Projektreise im Rahmen des Verbundvorhabens der Erntestatistik „SatErnte“

Satellitenbild
Quelle: ESA, Credit DLR (CC BY-NC-ND 3.0)

Im Rahmen des Projektes „SatErnte“ nahm das Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN) an einem Erfahrungsaustausch in Warschau teil. Hermann Garbe und Malte Schünemann aus dem Dezernat 42 – Landwirtschaft informierten sich bei den Kolleginnen und Kollegen vor Ort über die Nutzung von Satellitendaten in der Erntestatistik.

Neben dem LSN reisten auch die SatErnte-Projektpartnerinnen und -partner aus den Statistischen Ämtern für Hamburg und Schleswig-Holstein, Bayern und Berlin-Brandenburg nach Polen. Das statistische Hauptamt in Polen mit Sitz in Warschau setzt seit dem Jahr 2022 fernerkundungsbasierte Verfahren für kleinräumige und flächendeckende Ernteertragsprognosen und -schätzungen in der Statistik ein.

Das Projekt SatErnte

  • Projektpartner: Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein (Statistik NORD), Landesamt für Statistik Niedersachsen, Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, Bayerisches Landesamt für Statistik, Julius Kühn-Institut (Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen)
  • Projektträger: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
  • Projekt-Zeitraum: Q4/2024 bis Q3/2027
  • Projektziele:
    • Erstellung modellbasierter Ertragsschätzungen bei wichtigen Fruchtarten (Winterweizen, Wintergerste, Sommergerste, Winterraps)
    • Verbesserung regionaler und intrasaisonaler Ertragsschätzungen (Repräsentativität und Aktualität)
    • Frühzeitige Identifizierung der von Mindererträgen bedrohten Gebiete (Optimierung von Frühwarnmechanismen für Kompensationsleistungen)
    • Bereitstellung der Projektergebnisse für Stakeholder aus Verwaltung und Politik (Wissenstransfer mittels geeigneter Medien)
    • Entwicklung und Evaluierung zweier innovativer und komplementärer methodischer Ansätze (Wissenstransfer an amtliche Statistik)

Erfahrungsaustausch in Warschau vom 6. bis 9. Oktober 2025: Die wichtigsten Themen

Die Nutzung von Satellitendaten in der Erntestatistik birgt neben großen Chancen auch einige Hürden, die mit den Kolleginnen und Kollegen vor Ort besprochen und diskutiert wurden. Vor allem war es bemerkenswert zu sehen, wie die Methodik bereits in der amtlichen Statistik eingesetzt wird.

Die Themenschwerpunkte lagen auf der Organisation der Datenerhebung zu den wichtigsten landwirtschaftlichen Nutzpflanzen, sowie der Nutzung von Satellitendaten in der Agrar- und Umweltstatistik in Polen. Ein weiteres wichtiges Thema war die Verwendung von Sentinel-1 und Sentinel-2-Daten1Bei Sentinel-1 und -2 handelt es sich um Erdbeobachtungssatelliten des Copernicus-Projekts, das gemeinsam von der Europäischen Kommission und der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) verantwortet wird. Siehe auch: https://www.d-copernicus.de/daten/fernerkundungsdienste/copernicus-kerndienste/landueberwachung/. zur Erkennung und Kartierung von Fruchtarten und deren Entwicklung sowie die Verarbeitung und Analyse von Satellitendaten für die Ertragsüberwachung.

Ebenso wurde die Möglichkeit der Zeitreihenerstellung und die Integration von Feldkarten, Registern und Vegetationsindizes zur Identifizierung von Nutzpflanzen erörtert.

Weiterhin wurde die Kompatibilität von satellitengestützten Daten zum Grünlandmanagement mit statistischen Registern (Perspektiven in den Landwirtschaftsstatistiken) erläutert.

Wichtige Erkenntnisse für die Projektbeteiligten

Malte Schünemann (Niedersachsen), Joanna Beyersdorf (Bayern), Hermann Garbe (Niedersachsen), Anna-Lena Sager (NORD), Thomas Troegel (Berlin-Brandenburg), Anja Burton (Berlin-Brandenburg), Janne Timmermann (NORD), Quelle: Alexander Leffers (Berlin-Brandenburg)
Malte Schünemann (Niedersachsen), Joanna Beyersdorf (Bayern), Hermann Garbe (Niedersachsen), Anna-Lena Sager (NORD), Thomas Troegel (Berlin-Brandenburg), Anja Burton (Berlin-Brandenburg), Janne Timmermann (NORD), Quelle: Alexander Leffers (Berlin-Brandenburg)

Da die Satellitendaten nicht an administrative Grenzen gebunden sind, sollte das Projektziel zunächst davon unabhängig formuliert werden. Des Weiteren wurde geklärt, welche Satelliten des Copernicus Projekts gut für die verschiedenen Belange genutzt werden können. Wie auch für das Projekt „SatErnte“ sind In-situ Daten, also Messdaten auf dem Boden, als Trainingsdaten für die Ermittlung der Erntemengen und Fruchtarten anhand von Satellitendaten unerlässlich. Im besten Fall stehen Daten aus mindestens fünf Jahren zur Verfügung, um auch Wetterextreme und andere Ereignisse berücksichtigen zu können.

Ebenso wurde deutlich, dass die Verarbeitung von Satellitendaten eine effiziente und leistungsfähige IT-Infrastruktur benötigt. In Zukunft muss angesichts großer Datenmengen wohl mit Cloudlösungen gearbeitet werden. Dabei muss jedoch die Datenschutzfrage im Vorhinein geklärt werden. Auf der Softwareseite bieten Open Source Produkte wie QGIS, R und Python geeignete Funktionen.

Für die Verarbeitung und Nutzung der Daten ist entsprechendes Expertenwissen in den Statistischen Ämtern unverzichtbar. Aber auch vor Ort sind weiterhin Expertinnen und Experten zur Einschätzung der Ergebnisse unerlässlich. In Niedersachsen könnten hierfür langjährige Ernteberichterstatterinnen und -erstatter herangezogen werden.

Fazit

Die Reise nach Warschau war aufgrund der Gastfreundschaft der polnischen Kolleginnen und Kollegen sowie deren großen Bereitschaft, detaillierte Einblicke in die polnischen Satellitenprojekte zu gewähren, ein voller Erfolg. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nehmen wertvolle Informationen zur satellitengestützten Ertragsermittlung mit und hoffen, diese in Teilen für das Projekt „SatErnte“ nutzen zu können. Die Erstellung kleinräumiger Ernteertragsschätzungen und -prognosen unter Nutzung von Satellitendaten kann die Verfahren und Abläufe in der amtlichen Statistik vereinfachen und künftig zur Entlastung der landwirtschaftlichen Betriebe beitragen.

Przemysław Slesiński (GUS), Artur Łączyński (GUS), Anja Burton (Berlin-Brandenburg), Kollegin (GUS), Tomasz Milewski (GUS), Dariusz Miziołek (GUS), Marta Wojciechowska (GUS), Janne Timmermann (NORD), Joanna Beyersdorf (Bayern), Hermann Garbe (Niedersachsen), Anna-Lena Sager (NORD), Malte Schünemann (Niedersachsen), Thomas Troegel (Berlin-Brandenburg), Quelle: Alexander Leffers (Berlin-Brandenburg)
Przemysław Slesiński (GUS), Artur Łączyński (GUS), Anja Burton (Berlin-Brandenburg), Kollegin (GUS), Tomasz Milewski (GUS), Dariusz Miziołek (GUS), Marta Wojciechowska (GUS), Janne Timmermann (NORD), Joanna Beyersdorf (Bayern), Hermann Garbe (Niedersachsen), Anna-Lena Sager (NORD), Malte Schünemann (Niedersachsen), Thomas Troegel (Berlin-Brandenburg), Quelle: Alexander Leffers (Berlin-Brandenburg)

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Webseite des LSN.

Fußnoten