
Der folgende Beitrag vergleicht anhand von ausgewählten Bevölkerungsdaten die Position Niedersachsens und seiner vier statistischen Regionen mit den 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Untersucht werden dabei die Entwicklung der Bevölkerungszahl, der Anteil der über 65-Jährigen, die Bevölkerungsdichte, die Geburtenrate sowie die Lebenserwartung bei der Geburt.
Weitere Teile dieser Reihe analysieren die Themen Bildung, Wirtschaft und Arbeitsmarkt.
Im Überblick: Niedersachsens Bevölkerung 2024
- Von 2019 und 2024 wuchs die niedersächsische Bevölkerung um 0,1% und lag damit unter dem Durchschnitt der EU-27-Staaten von +0,8%.
- Um 1,1 Prozentpunkte stieg der Anteil der Bevölkerung im Alter von über 65 Jahren in Niedersachsen gegenüber 2019 – im Vergleich zu den EU-27-Staaten ebenfalls ein geringerer Zuwachs in dieser Altersgruppe.
- Mit durchschnittlich 1,43 geborenen Kindern pro Frau im Alter zwischen 15 und 49 Jahren lag Niedersachsen EU-weit im mittleren Bereich.
- 80,6 Jahre betrug die Lebenserwartung bei der Geburt in Niedersachsen und lag unter dem Durchschnitt von 81,5 Jahren der EU-27-Staaten.
Anteil Niedersachsens an der EU-Gesamtbevölkerung bei 1,8%
Die Bevölkerungszahl in Niedersachsen betrug zum 31.12.2024 rund 8 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Davon lebten
- 32,1% in der Statistischen Region Weser-Ems,
- 26,5% in der Statistischen Region Hannover,
- 21,5% in der Statistischen Region Lüneburg und
- 19,9% in der Statistischen Region Braunschweig.
Bezogen auf die Gesamtbevölkerung von gut 450 Millionen Personen der EU-27 beträgt der Anteil Niedersachsens etwa 1,8%, dies entspricht in etwa der Größe von Österreich mit einem Anteil an der EU-27 von 2,0% (vgl. Tabelle T1 und Abbildung A1). Deutschland war wie in den Vorjahren mit knapp 83,6 Millionen Personen das bevölkerungsreichste Land in der EU-27 mit einem Anteil von 18,5% an der Gesamtbevölkerung aller EU-Mitgliedstaaten.

Heterogene mittelfristige Bevölkerungsentwicklung zwischen den EU-27-Staaten
Die Bevölkerungsentwicklung in Niedersachsen fiel zwischen 2019 und 2024 mit einem Zuwachs von 0,1% vergleichsweise gering aus und lag unter dem Zuwachs in der EU insgesamt von 0,8% (vgl. Tabelle T1 und Abbildung A2). Zwischen den EU-Mitgliedstaaten zeigten sich im mittelfristigen Vergleich 2024 zu 2019 merkliche Unterschiede in der Bevölkerungsentwicklung. Die höchsten prozentualen Zuwächse verzeichneten die drei bevölkerungsärmsten Länder
- Malta (+11,5%),
- Luxemburg und
- Zypern (je +8,9%).
Insgesamt neun der EU-27-Staaten verzeichneten sinkende Bevölkerungszahlen, wobei die größten Rückgänge auf Polen (-3,8%), Griechenland (‑3,2%) und Lettland (-2,5%) entfielen. In absoluten Zahlen gab es in Spanien mit einem Plus von 1,8 Millionen Personen den höchsten Bevölkerungszuwachs, gefolgt von Frankreich mit 1,4 Millionen und den Niederlanden mit knapp 640.000 Personen.
Mit einem Bevölkerungsrückgang von knapp 1,5 Millionen Personen verzeichnete Polen auch absolut die größten Verluste im mittelfristigen Vergleich, gefolgt von Italien mit einem Rückgang von etwa 700.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Die regionalen Unterschiede in der Bevölkerungsentwicklung lassen sich unter anderem auf die Folgen der COVID‑19‑Pandemie zurückführen, die in den Jahren 2020 und 2021 zu einem Rückgang der Bevölkerung führte. Darüber hinaus spielen eine verstärkte Migration nach der Pandemie sowie die Fluchtbewegung aus der Ukraine aufgrund des russischen Angriffskriegs eine Rolle, deren Auswirkungen in den einzelnen Ländern unterschiedlich ausfallen.

Entwicklung der Bevölkerungszahl in den Statistischen Regionen Niedersachsens
Dieses heterogene Bild der Bevölkerungsentwicklung im Vergleich 2024 zu 2019 zeigt sich auch zwischen den vier Statistischen Regionen in Niedersachsen. Während in der Statistischen Region Weser-Ems (+1,4%) und der Statistischen Region Lüneburg (+0,3%) die Bevölkerung zunahm, kam es in der Statistischen Region Braunschweig (‑0,3%) und in der Statistischen Region Hannover (-1,1%) zu Bevölkerungsrückgängen.
Anteil der Bevölkerung ab 65 Jahren in Niedersachsen gestiegen
Im Jahr 2024 waren insgesamt 23,2% der niedersächsischen Bevölkerung 65 Jahre oder älter. In Deutschland insgesamt lag der Anteil dieser Altersgruppe bei 22,7% und damit über dem Wert der EU-Staaten von 22,0% (vgl. Tabelle T1 und Abbildung A3). Italien hatte mit 24,7% den höchsten EU-weiten Anteil der Bevölkerung ab 65 Jahren, gefolgt von Portugal mit 24,3% und Bulgarien mit 24,0%. Den geringsten Anteil der Bevölkerung ab 65 Jahren an der Gesamtbevölkerung hatten 2024 Luxemburg mit 15,2% und Irland mit 15,7%.

Im Zeitraum zwischen 2019 und 2024 ist der Anteil der Bevölkerung ab 65 Jahren in allen EU-27-Staaten gewachsen. In der gesamten Europäischen Union gab es einen Anstieg von 1,4 Prozentpunkten. In Niedersachsen (+1,1 Prozentpunkte) und Deutschland (+1,0 Prozentpunkte) fiel der Anstieg im Vergleich geringer aus.
Niedersachsens Regionen unterschiedlich dicht besiedelt
169 Einwohnerinnen und Einwohner lebten durchschnittlich auf einem Quadratkilometer in Niedersachsen im Jahr 2024. In den Statistischen Regionen Niedersachsens bewegte sich die Bevölkerungsdichte in einer Spanne von 112 bis 236 Einwohnerinnen und Einwohnern je Quadratkilometer (vgl. Tabelle T1). Der kleinste Staat Malta (313 km²) war der Mitgliedstaat mit der höchsten Bevölkerungsdichte 2024 (1.817 Einwohnerinnen und Einwohnern pro Quadratkilometer). Dagegen wiesen Finnland und Schweden mit 19 beziehungsweise 26 Einwohnerinnen und Einwohnern auf einem Quadratkilometer die niedrigste Bevölkerungsdichte auf.
Geburtenziffer mittelfristig in der gesamten EU-27 gesunken
Mit durchschnittlich 1,43 geborenen Kindern je Frau im Alter von 15 bis 49 Jahren lag die zusammengefasste Geburtenziffer in Niedersachsen 2024 über dem bundesweiten Wert von 1,36 Geburten pro Frau (vgl. Tabelle T1 und Abbildung A4). Die zusammengefasste Geburtenziffer in den EU-Mitgliedstaaten variierte stark und bewegte sich zwischen 1,72 Geburten pro Frau in Bulgarien und 1,01 in Malta.

Im Zeitraum zwischen 2024 und 2019 ist die zusammengefasste Geburtenziffer in allen 27 EU-Mitgliedstaaten gesunken. Die stärksten Rückgänge gab es dabei in
- Estland (‑0,48),
- Rumänien (-0,38) und
- Lettland (-0,37).
In Zypern (-0,02) und Portugal (-0,03) fielen die Rückgänge der zusammengefassten Geburtenziffer im 5-Jahres-Vergleich sehr gering aus. Mit einem Rückgang von 0,17 bzw. 0,18 lagen Niedersachsen und Deutschland im EU-weiten Vergleich im Mittelfeld.
Lebenserwartung in Niedersachsen 2024 gesunken
Mit einer Lebenserwartung bei der Geburt von 80,6 Jahren lag Niedersachsen 2024 unter der deutschlandweiten Lebenserwartung von 81,2 und unter dem Durchschnitt der EU-27-Staaten von 81,5 Jahren (vgl. Tabelle T1 und Abbildung A5). Im EU‑weiten Vergleich weisen die östlichen Mitgliedstaaten eine niedrigere Lebenserwartung auf als die Länder in West- und Südeuropa. Dabei verzeichnete Bulgarien mit 75,8 Jahren die geringste Lebenserwartung gefolgt von Lettland (76,4 Jahre). Mit einer mehr als acht Jahre höheren Lebenserwartung lag Spanien (84,0 Jahre) weiterhin an der Spitze der Mitgliedstaaten, gefolgt von Italien mit 83,8 Jahren.
Mit einem Rückgang der Lebenserwartung zwischen 2024 und 2019 um 0,3 Jahre lag Niedersachsen im Vergleich der EU-Mitgliedsstaaten mit den Niederlanden an letzter Stelle. Auch in Deutschland (-0,1 Jahre) ist die Lebenserwartung im mittelfristigen Vergleich gesunken. Bis auf Frankreich und Spanien, in denen die Lebenserwartung stagnierte, verzeichneten alle übrigen Mitgliedstaaten einen Anstieg. Die stärksten Anstiege verzeichneten Zypern (1,2 Jahre), Litauen (1,0 Jahre) und Rumänien (0,9 Jahre).

Fazit
Im Vergleich der EU-Mitgliedstaaten lag Niedersachsen sowohl bei der Bevölkerungsgröße als auch bei der Geburtenziffer im Mittelfeld. Der Anteil der Bevölkerung im Alter von 65 Jahren und älter war überdurchschnittlich und die Lebenserwartung bei der Geburt lag unter dem EU-Durchschnitt. Die mittelfristige Entwicklung der niedersächsischen Bevölkerung ist geprägt von einem minimalen Bevölkerungswachstum und einer Zunahme der Bevölkerung im Alter von 65 Jahren und älter. Sowohl die Geburtenziffer als auch die Lebenserwartung bei Geburt verzeichneten über den Zeitraum der letzten fünf Jahre einen Rückgang.
Der nächste Teil der Reihe vergleicht Niedersachsen in Bezug auf das Thema Bildung mit den EU-Mitgliedstaaten.
Weitere Informationen zu dem Thema Bevölkerung in Niedersachsen sind auch auf der Website des Landesamtes für Statistik Niedersachsen zu finden.