Dienstleistungen, Handel und Tourismus in Niedersachsen 2024

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Die niedersächsische Wirtschaft war im Jahr 2024 weiterhin erschwerten Rahmenbedingungen ausgesetzt. Eine schwache Konjunktur verbunden mit Export-Schwierigkeiten setzten der Wirtschaft insgesamt zu. Die Auswirkungen auf den Umsatz und die Beschäftigung im niedersächsischen Handel und den Dienstleistungsbereichen sowie Gäste- und Übernachtungszahlen im Tourismus beleuchtet dieser Beitrag.

Stichprobenerhebungen für Konjunkturstatistiken

Zu den monatlichen Konjunkturstatistiken im Dienstleistungsbereich werden in Form einer Stichprobenerhebung Einheiten aus den folgenden Wirtschaftsabschnitten befragt:
  • H – Verkehr und Lagerei,
  • J – Information und Kommunikation,
  • L – Grundstücks- und Wohnungswesen,
  • M – Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen sowie
  • N – Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen.

Dienstleistungsbereiche – Gesamtumsatz in Niedersachsen rückläufig

Für das Jahr 2024 weisen vorläufige Ergebnisse der monatlich durchgeführten Konjunkturstatistik im Dienstleistungsbereich insgesamt ein Umsatzvolumen von nominal knapp 112 Mrd. Euro aus. Das entspricht einem Rückgang um 4,4% im Vergleich zum Vorjahr. Besonders deutlich fiel der Rückgang im Wirtschaftsabschnitt N mit nominal einem Fünftel (-20,0%) auf rund 32,9 Mrd. Euro aus.

In den anderen Wirtschaftsabschnitten gab es jeweils nominale Zuwächse. Den höchsten Anteil von einem Drittel (32,8%) am nominalen Dienstleistungs-Gesamtumsatz hatte mit knapp 36,7 Mrd. Euro der Wirtschaftsabschnitt H. Gegenüber dem Vorjahr wurde eine Zunahme um 2,3% erzielt. Im Abschnitt M lag der Zuwachs bei nominal 6,6% auf ein Umsatzvolumen von 19,3 Mrd. Euro, gefolgt vom Abschnitt J mit 13,5 Mrd. Euro (+4,7%). Im Abschnitt L stieg der nominale Jahresumsatz um 4,3% auf 9,3 Mrd. Euro.

A1 Nominale und reale Veränderungsraten des Umsatzes in den niedersächsischen Dienstleistungsbereichen im Vergleich zum Vorjahr: H – Verkehr und Lagerei: Nominal: +2,3%, real: -4,1%. J – Information und Kommunikation: Nominal: +4,7%, real: +2,7%. L – Grundstücks- und Wohnungswesen: Nominal: +4,3%, real +2,1%, M – Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen: Nominal: 6,6%, real +3,5%. N – Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen: Nominal: -20,0%, real: -22,1%.
A1 Nominale und preisbereinigte Veränderungsrate des Umsatzes im niedersächsischen Dienstleistungsbereich 2024

Realer Gesamtumsatz der Dienstleistungen bei -7,5%

Real lag der Gesamtumsatz der Dienstleistungsbereiche im Jahr 2024 bei über 89,6 Mrd. Euro, ein Minus von 7,5% gegenüber dem Vorjahr. Im Wirtschaftsabschnitt N war der reale Umsatzrückgang um mehr als ein Fünftel (-22,1%) auf rund 24,9 Mrd. Euro am höchsten.  Auch im Abschnitt H ging der reale Umsatz um 4,1% auf fast 28,6 Mrd. Euro zurück. In den Abschnitten J, L und M gab es positive Veränderungsraten. Relativ am stärksten wuchs der Wirtschaftsabschnitt M mit +3,5% auf fast 15,7 Mrd. Euro Jahresumsatz. Der Abschnitt J erzielte real annähernd 12,4 Mrd. Euro Umsatz (+2,7%) und der Abschnitt L erreichte nahezu 8,1 Mrd. Euro (+2,1%).

Beschäftigung im niedersächsischen Dienstleistungsbereich ging zurück

Die Zahl der Beschäftigten war im Jahr 2024 in allen betrachteten Wirtschaftsabschnitten rückläufig. Im Vergleich zum Vorjahr sank sie um 2,3% auf durchschnittlich 663.687. Die meisten Beschäftigten entfielen mit 222.167 auf den Wirtschaftsabschnitt N. Hier war auch der höchste Rückgang mit 6,5% im Vergleich zum Jahr 2023 zu verzeichnen. Im Wirtschaftsabschnitt H waren 206.329 Personen tätig, der Rückgang der Beschäftigung fiel hier mit 0,5% geringer aus. Im Abschnitt M war die Zahl der Beschäftigten mit 126.625 ebenfalls leicht rückläufig (-0,2%). Dagegen arbeiteten in den Wirtschaftsabschnitten J und L im Jahr 2024 mehr Personen als im Vorjahr. Im Abschnitt J waren es 71.594 (+1,1%) und im Abschnitt L 34.948 (+1,0%).

A2 Beschäftigte in den niedersächsischen Dienstleistungsbereichen im Vergleich zum Vorjahr. H – Verkehr und Lagerei: -0,5%. J – Information und Kommunikation: +1,1%. L – Grundstücks- und Wohnungswesen: +1,0%. M – Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen: -0,2%. N – Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen: -6,5%.
A2 Beschäftigte im niedersächsischen Dienstleistungsbereich 2024

Zuwächse bei Umsätzen im Einzelhandel in Niedersachsen

Der niedersächsische Einzelhandel konnte das Jahr 2024 mit einem Umsatzzuwachs abschließen. Insgesamt erreichte der erwirtschaftete Umsatz im Einzelhandel eine Höhe von 57,2 Mrd. Euro. Dabei lag die nominale Veränderungsrate gegenüber dem Vorjahr bei 1,9%. Die reale Veränderungsrate betrug 0,3%. Fast 45% (25,7 Mrd. Euro) des Einzelhandelsumsatzes entfielen auf den Handel mit Waren verschiedener Art in Verkaufsräumen. Hierzu gehören die breit gefächerten Warensortimente, die z. B. in Supermärkten und Kaufhäusern angeboten werden. Die nominale Veränderungsrate lag hier gegenüber dem Vorjahr bei 2,5%. Preisbereinigt1Preisbereinigung ist das Herausrechnen von Preiseinflüssen. Die Preisbereinigung erfolgt auf der Grundlage einer jährlich wechselnden Preisbasis (Vorjahrespreisbasis), das heißt die Ergebnisse werden in Preisen des jeweiligen Vorjahres (also zum Beispiel Ergebnisse für das Jahr 2009 in Preisen von 2008) ausgedrückt. (= real) betrug sie 0,4%.

Ein Viertel (25,6%) des niedersächsischen Einzelhandelsumsatzes wurde im Einzelhandel mit sonstigen Gütern erwirtschaftet. Die 14,6 Mrd. Euro Umsatz resultieren aus dem Verkauf von z. B. Bekleidung und Schuhen, Medikamenten und Schmuck. Die nominale Veränderungsrate lag bei 4,0% im Vergleich zum Jahr 2023, die preisbereinigte Veränderung betrug 1,5%.

Auf den Bereich des Einzelhandels mit Nahrungs- und Genussmitteln, Getränken und Tabakwaren entfielen 3,7% (2,1 Mrd. Euro) des gesamten Einzelhandelsumsatzes im Jahr 2024. Nominal entsprach dies einem Plus von 4,3% gegenüber dem Jahr 2023. Real waren es 1,2% mehr.

Der niedersächsische Handel mit Kraftfahrzeugen einschließlich Instandhaltung und Reparatur erzielte im Jahr 2024 einen Gesamtumsatz von 28,2 Mrd. Euro. Nominal betrug die Veränderungsrate damit 3,9% und real 1,6%.

A3 Nominale und reale Veränderungsraten des Umsatzes im niedersächsischen Einzelhandel im Vergleich zum Vorjahr: Handel mit Waren verschiedener Art: Nominal: +2,5%, real: +0,4%. Einzelhandel mit sonstigen Gütern: Nominal: +4,0%, real: +1,5%. Einzelhandel mit Nahrungs- und Genussmitteln, Getränken und Tabakwaren: Nominal: +4,3%, real: +1,2%. Handel mit Kraftfahrzeugen einschließlich Instandhaltung und Reparatur: Nominal: +3,9%, real: +1,6%.
A3 Nominale und reale Veränderungsrate des Umsatzes im Einzelhandel in Niedersachsen 2024

2,6% weniger tätige Personen im Einzelhandel

Der Einzelhandel in Niedersachsen beschäftigte im Jahr 2024 insgesamt 302.911 Personen. Gegenüber dem Jahr 2023 entsprach dies einem Rückgang um 2,6%. Darunter fiel im Bereich des Einzelhandels mit Waren verschiedener Art der Rückgang um 5,1% auf 119.944 Beschäftigte noch deutlicher aus. Im Einzelhandel mit Nahrungs- und Genussmitteln, Getränken und Tabakwaren ging die Zahl der Beschäftigten nur leicht um 0,7% auf 16.974 zurück. Im Einzelhandel mit sonstigen Gütern (in Verkaufsräumen) stagnierte der Beschäftigtenumfang mit 94.856 Personen (-0,0%).

Dagegen weitete der Handel mit Kraftfahrzeugen einschließlich Instandhaltung und Reparatur sein Beschäftigungsvolumen um 2,2% auf 73.418 tätige Personen im Jahr 2024 aus.

A4 Beschäftigte im niedersächsischen Einzelhandel im Vergleich zum Vorjahr. Handel mit Waren verschiedener Art: -5,1%. Einzelhandel mit sonstigen Gütern (in Verkaufsräumen): -0,0. Einzelhandel mit Nahrungs- und Genussmitteln, Getränken und Tabakwaren: +0,7%. Handel mit Kraftfahrzeugen einschließlich Instandhaltung und Reparatur: +2,2%.
A4 Beschäftigte im niedersächsischen Einzelhandel 2024

Tourismus: Zahl der Gäste und Übernachtungen in Niedersachsen ansteigend

Die niedersächsischen Beherbergungsbetriebe meldeten im Jahr 2024 eine Zunahme bei der Zahl der Gäste und der Übernachtungen. Mit insgesamt über 15,4 Mio. angekommenen Gästen wurde das Ergebnis des Vorjahres um 2,5% übertroffen. Die Zahl der Übernachtungen stieg im Jahr 2024 um 1,0% auf mehr als 46,1 Mio. gegenüber dem Vorjahr an. Damit wurde das bisherige Rekordergebnis aus dem Vor-Corona-Jahr 2019 fast wieder erreicht (-0,2%).

Das Reisegebiet Nordseeküste vermeldete im Jahr 2024 mit mehr als 8,2 Mio. die meisten Übernachtungen, ein Plus von 2,2% gegenüber dem Vorjahr. Die längste durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Gäste gab es mit 6,0 Tagen auf den Ostfriesischen Inseln. Die Auslastung der angebotenen Schlafgelegenheiten lag niedersachsenweit bei durchschnittlich einem Drittel (33,6%).

A5 Gästeübernachtungen in Niedersachsen im Vergleich zum Vorjahr: 2019: +2,8%, 2020: -35,0%, 2021: +6,6%, 2022: +35,0%, 2023: +5,6% und 2024: +1,0%.
A5 Gästeübernachtungen in Niedersachsen im Vergleich zum Vorjahr

Die meisten ausländischen Gäste kamen aus den Niederlanden

Von den 15,4 Mio. Gästen kamen 10,1% aus dem Ausland (annähernd 1,6 Mio.). Ihre Zahl stieg damit um 1,8% gegenüber dem Jahr 2023. Sie buchten knapp 3,8 Mio. Übernachtungen. Dies entsprach einem Anteil von 8,2% an den Übernachtungen insgesamt. Wie im Vorjahr stellten die Gäste aus den Niederlanden das zahlenmäßig stärkste Kontingent. Über 400.000 niederländische Gäste bedeuteten einen Anteil von einem Viertel (25,6%) an allen Gästen aus dem Ausland. Bei den ausländischen Übernachtungen entfielen 29,1% auf Gäste aus dem niedersächsischen Nachbarland.

Campingplätze waren gefragt

Bei den Übernachtungen gab es im Jahr 2024 die relativ stärksten Zuwächse auf niedersächsischen Campingplätzen. Mit über 6 Mio. Übernachtungen wurden 5,1% mehr Übernachtungen auf Campingplätzen gebucht als im Jahr 2023. Absolut entfielen die meisten Übernachtungen auf Hotels. Mit mehr als 13 Mio. blieben die Hotel-Übernachtungen gegenüber dem Vorjahr aber relativ konstant (+0,3%). Deutliche Rückgänge verzeichneten die Gasthöfe. Sie meldeten mehr als 1,3 Mio. Übernachtungen und damit 9,9% weniger als im Jahr 2023.

Zusammenfassung

In den niedersächsischen Dienstleistungsbereichen lag der erzielte nominale Umsatz im Jahr 2024 bei knapp 112 Mrd. Euro, real bei annähernd 90 Mrd. Euro und war damit im Vergleich zum Vorjahr sowohl nominal als auch real rückläufig. Auch das Beschäftigungsvolumen ging in den Dienstleistungsbereichen insgesamt um 2,3% zurück.

Die Umsätze im niedersächsischen Einzelhandel sowie im Handel mit Kraftfahrzeugen einschließlich Instandhaltung und Reparatur stiegen im Jahr 2024 sowohl nominal als auch real im Vergleich zum Vorjahr an. Die Zahl der tätigen Personen war im Einzelhandel rückläufig, im Kfz-Handel gab es einen Zuwachs im Vergleich zum Jahr 2023.

Das bisherige Rekordniveau aus dem Jahr 2019 konnte 2024 im niedersächsischen Tourismus sowohl bei den Gästen als auch bei den Übernachtungen fast wieder erreicht werden. Die Zahl der Gäste aus dem Ausland stieg im Jahr 2024 um 1,8% an, wohingegen die Zahl der Übernachtungen ausländischer Gäste mit knapp 3,8 Mio. gegenüber dem Vorjahr stagnierte.

Weitere Informationen auf der Website des LSN:

Den letztjährigen Beitrag zu Dienstleistungen, Handel und Tourismus finden Sie hier:

Jahresrückblick Wirtschaft 2023 – Dienstleistungen, Handel und Tourismus in Niedersachsen

Fußnoten

  • 1
    Preisbereinigung ist das Herausrechnen von Preiseinflüssen. Die Preisbereinigung erfolgt auf der Grundlage einer jährlich wechselnden Preisbasis (Vorjahrespreisbasis), das heißt die Ergebnisse werden in Preisen des jeweiligen Vorjahres (also zum Beispiel Ergebnisse für das Jahr 2009 in Preisen von 2008) ausgedrückt.