
Welche Ausgaben entstehen für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung? Welche Wertschöpfung erzielt die Branche? Wie viele Beschäftigte arbeiten im Gesundheitsbereich in Niedersachsen? Die Gesundheitsökonomischen Gesamtrechnungen der Länder liefern mit aktuellen Daten zur Entwicklung der Gesundheitsausgaben in allen Bundesländern und zur wirtschaftlichen Bedeutung des Gesundheitssektors Antworten auf diese Fragen.
Bedeutende Querschnittsbranche: Anteil an der Gesamtwirtschaft bei 10,1%
Die Bruttowertschöpfung der Gesundheitswirtschaft in Niedersachsen belief sich 2024 auf 34,8 Mrd. Euro. Jeder zehnte Euro der Gesamtwirtschaft im Land (10,1%) wurde damit in dieser Querschnittsbranche erwirtschaftet. Im Durchschnitt arbeiteten 2024 gut 584.000 Erwerbstätige in der Gesundheitswirtschaft, was 13,8% der Erwerbstätigen in der Gesamtwirtschaft entsprach. Bezogen auf die Bevölkerung waren das mehr als 7 Erwerbstätige je 100 Einwohnerinnen und Einwohner.
Im bundesdeutschen Durchschnitt waren die Anteilswerte vergleichbar. So wurden 10,9% der Bruttowertschöpfung der Gesamtwirtschaft in der Gesundheitswirtschaft erzielt, der Anteil an den Erwerbstätigen lag bei 13,6%. Insgesamt waren 6,27 Mio. Erwerbstätige in der verhältnismäßig personalintensiven Branche tätig und erwirtschafteten knapp 424,3 Mrd. Euro. Im Ländervergleich ergab sich eine Spanne von 13,6% (Sachsen-Anhalt) bis 9,5% (Bayern) beim Anteil der Bruttowertschöpfung bzw. von 16,0% (Mecklenburg-Vorpommern) bis 12,6% (Bayern) beim Anteil der Erwerbstätigen in der Gesamtwirtschaft.
Bruttowertschöpfung der niedersächsischen Gesundheitswirtschaft steigt an
Im Zeitverlauf zeigt sich, dass die Gesundheitswirtschaft zunehmend an Bedeutung gewinnt. Ausgehend von 8,7% im Jahr 2008 nahm der Anteil mit einzelnen Unterbrechungen stetig zu, auf 10,1% im Jahr 2024. Die Bruttowertschöpfung nahm nominal (nicht preisbereinigt) als auch real (preisbereinigt, verkettet) und sowohl vor als auch nach der Corona-Pandemie relativ stetig zu.

Gesetzliche Krankenversicherung mit 56,0% größter Ausgabenträger
Die niedersächsischen Gesundheitsausgaben beliefen sich 2023 auf knapp 47,0 Mrd. Euro. Rechnerisch betrugen die Ausgaben somit 5.764 Euro je Einwohnerin bzw. Einwohner. Bundesdurchschnittlich waren die Pro-Kopf-Ausgaben mit 5.925 Euro etwas höher mit einer Spannbreite im Ländervergleich zwischen 5.368 Euro (Bremen) und 6.402 Euro je Einwohnerin und Einwohner (Brandenburg).
Der größte Anteil der Gesundheitsausgaben im Jahr 2023 entfiel mit 56,0% in Niedersachsen auf die gesetzliche Krankenversicherung als Ausgabenträger, gefolgt von der sozialen Pflegeversicherung mit 11,9% und den privaten Haushalten und privaten Organisationen ohne Erwerbszweck mit 11,7%.

Seit 2008 sind die Gesundheitsausgaben absolut (nicht preisbereinigt) in Niedersachsen kontinuierlich gestiegen, 2023 gegenüber 2022 jedoch mit 0,8% im gesamten Zeitraum am geringsten. Ursächlich waren deutliche Ausgabenrückgänge der öffentlichen Haushalte1Die Ausgaben der öffentlichen Haushalte setzen sich zusammen aus Leistungen der Sozialhilfe, Asylbewerberleistungen, Leistungen der Kriegsopferfürsorge, Leistungen der Kriegsopferversorgung, Leistungen der Bundesagentur für Arbeit, Leistungen des öffentlichen Gesundheitsdienstes und sonstige öffentliche Ausgaben. (-43,4%), worunter u. a. auch Aufwendungen im Rahmen der COVID-19-Pandemie zählen.

Die Summe der Gesundheitsausgaben entsprach 2023 etwa 12,7% Prozent des in Niedersachsen erwirtschafteten Bruttoinlandsprodukts. Bundesweit war der Anteil mit 12,0% etwas niedriger. Im Ländervergleich reichte die Spannweite zwischen 7,5% in Hamburg und 17,3% in Sachsen-Anhalt, wobei die Anteilswerte auch in den übrigen ostdeutschen Flächenländern höher waren als im Bundesdurchschnitt.
Leistungsausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung: Jeder fünfte Euro für Arzneimittel verwendet
Für die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung liegen zusätzlich Ergebnisse nach Leistungsarten vor. Die Leistungsausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung für die rund 7,2 Mio. niedersächsischen Versicherten (Mitglieder und Familienangehörige) beliefen sich 2023 auf mehr als 26,3 Mrd. Euro. Je Versicherter bzw. Versichertem beliefen sich die Ausgaben auf 3.663 Euro. Knapp ein Drittel (31,3%) der Leistungsausgaben wurden für ärztliche Leistungen aufgewendet, die sowohl ambulant als auch stationär erbracht wurden. Weitere 30,4% entfielen auf Waren, darunter insbesondere Arzneimittel. Für diese wurde fast jeder fünfte Euro (19,8%) aufgewendet. Für pflegerische bzw. therapeutische Leistungen wurden 22,1% ausgegeben. Danach folgen Ausgaben für Verwaltungsleistungen (4,8%) sowie für Unterkunft und Verpflegung (4,7%). Den geringsten Anteil unter den Hauptleistungsgruppen machten Leistungen zur Prävention und Gesundheitsschutz (3,1%) aus, worunter u. a. Früherkennungsuntersuchungen zählen.

Kontinuierlicher Anstieg des Gesundheitspersonals in Niedersachsen
Zum Stichtag 31.12.2023 waren in Niedersachsen etwa 569.000 Personen im Gesundheitswesen beschäftigt, wobei zu berücksichtigen ist, dass in der Gesundheitspersonalrechnung Beschäftigungsverhältnisse erfasst und somit Personen mit mehreren Arbeitsverhältnissen in verschiedenen Einrichtungen mehrfach gezählt werden. Bezogen auf die Bevölkerung waren das 69,7 Beschäftigte je 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner und damit etwas weniger als im bundesweiten Durchschnitt mit 71,7 Beschäftigten je 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner (absolut 6,07 Millionen Beschäftigte). Im Ländervergleich hatte Hamburg bezogen auf die Bevölkerung die meisten und Brandenburg die wenigsten Beschäftigten (84,6 bzw. 61,7 je 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner).
Seit dem Betrachtungszeitraum 2012 stieg der Personalbestand kontinuierlich (2023/2012: +17,3%). Die größte Gruppe des Gesundheitspersonals (43,3%) arbeitete dabei in ambulanten Einrichtungen wie
- Arztpraxen,
- Zahnarztpraxen,
- Praxen sonstiger medizinischer Berufe,
- Apotheken,
- Bereiche des Einzelhandels und
- ambulante Pflege.
Hier nahm die Zahl der Beschäftigten um 17,2% zwischen 2012 und 2023 zu. Besonders hoch waren die Zuwächse im Bereich der Rettungsdienste (2023/2012: +62,9%), diese machten jedoch nur 1,4% des gesamten Gesundheitspersonals aus.

Eine Betrachtung der Vollzeitäquivalente, die die Anzahl der auf die volle tarifliche Arbeitszeit umgerechneten Beschäftigten angeben, zeigt eine fast identische Zunahme des Gesundheitspersonals zwischen 2012 und 2023 um 17,0%. Entsprechend hat sich der Anteil der Teilzeittätigkeit in der Branche insgesamt kaum verändert.
3 von 4 Personen des Gesundheitspersonals waren Frauen
Das Geschlechterverhältnis der Beschäftigten blieb in den vergangenen Jahren nahezu unverändert, wobei der Frauenanteil in der Gesundheitswirtschaft mit 77,1% vergleichsweise hoch ist. Am höchsten war er in Niedersachsen im Jahr 2023 im Beschäftigungsbereich der ambulanten Einrichtungen (82,1%). Deutlich unterrepräsentiert waren Frauen dagegen in Rettungsdiensten (33,2%).
Fazit
Die Ergebnisse der Gesundheitsökonomischen Gesamtrechnungen spiegeln die wachsende ökonomische Bedeutung des Gesundheitssektors wider. Diese betrifft sowohl die Wertschöpfung als auch die getätigten Ausgaben und das beschäftigte Personal.
Alle Ergebnisse der Gesundheitsökonomischen Gesamtrechnungen für Niedersachsen und die weiteren Bundesländer stehen zum Download in der Regionaldatenbank Deutschland zur Verfügung. Darüber hinaus ermöglicht das von den Statistischen Ämtern der Länder angebotene, interaktive Dashboard „Gesundheitsausgaben der Länder“ vergleichende Analysen zu den Leistungsausgaben auf Länderebene und im Zeitverlauf ab 2013.
Fußnoten
- 1Die Ausgaben der öffentlichen Haushalte setzen sich zusammen aus Leistungen der Sozialhilfe, Asylbewerberleistungen, Leistungen der Kriegsopferfürsorge, Leistungen der Kriegsopferversorgung, Leistungen der Bundesagentur für Arbeit, Leistungen des öffentlichen Gesundheitsdienstes und sonstige öffentliche Ausgaben.