
Ergebnisse der 5. regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung (Teil 1):
Wie entwickelt sich das regionale Arbeitskräftepotential? Wie entwickelt sich der Bedarf an Pflegekräften und Krankenhauspersonal oder wie hoch werden die Staatseinnahmen zukünftig sein? Antworten auf alle diese Fragen hängen direkt oder indirekt von der zukünftigen Bevölkerungsentwicklung in Niedersachsen und deren regionaler Verteilung ab.
Die Bevölkerungszahl in Niedersachsen reduziert sich um etwa 435.000 Personen
Die Bevölkerungsentwicklung in Niedersachsen ist maßgeblich von der zukünftigen Nettozuwanderung aus dem Ausland abhängig. Um diese Abhängigkeit deutlich zu machen, wurden für die Bevölkerungsvorausberechnung drei verschiedene Wanderungsannahmen getroffen und als eigenständige Modelle berechnet (W1, W2 und W3). Die angenommene Entwicklung der Fertilität und Mortalität ist in allen Varianten identisch: Es wurden für die Geburtenrate und die Lebenserwartung moderate Anstiege angenommen.
Bei moderater Zuwanderung (W2) aus dem Ausland wird Niedersachsen im Jahr 2045 voraussichtlich eine Einwohnerzahl von etwa 7,6 Millionen Menschen haben. Im Vergleich zum Ausgangsjahr 2024 entspricht das einem Rückgang der niedersächsischen Bevölkerungszahl von etwa 435.000 Personen bzw. 5,4%.
Selbst unter der Annahme, dass durchschnittlich relativ viele Personen in den nächsten Jahren nach Niedersachsen zuwandern (W3), ist ein Bevölkerungsrückgang von 3,4% zu erwarten. Im Szenario mit geringer Zuwanderung (W1) könnten im Jahr 2045 sogar nur noch 7,4 Millionen Menschen in Niedersachsen leben. Folglich kann der positive Wanderungssaldo in keiner der Berechnungsvarianten das langfristige Geburtendefizit ausgleichen.
Damit die zukünftige Bevölkerungszahl Niedersachsens konstant bleibt oder sogar wächst, müssten bei moderater Entwicklung der Geburtenrate und Lebenserwartung deutlich mehr Personen aus dem Ausland nach Niedersachsen ziehen, als es aus heutiger Sicht erwartbar erscheint.
Die Entwicklung der Bevölkerung in der Zukunft lässt sich nur mit Unsicherheiten vorausberechnen. So liegt der Unterschied zwischen der vorausberechneten Bevölkerungszahl für Niedersachsen im Jahr 2045 zwischen der oberen und unteren Variante bei mehr als 300.000 Personen.
82 von 89 der betrachteten niedersächsischen Regionen werden schrumpfen
Die Bevölkerungszahl in Niedersachsen wird bis zum Jahr 2045 in nahezu allen Regionen zurückgehen. Von den 89 betrachteten Gebieten schrumpfen unter der Annahme moderater Zuwanderung 82. Die 89 Gebiete umfassen alle Landkreise, kreisfreien Städte sowie großen Städte mit etwa 30.000 Einwohnerinnen und Einwohnern sowie deren Umland (Landkreis ohne die gesondert ausgewiesenen Städte). Während in einigen Teilen Niedersachsens nur moderate Bevölkerungsrückgänge zu erwarten sind, muss insbesondere in einigen dünn besiedelten Gebieten und im südöstlichen Niedersachsen mit einem deutlichen Bevölkerungsverlust gerechnet werden. Auch bei relativ starker Zuwanderung wird die Bevölkerungszahl in 75 der betrachteten Gebiete bis zum Jahr 2045 zurückgehen.

Bevölkerungsverluste im Südosten des Landes am höchsten
Besonders deutlich sind die Bevölkerungsrückgänge bei moderater Zuwanderung in den südöstlichen Gebieten von Niedersachsen. Die Bevölkerungszahl der Statistischen Region Braunschweig wird voraussichtlich in den nächsten 20 Jahren bis zum Jahr 2045 um ca. 120.000 Personen (-7,6%) schrumpfen. Allein im Landkreis Göttingen werden im Jahr 2045 rund 55.000 (-16,6%) Menschen weniger leben als zum Ende des Jahres 2024 (2024: 328.028 Personen). Auch für die Universitätsstadt Göttingen wird ein Minus von rund 16.300 Personen (-12,8%) angenommen. Außerdem werden einige eher dünn besiedelte Regionen besonders vom Rückgang der Bevölkerung betroffen sein. So wird die Bevölkerungszahl des nördlicher gelegenen Heidekreises ebenfalls besonders deutlich um voraussichtlich ca. 12,4% schrumpfen. Für die Landkreise Holzminden (-11,2%) sowie Goslar (-9,6%) können Rückgänge von knapp 10 und mehr Prozent bei der Bevölkerung erwartet werden.
Im Vergleich aller 89 betrachteten niedersächsischen Regionen wird der Bevölkerungsverlust bei moderaten demografischen Entwicklungen bis zum Jahr 2045 in der Stadt Bramsche mit -20,2 % (-5.698 Personen) voraussichtlich am höchsten ausfallen.

Geringere Bevölkerungsrückgänge im Einzugsgebiet der Städte Hannover und Wolfsburg sowie in den Küstenregionen
Dagegen sind im Einzugsgebiet der Städte Hannover und Wolfsburg weniger starke Bevölkerungsverluste zu erwarten. Für die Stadt Langenhagen ergaben die Vorausberechnungen beispielsweise eine Bevölkerungszahl von rund 53.400 Personen für das Jahr 2045. Im Vergleich zum Ausgangsjahr 2024 würde das einen Rückgang von ca. 1,4% bedeuten. Die Bevölkerungszahl der Landkreise Peine (-0,5%) und Gifhorn (-0,7%) bleibt im Betrachtungszeitraum von 2024 bis 2045 relativ stabil.
Auch in den Küstenregionen Niedersachsens, wie im Landkreis Friesland (-2,3%) und der Stadt Aurich (-0,3%), ergaben die Berechnungen eher moderate Bevölkerungsrückgänge von unterhalb von 5 Prozent.
Im Jahr 2045 eine Großstadt weniger in Niedersachsen
Außerdem werden für alle niedersächsischen Großstädte bis zum Jahr 2045 Bevölkerungsrückgänge angenommen. Zum 31.12.2024 hatten 7 Städte in Niedersachsen mindestens 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner und damit den Status einer Großstadt. Am Ende des Vorausberechnungszeitraums wird es unter der Annahme moderater demografischer Entwicklungen aber eine Großstadt weniger in Niedersachsen geben. Die Bevölkerungszahl der Stadt Salzgitter reduziert sich ausgehend vom Jahr 2024 (104.970 Personen) sukzessive, wird voraussichtlich bereits im Jahr 2037 unterhalb von 100.000 Personen liegen und im Jahr 2045 bei ca. 96.350 Einwohnerinnen und Einwohnern. Das würde insgesamt einen Rückgang um 8,2% bedeuten. Auch für die Stadt Braunschweig ergeben die Berechnungen einen entsprechend hohen prozentualen Bevölkerungsrückgang. Höhere relative Bevölkerungsverluste können für die Städte Göttingen (-12,8%) und Osnabrück (-9,1%) angenommen werden.
Dagegen reduziert sich die Bevölkerungszahl der Stadt Wolfsburg im Vergleich der Großstädte mit nur etwa 0,8% am geringsten. Auch die Stadt Oldenburg (-7.185; -4,1%) und die Landeshauptstadt Hannover (-17.065; -3,3%) schrumpfen weniger stark und liegen unterhalb des Landesdurchschnitts (-5,4%).
Bevölkerungswachstum in der Gemeinde Ganderkesee
Während für die Mehrzahl der betrachteten Regionen in Niedersachsen Bevölkerungsrückgänge bis zum Jahr 2045 vorausberechnet wurden, können für die Gemeinde Ganderkesee (+3,9%; +1.213 Personen) und die Stadt Nordhorn (+2,6%; +1.456 Personen) Bevölkerungszuwächse erwartet werden. Auch die Bevölkerungszahlen der Städte
- Lehrte (+1,0%),
- Lingen (+0,9%) und
- Neustadt am Rübenberge (0,2%)
werden voraussichtlich leicht wachsen.
Fazit
Die Ergebnisse der 5. regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung (rBV) zeigen, dass die Bevölkerung Niedersachsens in fast allen Gebieten zurückgehen wird, sofern die Zuwanderung aus dem Ausland relativ moderat bleibt. Dabei sind die regionalen Unterschiede zum Teil sehr groß und reichen von minus 20,2% in der Stadt Bramsche bis plus 3,9% in der Gemeinde Ganderkesee.
Eine positive Bevölkerungsentwicklung hängt maßgeblich von der Zuwanderung ab. Nur mit Zuwanderung in ausreichender Höhe kann das anhaltende Geburtendefizit kompensiert werden. Aktuell kann aber nicht von einer deutlichen Erhöhung der Zuwanderungszahlen ausgegangen werden.