
Ergebnisse der 5. regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung (Teil 2): In den vergangenen Jahren wurden die Auswirkungen des demografischen Wandels intensiv debattiert. Grundlage für die Diskussion sind vorausberechnete Bevölkerungszahlen, die Hinweise auf die Bevölkerungsstruktur in der Zukunft geben. Mit Veröffentlichung der 5. regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung sind Aussagen zum Ausmaß des demografischen Wandels in Niedersachsens Landkreisen, kreisfreien und großen Städten möglich. Ausgehend von zentralen Kennzahlen wie dem Alten- und Jugendquotienten sowie dem Belastungsquotienten und deren zukünftiger Entwicklungen werden nachfolgend Analysen zum demografischen Wandel in Niedersachsen vorgenommen.
Bevölkerungsstruktur in Niedersachsen verändert sich in den nächsten 10 Jahren gravierend
Die Bevölkerung Niedersachsens wird bis zum Jahr 2045 zunehmend älter. Bereits im Jahr 2035, also in etwa 10 Jahren, werden bei angenommener moderater Entwicklung der Zuwanderung, Geburtenrate und Lebenserwartung in Niedersachsen rund 2,24 Millionen Personen mindestens 65 Jahre alt sein. Das entspricht einem Zuwachs dieser Altersgruppe von rund 20,9% (+387.729) im Vergleich zum betrachteten Ausgangsjahr 2024. Ausgehend vom Jahr 2035 werden dann bis zum Jahr 2045 nur noch vergleichsweise geringe Veränderungen in diese Altersklasse modelliert, sodass die Anzahl der Personen im Alter von 65 Jahren und älter in Niedersachsen im Jahr 2045 rund 2,28 Millionen Personen betragen wird.
Im gleichen betrachteten Zeitraum von 2024 bis 2045 sinkt die Bevölkerungszahl der Personen im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 64 Jahren um 695.960 Personen (-15,0%). Es ist somit zu erwarten, dass sich das Arbeitskräftepotential verringern und parallel die Anzahl der Personen im Rentenalter zunehmen wird, wie auch aus der Gegenüberstellung der dargestellten Bevölkerungspyramiden deutlich wird.

Demografische Alterung in den kommenden 10 Jahren stärker als in den letzten 30 Jahren
Der Altenquotient gibt Hinweise darauf, wie sich das Verhältnis der Anzahl der Personen im Alter von 65 Jahren und älter zur Anzahl der erwerbsfähigen Personen entwickelt, und ermöglicht damit Aussagen über die potentielle künftige demografische Alterung sowie Rahmenbedingungen für Rente und Pensionen.
Auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 64 Jahren im Jahr 2024 kamen rund 40 Personen, die mindestens 65 Jahre alt waren. Zum Vergleich: Im Jahr 1994 lag der Altenquotient noch bei 25,6. Damit ist er in den vergangenen 30 Jahren um rund 14,4 bzw. 56,0% gestiegen.
Bei moderater Entwicklung der demografischen Komponenten wird bis zum Jahr 2035 ein Zuwachs des Altenquotienten auf 54,6 erwartet und damit ein etwas mehr als ebenso großer Anstieg innerhalb von nur 10 Jahren (+14,6). Dies verdeutlicht, wie stark sich die demografische Alterung in der näheren Zukunft beschleunigt. Im Jahr 2045 werden dann voraussichtlich 57,8 Personen im Rentenalter auf 100 Personen im Erwerbsalter kommen. Insgesamt erhöht sich der Altenquotient vom Jahr 2024 auf das Jahr 2045 um etwa 44,5%.
Jugendquotient steigt in Niedersachsen nur geringfügig

Dagegen steigt der Jugendquotient nur geringfügig im gleichen Betrachtungszeitraum von 32,5 auf 34,1 (+4,9%). Zwar sinkt die Anzahl der Personen, die höchstens 19 Jahre alt sind, bis zum Jahr 2045, allerdings ist der Rückgang nicht so stark wie in der Altersgruppe der 20- bis 64-Jährigen. Da sowohl der Jugend- als auch der Altenquotient bis zum Jahr 2045 steigen werden, ergibt sich in Summe auch eine Erhöhung des Belastungsquotienten von 72,5 auf 91,9.
Höhere Zuwanderung kann demografischen Wandel in Niedersachsen nicht aufhalten
Der größte Unsicherheitsfaktor bei Bevölkerungsvorausberechnungen sind die Annahmen zur Zuwanderung aus dem Ausland, weswegen auch für die 5. regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung mehrere Varianten berechnet wurden. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die berechneten Zuwanderungsszenarien einen nur sehr begrenzten Einfluss auf den demografischen Wandel haben werden. Selbst bei relativ starker Zuwanderung aus dem Ausland wird der Altenquotient in Niedersachsen im Jahr 2045 bei etwa 56,7 liegen, bei geringer Zuwanderung dagegen bei 59,0 (2024: 40,0). Der zuwanderungsbedingte Unterschied der Berechnungsvarianten liegt also bei nur etwa 2,3 Personen im Rentenalter pro 100 erwerbsfähigen Personen, sofern hier das vollendete 65. Lebensjahr als tatsächlich realisiertes Renteneintrittsalter angenommen wird.
Bis zum Jahr 2045 wird sich in Niedersachsen somit ein tiefgreifender Wandel der Altersstruktur zeigen, der in seinem Ausmaß mit nur relativ geringen zuwanderungsbedingten Unsicherheiten behaftet ist.
Flächendeckende Alterung zu erwarten, aber regional unterschiedlich stark
In allen der 89 betrachteten Gebiete verändert sich die demografische Struktur bis zum Jahr 2045 deutlich. Überall wird die Anzahl der Personen im erwerbsfähigen Alter zurückgehen, während gleichzeitig die Zahl derer im Rentenalter von 65 Jahren und älter steigt. Lediglich das Ausmaß der Veränderung zeigt regionale Unterschiede. Im eher ländlichen Raum von Niedersachsen kann ein deutlicherer Wandel angenommen werden als in größeren Städten.

So erhöht sich bei angenommener moderater Entwicklung der demografischen Komponenten der Altenquotient in den Städten
- Achim (+19,2%),
- Wolfsburg (+21,0%),
- Laatzen (+24,0%) und
- Einbeck (+25,2%)
prozentual am geringsten. Und auch in folgenden weiteren Städten wie beispielsweise
- Barsinghausen (+26,1%),
- Hildesheim (+28,3%),
- Göttingen (+28,7%) oder
- der Landeshauptstadt Hannover (+34,6%)
wächst der Altenquotient prozentual weniger stark als im Landesdurchschnitt (+44,5%).
Wohingegen im Umland der Städte
- Vechta (+81,9%),
- Oldenburg (+71,5%) und
- Cloppenburg (+102,6%)
immense prozentuale Erhöhungen zu erwarten sind. Im Umland der Stadt Cloppenburg wird sich die Anzahl der Personen der Altersgruppe 65 Jahre und älter im Verhältnis zur erwerbsfähigen Bevölkerung mehr als verdoppeln. Lag der Altenquotient hier im Jahr 2024 noch bei 30,3 wird er sich bis zum Jahr 2045 auf 61,4 erhöht haben.
Göttingen mit geringem Anstieg der Altersgruppe 65+
Spannend bei der Analyse des ansteigenden Altenquotienten ist die Frage, welcher Faktor – die Schrumpfung der erwerbsfähigen Bevölkerung oder der Anstieg der Personen im Rentenalter – den größten Einfluss auf die Entwicklung hat.
Auffällig ist, dass insbesondere im südöstlichen Niedersachsen relativ geringe prozentuale Anstiege der Bevölkerung im Alter von mindestens 65 Jahren vorausberechnet wurden. Bei angenommener moderater Entwicklung der demografischen Komponenten wächst die Bevölkerungsgruppe der mindestens 65-Jährigen unter anderem in:
- der Stadt Göttingen (+1.432; +5,6%),
- dem Umland der Stadt Göttingen (+3.387; +7,2%),
- der Stadt Einbeck (+581; +7,0%),
- der Stadt Laatzen (+782; +7,4%),
- der Stadt Achim (+627; +7,9%) und
- der Stadt Barsinghausen (+756; +8,8%)
in vergleichsweise geringerem Umfang. Dort war der Anteil der mindestens 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung im Ausgangsjahr 2024 bereits vergleichsweise hoch (u. a. Einbeck mit nahezu 30%), so dass die Zuwächse in dieser Altersgruppe bis zum Jahr 2045 entsprechend gering ausfallen. Somit wird der Anstieg des Altenquotienten hier weniger durch die gestiegene Anzahl der Personen im Rentenalter beeinflusst.
Dagegen steigt die Anzahl der mindestens 65-Jährigen besonders deutlich in Gebieten mit geringerem Anteil dieser Altersgruppe im Jahr 2024 wie bspw.
- im Umland der Stadt Cloppenburg (+12.418; +49,1%),
- dem Umland der Stadt Vechta (+10,164; +48,6%) und
- der Stadt Vechta selbst (+2.401; +40,5%).
In den Städten Vechta und Cloppenburg sowie deren Umland waren im Jahr 2024 weniger als 20% der Bevölkerung mindestens 65 Jahre alt.

Starker Rückgang bei der erwerbsfähigen Bevölkerung im ländlichen Raum Niedersachsens
Reduziert sich die Anzahl der erwerbsfähigen Bevölkerung, erhöht sich der Altenquotient, selbst wenn die Zahl der Personen im Rentenalter unverändert bleibt. In vielen Städten Niedersachsens bleibt die Personengruppe im Erwerbsalter bis zum Jahr 2045 relativ stabil und sinkt nur leicht. So verlieren die Städte
- Wolfsburg (-3.230; -4,3%),
- Nordhorn (-2.008; -6,1%),
- Lehrte (-1.638; -6,4%) und
- Lingen (Ems) (2.339; -7,0%)
zahlenmäßig nur wenige Erwerbsfähige. Auch die Landeshauptstadt Hannover (-9,3%) liegt unterhalb des Landesdurchschnitts (-15,0%).
In vielen eher ländlich geprägten Landkreisen wird das Arbeitskräftepotential im Jahr 2045 wiederum deutlich niedriger sein als noch 2024. Auch in einigen kleineren Städten, die weiter entfernt von den Metropolen Hamburg, Bremen und Hannover liegen, wird sich die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter von 20 bis 64 Jahren teilweise in großem Ausmaß reduzieren.
So wird bei moderater Entwicklung der demografischen Komponenten der prozentuale Rückgang der Personen im Erwerbsalter bis zum Jahr 2045 in folgenden Gebieten voraussichtlich am stärksten sein:
- Stadt Bramsche (-5.199; -32,5%),
- Umland der Stadt Göttingen (-32.476; -29,2%),
- Umland der Stadt Cloppenburg (-22.127; -26,5%),
- Heidekreis (-20.197; -25,0%),
- Stadt Papenburg (-5.020; -22,4%) und
- Umland der Stadt Oldenburg (-12.945; -22,1%).

Fazit
Die Ergebnisse der 5. regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung zeigen, dass die Bevölkerung Niedersachsens bis zum Jahr 2045 bei moderater Entwicklung der Geburtenrate, der Lebenserwartung und der Zuwanderung aus dem Ausland überall älter wird. Lediglich das Ausmaß der Veränderung ist regional unterschiedlich. Dabei wird der demografische Wandel in einigen Gebieten eher von starken zahlenmäßigen Rückgängen der Personen im erwerbsfähigen Alter beeinflusst, während andernorts deutliche Anstiege der Personenzahlen im Rentenalter zu erwarten sind. In einigen Gebieten wird voraussichtlich auch beides der Fall sein, was mit entsprechend erheblichen Anstiegen des Altenquotienten einhergeht. Weiterhin wird deutlich, dass auch eine angenommene höhere Zuwanderung den demografischen Wandel in Niedersachsen nur sehr geringfügig bremsen kann. Somit ist es aktuell plausibel, anzunehmen, dass der demografische Wandel die Bevölkerung in Niedersachsen bereits in den kommenden 10 Jahren nachhaltig verändern wird. Als entsprechend sicher sind die damit verbundenen Konsequenzen für das Sozialsystem, den Wohnungsbau sowie die Infrastruktur-, Krankenhaus- und Pflegeplanung zu betrachten.