
In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Verbraucherpreisindex in Niedersachsen spürbar bewegt – mal rasant, mal moderat. Rückblickend wirken die Jahre 2021 bis 2023 wie ein Kontrastprogramm zu den Jahren 2024 und 2025. Die Gründe dafür und die größten Veränderungen der Preise beleuchtet dieser Beitrag.
- Moderate Preisentwicklung bei den Wohnungsmieten
- Preise von Gaststätten- und Beherbergungsdienstleistungen stark gestiegen
- Preise für Nahrungsmittel in Niedersachsen um 31,2% seit 2021 gestiegen
- Preise für Energieprodukte in Niedersachsen um 31,1% seit 2021 gestiegen
- Kerninflation – Gesamtindex ohne Nahrungsmittel und Energie
- Ausblick
Bereits 2021 zogen die Verbraucherpreise mit einem Anstieg von 3,0% im Vergleich zum Vorjahr deutlich an. Infolge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine hat sich die Teuerungsrate in den Jahren 2022 und 2023 im Vergleich zu 2021 mehr als verdoppelt (2022: +6,8%; 2023: +6,1%). In den Jahren 2024 und 2025 trat dann wiederum eine spürbare Normalisierung bei den Entwicklungen der Verbraucherpreise ein. So lag die Inflationsrate in Niedersachsen im Jahr 2024 bei +2,1% und im vergangenen Jahr 2025 bei +2,2%. Die Entwicklung des Verbraucherpreisindexes hat sich also wieder stabilisiert und lag Ende 2025 ungefähr auf dem Niveau, das die Europäische Zentralbank für den Euroraum mittelfristig anstrebt (+2,0%).
Waren- und Dienstleistungspreise im Vergleich – Unterschiedliche Treiber der Inflation
Unter dem Strich muss gesagt werden, dass das allgemeine Preisniveau seit 2021 merklich gestiegen ist. Zuletzt lag der Verbraucherpreisindex für das Jahr 2025 bei 121,8 (Basis 2020 = 100) und damit rund 18,3% über dem Niveau von 2021 (103,0).1Die allgemeine Formel zur Berechnung einer prozentualen Veränderungsrate aus zwei Indexständen beruht auf einem Dreisatz: Veränderung in Prozent = neuer Indexstand / alter Indexstand * 100 – 100.
Doch erst ein genaueres Hinsehen offenbart, was die Entwicklungen der Verbraucherpreise während der letzten fünf Jahre tatsächlich angetrieben hat. Eine interessante und unterschiedliche Dynamik von Waren und Dienstleistungen prägt nämlich das Inflationsgeschehen und liefert spannende Einsichten über die Preisentwicklung in Niedersachsen.
Die Verbraucherpreise von Waren stiegen, insbesondere mit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine im Jahr 2022, sehr stark. In den Jahren 2021 bis 2023 wirkten die Waren inflationstreibend, in den Jahren 2024 und 2025 hingegen inflationsdämpfend. Die Preise für Dienstleistungen stiegen hingegen nicht so massiv, blieben jedoch im gesamten Zeitraum hoch und wurden ab dem Jahr 2024 zum Treiber der Inflation in Niedersachsen (siehe Abbildung A1).

Dienstleistungen – Kontinuierliche Preissteigerung pro Jahr von über 2%
Dienstleistungen verteuerten sich im 5-Jahreszeitraum in Niedersachsen um insgesamt rund 14,9% (Index: 2021 = 102,3; Index 2025 = 117,5). Während sich die Preise für Dienstleistungen in den Jahren 2021 und 2022 noch vergleichsweise moderat entwickelten (2021: 2,3%, 2022: 2,5%), haben sich die durchschnittlichen Preisentwicklungen ab dem Jahr 2023 auf einem hohen Niveau eingependelt (2023: +4,6%, 2024: +3,5%, 2025: +3,5%). Aufgrund der sehr hohen Teuerungsraten der Waren in den Jahren 2021 bis 2023 wirkten die Dienstleistungspreise in dieser Phase noch inflationsdämpfend. Seit dem Jahr 2024 sind es allerdings die Preisentwicklungen der Dienstleistungen, die maßgeblich zur Inflation beitrugen.
Moderate Preisentwicklung bei den Wohnungsmieten
Bedeutsam für die Entwicklung der Dienstleistungspreise sowie den Verbraucherpreisindex insgesamt sind die Wohnungsmieten. Die Entwicklung der Nettokaltmieten und Wohnungsnebenkosten der letzten fünf Jahre zeigt, dass die Preissteigerungen in den Jahren 2021 und 2022 zum jeweiligen Vorjahr noch weit unter 2% lagen. Dies änderte sich jedoch ab dem Jahr 2023 (siehe Abbildung A2).

Auffällig ist, dass vor allem die Wohnnebenkosten ab dem Jahr 2023 deutlich teurer wurden, wohingegen die Preissteigerungen für die eigentliche Nettokaltmiete deutlich geringer waren. Zu den Wohnungsnebenkosten gehören unter anderem die Kosten für die
- Wasserversorgung,
- Abwasserentsorgung,
- Grundsteuer B und
- Gebäudereinigung.
Insgesamt ist festzuhalten, dass die Teuerung der Nettokaltmieten (einschließlich Wohnnebenkosten) in den vergangenen fünf Jahren eher moderat ausfiel und nicht als ursächlich für die vergleichsweise hohe Preisentwicklung bei den Dienstleistungen insgesamt anzusehen ist. Im betrachteten 5-Jahreszeitraum stiegen die Nettokaltmieten um rund 8,6% (Index 2021 = 101,4; Index 2025 = 110,1).
Preise von Gaststätten- und Beherbergungsdienstleistungen stark gestiegen
Anders sieht es bei den Preisentwicklungen von Gaststätten- und Beherbergungsdienstleistungen aus (siehe Abbildung A3). In den vergangenen fünf Jahren stiegen die Preise in dieser Abteilung um rund 26,9% (Index 2021 = 102,4; Index 2025 = 129,9). In dieser Abteilung lag die prozentuale Veränderung gegenüber dem jeweiligen Vorjahr deutlich höher als bei den Nettokaltmieten sowie überwiegend höher als bei den Dienstleistungen insgesamt. Lediglich im Jahr 2025 lag sie auf dem gleichen Niveau. Damit nahm diese Abteilung einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Teuerungsrate im Dienstleistungsbereich.
Im Jahr 2021 erhöhten sich die Preise für Gaststätten- und Beherbergungsdienstleistungen gegenüber dem Vorjahr noch moderat um 2,4%. Bereits ein Jahr später lagen sie 6,5% über dem Vorjahresniveau, im Jahr 2023 sogar 9,1%. Auch im darauffolgenden Jahr 2024 kam es in dieser Abteilung zu einer durchschnittlichen Preissteigerung von 5,5%. Im vergangenen Jahr sank die Teuerungsrate auf 3,5% und lag damit auf demselben Niveau wie bei den Dienstleistungen insgesamt.
Die Preissteigerungen von Gaststätten- und Beherbergungsdienstleistungen sind wohl vor allem auf gestiegene Kosten für Nahrungsmittel, Getränke und Energieprodukte (siehe folgender Abschnitt) sowie auf gestiegene Personalkosten zurückzuführen.

Weitere Preistreiber im Dienstleistungsbereich
Die Preissteigerungen bei den Gaststätten- und Beherbergungsdienstleistungen waren jedoch nicht allein ursächlich für die Teuerung der Dienstleistungen insgesamt. Hervorzuheben sind hierbei beispielsweise Dienstleistungen sozialer Einrichtungen2Dienstleistungen der häuslichen Alten- und Behindertenpflege, Dienstleistungen der Altenwohnheime und ähnliche Einrichtungen sowie Dienstleistungen der Kinderheime und Betreuung nach der Schule., deren Preise im betrachteten Zeitraum um insgesamt 28,7% gestiegen sind. Des Weiteren erhöhten sich auch die Preise für Pauschalreisen (+31,1%) sowie für Versicherungsdienstleistungen (+27,4%) deutlich.
Waren – Vom Preistreiber zum zwischenzeitlichen Stabilisator
Die Preise von Waren, also Gebrauchs- und Verbrauchsgütern, insgesamt sind im 5-Jahreszeitraum um rund 21,7% gestiegen (Index 2021 = 103,8; Index 2025 = 126,3). Im Gegensatz zu den Dienstleistungen wirkten die durchschnittlichen Preisentwicklungen der Waren in den vergangenen zwei Jahren mit Teuerungsraten von ungefähr 1% inflationsdämpfend. In den Jahren 2021 bis 2023 war es hingegen vor allem dieses Segment, das die Inflationsrate in die Höhe trieb. Im Mittelpunkt dieser beiden Jahre standen die Preisentwicklungen von Nahrungsmitteln (einschließlich alkoholfreier Getränke) und Energieprodukten (Haushaltsenergie und Kraftstoffe). Diese beiden Bereiche werden deshalb in der Folge näher betrachtet.
Preise für Nahrungsmittel in Niedersachsen um 31,2% seit 2021 gestiegen
In den vergangenen fünf Jahren stiegen die Preise für Nahrungsmittel (einschließlich alkoholfreier Getränke) um rund 31,2% (Index 2021 = 102,9; Index 2025 = 135,0). Hervorzuheben sind in diesem Zeitraum insbesondere die Jahre 2022 und 2023, in denen die Teuerungsraten zum Vorjahr deutlich über 10% lagen (2022: +12,3%; 2023: +11,9%). Bereits ein Jahr später, im Jahr 2024, ging die Preissteigerung stark zurück (+1,9%). Im Jahr 2025 stiegen die Nahrungsmittelpreise im Vorjahresvergleich dann wieder um 2,4%.
Ein genauerer Blick verrät, dass es im Jahr 2025 die Preissteigerungen für alkoholfreie Getränke (+8,2%) waren, die den Wert auf über 2% ansteigen ließen. Ohne diesen Bereich entwickelten sich die Nahrungsmittelpreise mit einer moderaten Teuerungsrate von 1,7%. Ein vergleichbares Bild gab es auch schon im Jahr zuvor, in dem die Preise für alkoholfreie Getränke deutlich stärker stiegen als die für Nahrungsmittel (siehe Abbildung A4).

Preise für Energieprodukte in Niedersachsen um 31,1% seit 2021 gestiegen
Dem Preisanstieg im Nahrungsmittelbereich standen in den Jahren 2024 und 2025 die Preisrückgänge bei Energieprodukten (Haushaltsenergie und Kraftstoffe) gegenüber (2024: -3,5%; 2025: -2,1 %). Sie hatten in diesen Jahren einen dämpfenden Einfluss auf die Teuerungsrate. Die Preisrückgänge der beiden letzten Jahre konnten aber bei weitem nicht die sehr starken Preissteigerungen in den Jahren 2021 bis 2023 ausgleichen. Herauszuheben ist das Jahr 2022 mit einer durchschnittlichen Preissteigerung von 30,4% (davon Haushaltsenergie: +33,3%, Kraftstoffe: +26,8%). Die Preise für Energieprodukte sind im 5-Jahreszeitraum um 31,1% gestiegen (Index: 2021 = 111,2; Index 2025 = 145,8) und entwickelten sich damit nahezu auf dem gleichen Niveau wie die Preise für Nahrungsmittel. Wie schwankungsanfällig beide Bereiche sind, verdeutlicht die folgende Grafik:

Kerninflation – Gesamtindex ohne Nahrungsmittel und Energie
Um langfristigere Trends der Preisentwicklung zu erkennen, ist es sinnvoll, die Entwicklung der Preise ohne die stark schwankungsanfälligen Nahrungsmittel- und Energiepreise zu betrachten. Die Entwicklung der sogenannten Kerninflationsrate („Gesamtindex ohne Nahrungsmittel und Energie“) ist in den letzten fünf Jahren um rund 15,4% gestiegen (Index: 2021 = 102,3; Index 2025 = 118,1). Als Erinnerung: Der Verbraucherpreisindex (insgesamt) ist um 18,3% gestiegen.
Bei einem Blick auf die Entwicklung der letzten fünf Jahre (siehe Abbildung A6) wird deutlich, dass die Kerninflation zeitlich verzögert anstieg, aber nachhaltiger wirkt. Der sprunghafte Anstieg der Gesamtinflation von 2022 (+6,8%) ist durch exogene Einflussfaktoren infolge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine zu erklären. Sie ist im Jahr 2023 bereits leicht niedriger ausgefallen (+6,1%) und lag im Jahr 2024 annähernd beim Zielwert der EZB von 2%.

Die Kerninflation hingegen erreichte den Höchststand erst im Jahr 2023 (+5,1%) und lag in den Jahren 2024 und 2025 mit einer Steigerung von 3,0% und 2,8% deutlich über dem Anstieg des Gesamtindexes. Der rasante Anstieg der Gesamtinflation wirkte also zeitverzögert auf die Kerninflation, da bspw. die daraus folgenden höheren Lohn- und Produktionskosten der Unternehmen schrittweise an die Endverbraucherinnen und Endverbraucher weitergegeben wurden.
Zudem ist die Entwicklung der Preise für Dienstleistungen (wie oben beschrieben) weniger volatil als die für Energie und Nahrungsmittel, dafür aber langanhaltender. Die Entwicklung der Kerninflation in den letzten fünf Jahre legt nahe, dass aus dem extern begründeten „Preisschock“ im Jahr 2022 ein binnenwirtschaftlich begründeter Preisdruck entstanden ist, der nur langsam zurückgeht.
Ausblick
Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine im Jahr 2022 hat gezeigt, welche Auswirkungen solche geopolitischen Ereignisse auf die Verbraucherpreise, insbesondere die Preise für Energieprodukte und Nahrungsmittel, aber auch auf die Preisentwicklung insgesamt, haben können. Derzeit ist noch unklar, wie lange der Ende Februar 2026 von den USA und Israel begonnene Krieg in Nahost andauern wird und welche konkreten Folgen sich daraus für den Iran und die gesamte Region ergeben. Sollte die wichtige Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus über einen längeren Zeitraum beeinträchtigt oder nicht passierbar sein, wäre zu befürchten, dass nicht nur die Preise für Energieprodukte spürbar steigen könnten.
Weitere Informationen zu Verbraucherpreisen in Niedersachsen gibt es auf statistik.niedersachsen.de.
Fußnoten
- 1Die allgemeine Formel zur Berechnung einer prozentualen Veränderungsrate aus zwei Indexständen beruht auf einem Dreisatz: Veränderung in Prozent = neuer Indexstand / alter Indexstand * 100 – 100.
- 2Dienstleistungen der häuslichen Alten- und Behindertenpflege, Dienstleistungen der Altenwohnheime und ähnliche Einrichtungen sowie Dienstleistungen der Kinderheime und Betreuung nach der Schule.