Reihe behandelt. Im dritten und vorletzten Teil der Reihe geht es um die Themen Wirtschaft und Arbeitsmarkt.
Wirtschaftsleistung Niedersachsens 2024 erneut gestiegen
- Mit 3,3% wuchs die nominale, d. h. nicht preisbereinigte Wirtschaftsleistung Niedersachsens zwar stärker als im deutschen Durchschnitt (2,6%), im Vergleich zu der EU-27 (4,4%) aber etwas schwächer.
- Die Kaufkraft in Niedersachsen lag mit 107 immer noch 7 Punkte über dem EU-Durchschnitt (100) aber 9 Punkte unter dem Wert für Deutschland (116).
BIP wächst in Niedersachsen im Vergleich zu Deutschland erneut überdurchschnittlich
Im Jahr 2024 setzte sich die Erholung der Wirtschaftsleistung in der EU-27 weiter fort. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) in jeweiligen Preisen stieg auch die Wirtschaftsleistung Niedersachsens 2024 laut Eurostat1Die Angaben zum Bruttoinlandsprodukt weichen von anderen Veröffentlichungen ab, da Eurostat die Revisionen des Arbeitskreises Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder (AK VGRdL) nicht zeitnah berücksichtigen kann. um 3,3%, inflationsbereinigt noch um 0,9%. In Deutschland war das Wachstum mit 2,6% sowie inflationsbereinigt 0,2% merklich schwächer (Tabelle T1). Zwischen 2024 und 2023 verringerte sich das BIP in Kaufkraftstandards je Einwohnerin bzw. je Einwohner im Vergleich zur EU‑27 in Deutschland um zwei Punkte (von 118 auf 116). Für Niedersachsen fiel der Rückgang mit einem Punkt (von 108 auf 107) geringer aus. Der Abstand Niedersachsens zum deutschen Durchschnitt sank dadurch in diesem Zeitraum ebenfalls um einen Punkt.

In der EU-27 sind die meisten Volkswirtschaften, wie in den Vorjahren, auch 2024 nominal stark gewachsen. Die höchsten Wachstumsraten verzeichneten mit
- Polen (+12,8%),
- Bulgarien (+10,8%) und
- Malta (+10,5%)
drei aufstrebende Staaten. Die drei größten Volkswirtschaften der EU-27
- Deutschland (+2,6%),
- Frankreich (+3,3%) und
- Italien (+2,7%)
wuchsen weniger stark.
Positiv ist auch, dass im Vergleich zum Vorjahr alle EU-27 Staaten ein nominales Wirtschaftswachstum aufwiesen. Auch wenn es in Lettland (+2,0%), Finnland (+1,1%) und Tschechien (+0,5%) eher gering ausfiel.
Wirtschaftsleistung Statistischer Regionen Niedersachsens vergleichbar mit EU-Ländern
Mit Anstieg des nominalen BIP um jeweils 3,5% lagen die Statistischen Regionen Hannover und Lüneburg niedersachsenweit am höchsten. In absoluten Zahlen verteidigte die Statistische Region Weser-Ems mit einem BIP von 121 Milliarden Euro auch 2024 ihren Spitzenplatz und war damit die Region mit der höchsten Wirtschaftsleistung. Sie erzielte mit einem Anstieg von 3,2% die zweithöchste Wachstumsrate. Nach einem starken Wachstum im Vorjahr wies die Statistische Region Braunschweig mit +3,0% das schwächste Wirtschaftswachstum auf. Damit lag sie aber immer noch über dem Durchschnitt für Deutschland insgesamt.
In absoluten Zahlen können die Statistischen Regionen Niedersachsens durchaus mit einigen Staaten der EU-27 verglichen werden. So war die Wirtschaftsleistung der Statistisch Regionen Weser-Ems mit 121 Milliarden Euro fast so hoch wie die der Slowakei (130 Milliarden Euro) und die Statistische Region Hannover (106 Milliarden Euro) war gleichauf mit Bulgarien (105 Milliarden Euro). Die Statistische Region Braunschweig war mit einem BIP in Preisen von knapp 92 Milliarden wirtschaftlich stärker als beispielsweise Luxemburg oder Kroatien, die jeweils ein BIP von etwa 86 Milliarden Euro verzeichneten. Die Statistische Region Lüneburg wies mit einem BIP von 65 Milliarden Euro das vergleichsweise niedrigste in Niedersachsen auf, im EU-weiten Vergleich entsprach dies ungefähr der Summe der Bruttoinlandsprodukte von Lettland (40 Milliarden Euro) und Malta (23 Milliarden Euro).
Wirtschaftsleistung pro Kopf in Niedersachsen 7% höher als EU-Durchschnitt
Ein BIP pro Kopf in KKS von 107 wurde in Niedersachsen im Jahr 2024 erzielt (vgl. Tabelle T1 und Abbildung A2). Das entsprach einer preisbereinigten Wirtschaftsleistung pro Kopf, die um 7% über dem EU-Durchschnitt lag. Deutschland erreichte einen noch höheren Wert von 116. Im Gegensatz dazu erwirtschafteten drei EU-Staaten weniger als 75% der durchschnittlichen Wirtschaftsleistung pro Kopf der EU. Wie auch in den Vorjahren belegte Bulgarien mit einem Wert von 66 den letzten Platz hinter Lettland (68) und Griechenland (69).
Trotz des positiven Wirtschaftswachstums sank das BIP in Kaufkraftstandards in Niedersachsen 2024 im Vergleich zu 2023 moderat um 1 Prozentpunkt, sodass die kaufkraftbereinigte Wirtschaftsleistung pro Kopf im Vergleich zu den EU-Staaten entsprechend auch leicht abnahm (vgl. Tabelle T1 und Abbildung A2). Während in Deutschland und in acht weiteren EU-27-Staaten die Werte ebenfalls zurückgingen – wobei Lettland (-3 Prozentpunkte) sowie Deutschland und Österreich (jeweils -2 Prozentpunkte) die stärksten Rückgänge verzeichneten, stieg der Indikator in Rumänien um 3 Prozentpunkte und in Bulgarien sogar um 5 Prozentpunkte.

Wirtschaftsleistung pro Kopf der Statistischen Region Braunschweig vergleichbar mit Dänemark
Im Jahr 2024 lag das BIP pro Kopf in KKS in der Statistischen Region Braunschweig mit 129 deutlich über dem EU-Durchschnitt. Dieser Wert ist in etwa mit dem Niveau Dänemarks vergleichbar, das bei 127 lag. Auch in den Statistischen Regionen Hannover (108) und Weser-Ems (107) bewegte sich der Wert über dem EU-Durchschnitt und reihte sich zwischen Finnland (102) und Malta (110) ein. Im Gegensatz dazu erreichte die Statistische Region Lüneburg lediglich 84 des EU-Durchschnitts – ein Niveau, das in etwa dem von Litauen (87) oder Portugal (82) entspricht.
Aufgrund dieser niedrigeren Wirtschaftsleistung gilt Lüneburg weiterhin als Übergangsregion im Sinne der Förderkriterien des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und erhält neben EFRE auch Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF). Es ist jedoch zu beachten, dass der Indikator durch die hohe Anzahl an Pendlerinnen und Pendlern in den benachbarten NUTS-2-Regionen verzerrt wird, da die Wirtschaftsleistung am Arbeitsort und nicht am Wohnort erfasst wird. So fließen die Erträge der Pendlerinnen und Pendler, die beispielsweise in Hamburg oder Bremen arbeiten, diesen Zentren zu, was das BIP pro Kopf in KKS in der Statistischen Region Lüneburg senkt und einen Teil des europaweit sehr hohen BIP pro Kopf in KKS in Hamburg (196) erklärt.
Fazit
Niedersachsen wies im Jahr 2024 im europäischen Vergleich eine solide wirtschaftliche Position auf. Die Wirtschaftsleistung des Landes lag sowohl nominal als auch kaufkraftbereinigt über dem EU-Durchschnitt. Innerhalb Niedersachsens bestanden regionale Unterschiede, wobei insbesondere die Statistische Region Braunschweig überdurchschnittlich stark abschnitt. Allerdings ist die kaufkraftbereinigte Wirtschaftsleistung in Niedersachsen leicht zurückgegangen.
Eng mit dem Thema Wirtschaft verbunden ist die Situation am Arbeitsmarkt. Diesem Thema widmet sich der vierte und letzte Teil der Reihe.
Fußnoten
- 1Die Angaben zum Bruttoinlandsprodukt weichen von anderen Veröffentlichungen ab, da Eurostat die Revisionen des Arbeitskreises Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder (AK VGRdL) nicht zeitnah berücksichtigen kann. ↩︎