Gesundheitswirtschaft in Niedersachsen – Struktur und Entwicklung 2023 und 2024

Gesundheitswirtschaft in Niedersachsen – Struktur und Entwicklung 2023 und 2024
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Welche Ausgaben entstehen für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung? Welche Wertschöpfung erzielt die Branche? Wie viele Beschäftigte arbeiten im Gesundheitsbereich in Niedersachsen? Die Gesundheitsökonomischen Gesamtrechnungen der Länder liefern mit aktuellen Daten zur Entwicklung der Gesundheitsausgaben in allen Bundesländern und zur wirtschaftlichen Bedeutung des Gesundheitssektors Antworten auf diese Fragen.

Bedeutende Querschnittsbranche: Anteil an der Gesamtwirtschaft bei 10,1%

Die Bruttowertschöpfung der Gesundheitswirtschaft in Niedersachsen belief sich 2024 auf 34,8 Mrd. Euro. Jeder zehnte Euro der Gesamtwirtschaft im Land (10,1%) wurde damit in dieser Querschnittsbranche erwirtschaftet. Im Durchschnitt arbeiteten 2024 gut 584.000 Erwerbstätige in der Gesundheitswirtschaft, was 13,8% der Erwerbstätigen in der Gesamtwirtschaft entsprach. Bezogen auf die Bevölkerung waren das mehr als 7 Erwerbstätige je 100 Einwohnerinnen und Einwohner.

Im bundesdeutschen Durchschnitt waren die Anteilswerte vergleichbar. So wurden 10,9% der Bruttowertschöpfung der Gesamtwirtschaft in der Gesundheitswirtschaft erzielt, der Anteil an den Erwerbstätigen lag bei 13,6%. Insgesamt waren 6,27 Mio. Erwerbstätige in der verhältnismäßig personalintensiven Branche tätig und erwirtschafteten knapp 424,3 Mrd. Euro. Im Ländervergleich ergab sich eine Spanne von 13,6% (Sachsen-Anhalt) bis 9,5% (Bayern) beim Anteil der Bruttowertschöpfung bzw. von 16,0% (Mecklenburg-Vorpommern) bis 12,6% (Bayern) beim Anteil der Erwerbstätigen in der Gesamtwirtschaft.

Bruttowertschöpfung der niedersächsischen Gesundheitswirtschaft steigt an

Im Zeitverlauf zeigt sich, dass die Gesundheitswirtschaft zunehmend an Bedeutung gewinnt. Ausgehend von 8,7% im Jahr 2008 nahm der Anteil mit einzelnen Unterbrechungen stetig zu, auf 10,1% im Jahr 2024. Die Bruttowertschöpfung nahm nominal (nicht preisbereinigt) als auch real (preisbereinigt, verkettet) und sowohl vor als auch nach der Corona-Pandemie relativ stetig zu.

Darstellung der Bruttowertschöpfung in der Gesundheitswirtschaft in jeweiligen Preisen in Milliarden Euro und preisbereinigt, verkettet mit Indexjahr 2020 = 100 zwischen 2008 und 2024 mit einer relativ stetigen Zunahme bei Indikatoren im Zeitverlauf.
A1 Bruttowertschöpfung in der Gesundheitswirtschaft in Niedersachsen 2008 bis 2024

Gesetzliche Krankenversicherung mit 56,0% größter Ausgabenträger

Die niedersächsischen Gesundheitsausgaben beliefen sich 2023 auf knapp 47,0 Mrd. Euro. Rechnerisch betrugen die Ausgaben somit 5.764 Euro je Einwohnerin bzw. Einwohner. Bundesdurchschnittlich waren die Pro-Kopf-Ausgaben mit 5.925 Euro etwas höher mit einer Spannbreite im Ländervergleich zwischen 5.368 Euro (Bremen) und 6.402 Euro je Einwohnerin und Einwohner (Brandenburg).

Der größte Anteil der Gesundheitsausgaben im Jahr 2023 entfiel mit 56,0% in Niedersachsen auf die gesetzliche Krankenversicherung als Ausgabenträger, gefolgt von der sozialen Pflegeversicherung mit 11,9% und den privaten Haushalten und privaten Organisationen ohne Erwerbszweck mit 11,7%.

Darstellung der prozentualen Anteile der 8 Ausgabenträger an den Gesundheitsausgaben in Niedersachsen 2023 mit den gesetzlichen Krankenkassen als größtem Ausgabenträger mit mehr als 50 Prozent.
A2 Anteile der Gesundheitsausgaben in Niedersachsen 2023 nach Ausgabenträgern

Seit 2008 sind die Gesundheitsausgaben absolut (nicht preisbereinigt) in Niedersachsen kontinuierlich gestiegen, 2023 gegenüber 2022 jedoch mit 0,8% im gesamten Zeitraum am geringsten. Ursächlich waren deutliche Ausgabenrückgänge der öffentlichen Haushalte1Die Ausgaben der öffentlichen Haushalte setzen sich zusammen aus Leistungen der Sozialhilfe, Asylbewerberleistungen, Leistungen der Kriegsopferfürsorge, Leistungen der Kriegsopferversorgung, Leistungen der Bundesagentur für Arbeit, Leistungen des öffentlichen Gesundheitsdienstes und sonstige öffentliche Ausgaben. (-43,4%), worunter u. a. auch Aufwendungen im Rahmen der COVID-19-Pandemie zählen.

Darstellung der Entwicklung der Gesundheitsausgaben in Millionen Euro gegliedert nach den 8 Ausgabenträgern für Niedersachsen zwischen 2008 und 2023 mit einer durchschnittlichen Zunahme der Ausgaben insgesamt.
A3 Entwicklung der Gesundheitsausgaben (in Mio. Euro, nominal) in Niedersachsen 2008 bis 2023 nach Ausgabenträgern

Die Summe der Gesundheitsausgaben entsprach 2023 etwa 12,7% Prozent des in Niedersachsen erwirtschafteten Bruttoinlandsprodukts. Bundesweit war der Anteil mit 12,0% etwas niedriger. Im Ländervergleich reichte die Spannweite zwischen 7,5% in Hamburg und 17,3% in Sachsen-Anhalt, wobei die Anteilswerte auch in den übrigen ostdeutschen Flächenländern höher waren als im Bundesdurchschnitt.

Leistungsausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung: Jeder fünfte Euro für Arzneimittel verwendet

Für die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung liegen zusätzlich Ergebnisse nach Leistungsarten vor. Die Leistungsausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung für die rund 7,2 Mio. niedersächsischen Versicherten (Mitglieder und Familienangehörige) beliefen sich 2023 auf mehr als 26,3 Mrd. Euro. Je Versicherter bzw. Versichertem beliefen sich die Ausgaben auf 3.663 Euro. Knapp ein Drittel (31,3%) der Leistungsausgaben wurden für ärztliche Leistungen aufgewendet, die sowohl ambulant als auch stationär erbracht wurden. Weitere 30,4% entfielen auf Waren, darunter insbesondere Arzneimittel. Für diese wurde fast jeder fünfte Euro (19,8%) aufgewendet. Für pflegerische bzw. therapeutische Leistungen wurden 22,1% ausgegeben. Danach folgen Ausgaben für Verwaltungsleistungen (4,8%) sowie für Unterkunft und Verpflegung (4,7%). Den geringsten Anteil unter den Hauptleistungsgruppen machten Leistungen zur Prävention und Gesundheitsschutz (3,1%) aus, worunter u. a. Früherkennungsuntersuchungen zählen.

Darstellung der Anteile der Gesundheitsausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherungen in Niedersachsen 2023 nach 7 Leistungsarten mit ärztlichen Leistungen als größtem Ausgabenpunkt.
A4 Anteile der Gesundheitsausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherungen in Niedersachsen 2023 nach Leistungsarten in Prozent

Kontinuierlicher Anstieg des Gesundheitspersonals in Niedersachsen

Zum Stichtag 31.12.2023 waren in Niedersachsen etwa 569.000 Personen im Gesundheitswesen beschäftigt, wobei zu berücksichtigen ist, dass in der Gesundheitspersonalrechnung Beschäftigungsverhältnisse erfasst und somit Personen mit mehreren Arbeitsverhältnissen in verschiedenen Einrichtungen mehrfach gezählt werden. Bezogen auf die Bevölkerung waren das 69,7 Beschäftigte je 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner und damit etwas weniger als im bundesweiten Durchschnitt mit 71,7 Beschäftigten je 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner (absolut 6,07 Millionen Beschäftigte). Im Ländervergleich hatte Hamburg bezogen auf die Bevölkerung die meisten und Brandenburg die wenigsten Beschäftigten (84,6 bzw. 61,7 je 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner).

Seit dem Betrachtungszeitraum 2012 stieg der Personalbestand kontinuierlich (2023/2012: +17,3%). Die größte Gruppe des Gesundheitspersonals (43,3%) arbeitete dabei in ambulanten Einrichtungen wie

  • Arztpraxen,
  • Zahnarztpraxen,
  • Praxen sonstiger medizinischer Berufe,
  • Apotheken,
  • Bereiche des Einzelhandels und
  • ambulante Pflege.

Hier nahm die Zahl der Beschäftigten um 17,2% zwischen 2012 und 2023 zu. Besonders hoch waren die Zuwächse im Bereich der Rettungsdienste (2023/2012: +62,9%), diese machten jedoch nur 1,4% des gesamten Gesundheitspersonals aus.

Darstellung der Anteile der Beschäftigten am Gesundheitspersonal in Niedersachsen am 31.12.2023 nach Art der Einrichtung, wobei die meisten Beschäftigten in ambulanten Einrichtungen arbeiteten.
A5 Anteil der Beschäftigten am Gesundheitspersonal in Niedersachsen am 31.12.2023 nach Art der Einrichtung in Prozent

Eine Betrachtung der Vollzeitäquivalente, die die Anzahl der auf die volle tarifliche Arbeitszeit umgerechneten Beschäftigten angeben, zeigt eine fast identische Zunahme des Gesundheitspersonals zwischen 2012 und 2023 um 17,0%. Entsprechend hat sich der Anteil der Teilzeittätigkeit in der Branche insgesamt kaum verändert.

3 von 4 Personen des Gesundheitspersonals waren Frauen

Das Geschlechterverhältnis der Beschäftigten blieb in den vergangenen Jahren nahezu unverändert, wobei der Frauenanteil in der Gesundheitswirtschaft mit 77,1% vergleichsweise hoch ist. Am höchsten war er in Niedersachsen im Jahr 2023 im Beschäftigungsbereich der ambulanten Einrichtungen (82,1%). Deutlich unterrepräsentiert waren Frauen dagegen in Rettungsdiensten (33,2%).

Fazit

Die Ergebnisse der Gesundheitsökonomischen Gesamtrechnungen spiegeln die wachsende ökonomische Bedeutung des Gesundheitssektors wider. Diese betrifft sowohl die Wertschöpfung als auch die getätigten Ausgaben und das beschäftigte Personal.

Alle Ergebnisse der Gesundheitsökonomischen Gesamtrechnungen für Niedersachsen und die weiteren Bundesländer stehen zum Download in der Regionaldatenbank Deutschland zur Verfügung. Darüber hinaus ermöglicht das von den Statistischen Ämtern der Länder angebotene, interaktive Dashboard „Gesundheitsausgaben der Länder“ vergleichende Analysen zu den Leistungsausgaben auf Länderebene und im Zeitverlauf ab 2013.

Methodische Hinweise

Die Gesundheitsökonomischen Gesamtrechnungen der Länder (GGRdL) sind Rechenwerke, die eine umfassende gesundheitsökonomische Berichterstattung auf Länderebene zum Ziel haben. Die Rechenwerke basieren auf den auf internationaler und nationaler Ebene vorhandenen Klassifikationen, beispielsweise dem System of Health Account (SHA). Sie liefern damit vergleichbare Ergebnisse für die Bundesländer zu Art und Umfang der erbrachten Leistungen im Gesundheitswesen und den dafür eingesetzten Ressourcen sowie zu zukünftigen Entwicklungstendenzen in der Gesundheitswirtschaft. Aus dieser Zielstellung heraus ergeben sich die drei Komponenten des Rechenwerkes:

Wertschöpfungs-Erwerbstätigen-Ansatz (WSE)
Dieser bildet die wirtschaftlichen Tätigkeiten der in einem Wirtschaftsgebiet in der Gesundheitswirtschaft aktiven wirtschaftlichen Einheiten in den Kategorien der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen ab. Das Ziel ist die Bestimmung der Bruttowertschöpfung und die Zahl der Erwerbstätigen.

Gesundheitsausgabenrechnung (GAR)
Die Gesundheitsausgabenrechnung unterliegt der Zielstellung, die volkswirtschaftlichen Ressourcenverbräuche abzubilden, die für den Erhalt und die Wiederherstellung der Gesundheit aufgewendet wurden. Die Ergebnisse werden nach der Höhe der Ausgaben, deren zeitlicher Entwicklung sowie der Art des Aufgabenträgers (z. B. Kranken- oder Pflegeversicherungen) differenziert.

Gesundheitspersonalrechnung (GPR)
Die Gesundheitspersonalrechnung umfasst alle im Gesundheitswesen tätigen Personen, unabhängig davon, welchen Beruf sie ausüben. Es erfolgt eine Erfassung von Beschäftigungsverhältnissen, sodass Personen mit mehreren Arbeitsverhältnissen in verschiedenen Einrichtungen mehrfach gezählt werden.
Nicht nur aufgrund der unterschiedlichen Abgrenzungen zwischen dem Wertschöpfungs-Erwerbstätigen-Ansatz (WSE) einerseits und der Gesundheitspersonalrechnung (GPR) auf der anderen Seite, kommt es bei der Anzahl der Erwerbstätigen (WSE) und den Beschäftigten in der Gesundheitspersonalrechnung (GPR) zu Abweichungen. Dem WSE liegt das Personenkonzept zugrunde, wonach Personen mit mehreren gleichzeitigen Beschäftigungsverhältnissen nur einmal mit ihrer Haupterwerbstätigkeit erfasst werden. Bei der GPR handelt es sich um Beschäftigungsfälle. Darüber hinaus werden beim WSE Jahresdurchschnittswerte und bei der GPR Stichtagsergebnisse zum 31. Dezember eines Jahres als Datengrundlagen genutzt. Ferner ist zu beachten, dass Auszubildende in der GPR nicht berücksichtigt werden, in der Zahl der Erwerbstätigen (WSE) jedoch enthalten sind.

Eine umfassende Methodenbeschreibung der Gesundheitsökonomischen Gesamtrechnungen der Länder ist im Statistikportal zu finden: https://www.statistikportal.de/de/ggrdl.

Fußnoten

  • 1
    Die Ausgaben der öffentlichen Haushalte setzen sich zusammen aus Leistungen der Sozialhilfe, Asylbewerberleistungen, Leistungen der Kriegsopferfürsorge, Leistungen der Kriegsopferversorgung, Leistungen der Bundesagentur für Arbeit, Leistungen des öffentlichen Gesundheitsdienstes und sonstige öffentliche Ausgaben.