
Wie hat sich der Industriestandort Niedersachsen im Jahr 2024 entwickelt? Wuchsen Auftragseingänge, Umsatz- und Beschäftigungszahlen im Vergleich zum Vorjahr oder sanken sie? Welche Struktur hat das Verarbeitende Gewerbe in Niedersachsen? Und gab es mehr Inlands- oder Auslandsorders? Diese und weitere Fragen beantwortet der folgende Beitrag.
Anstieg beim Auftragseingang in Niedersachsen um nominal 8,5%
Das Verarbeitende Gewerbe in Niedersachsen verzeichnete im Jahr 2024 durchschnittlich ein Plus von nominal 8,5% bei den Auftragseingängen. In mehr als der Hälfte der Monate des Jahres gab es nominale Zuwächse. Größere Rückgänge waren in den Monaten März, November und Dezember zu verzeichnen, wie Abbildung A1 zeigt:

Im Oktober 2024 lag die Wachstumsrate der Auftragseingänge im Vergleich zum Vorjahresmonat nominal bei 99,0%. Diese Entwicklung wurde sehr stark von Großaufträgen beeinflusst. Der stärkste Rückgang bei den Auftragseingängen wurde mit 16,6% im Dezember verzeichnet.
Auslandsnachfrage beeinflusst Auftragseingang positiv
Das Plus der Auftragseingänge in Niedersachsen wurde insbesondere vom Anstieg der Auslandsnachfrage beeinflusst. Die Orders aus dem Ausland nahmen im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr nominal um 15,9% zu, die Inlandsnachfrage erhöhte sich um lediglich 0,3%.
Die Auftragseingänge stiegen in der Investitionsgüterproduktion (+17,6%), wohingegen die Auftragslage in den Bereichen der Vorleistungsgüter (-5,5%), der Gebrauchsgüter (-8,2%) und der Verbrauchsgüter (-6,9%) rückläufig war.
In den einzelnen Wirtschaftsabteilungen entwickelten sich die Auftragseingänge unterschiedlich. Am stärksten legten die Auftragseingänge nominal im sonstigen Fahrzeugbau (+115,5%) zu, gefolgt von der Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen (+13,3%). Rückläufig waren die Auftragseingänge unter anderem bei der Herstellung von Metallerzeugnissen (-14,7%) sowie im Maschinenbau (-5,1%).
Während Niedersachsen bei den Auftragseingängen nominal ein Plus von 8,5% erwirtschaftete, gab es bundesweit eine gegenläufige Entwicklung. Die Auftragseingänge in Deutschland gingen im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr nominal um 2,8% zurück.
Anstieg beim Auftragseingang in Niedersachsen um preisbereinigt 9,9%
Der Blick in die Zahlen zum preisbereinigten Auftragseingang zeigte ebenfalls eine positive Entwicklung. Unter Berücksichtigung der Inflation war bei den Auftragseingängen in Niedersachsen im Jahresdurchschnitt 2024 ein Plus von 9,9% gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Die Inlandsnachfrage stieg dabei um 1,8%, die Auslandsorders legten um 17,2% zu.
Preisbereinigt gab es in zwei Dritteln der Monate des Jahres 2024 Zuwächse bei den Auftragseingängen gegenüber dem Vorjahr, wie Abbildung A2 zeigt:

Im Oktober 2024 stieg der Auftragseingang um 103,8% gegenüber dem Oktober 2023. Dies lag, wie bereits ausgeführt, im Wesentlichen in Großaufträgen begründet. Der real stärkste Auftragsrückgang wurde im Dezember 2024 verzeichnet (-16,6%).
Plus im sonstigen Fahrzeugbau bei 121%
In den einzelnen Branchen sah es im Jahr 2024 wie folgt aus: Zuwächse gab es unter anderem im sonstigen Fahrzeugbau (+120,8%) sowie der Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen (+11,0%). Den höchsten Auftragsrückgang gab es in der Herstellung von Bekleidung (-19,1%).
56,4% des Auftragsvolumens aus dem Ausland
Insgesamt kamen im Jahr 2024 rund 56,4% des Auftragsvolumens aus dem Ausland. Das war ein Anstieg von 3,6 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Von allen Auslandsaufträgen wurden dabei 38,0% aus Ländern der Eurozone und damit ohne Wechselkursrisiko geordert.
Die Wirtschaftszweige mit den höchsten Anteilen an Auslandsaufträgen waren im Jahr 2024
- die Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen (68,8%)
- der sonstige Fahrzeugbau (67,9%) sowie
- der Maschinenbau (67,1%).
Umsatzrückgang im Verarbeitenden Gewerbe in Niedersachsen
Im Jahr 2024 verringerten sich die Umsätze bei den niedersächsischen Betrieben im Verarbeitenden Gewerbe um durchschnittlich 0,3% gegenüber dem Vorjahr (siehe Abbildung A3). Umsatzrückgänge waren unter anderem in der Herstellung von Bekleidung (-26,1%), der Herstellung von Holz-, Flecht-, Korb- und Korkwaren (ohne Möbel) (-9,5%) sowie in der Herstellung von Leder, Lederwaren und Schuhen (-8,8%) zu verzeichnen. Ein Umsatzplus wurde beispielsweise in der Reparatur und Installation von Maschinen und Ausrüstungen (+14,7%) erzielt.

Die Hälfte aller Umsätze im Ausland getätigt
Von den gesamten Umsätzen im Jahr 2024 wurden 49,6% im Auslandsgeschäft getätigt. Der Anteil der Auslandsumsätze nahm damit um 1,1 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr (2023: 48,5%) zu. Den überwiegenden Anteil an den Auslandsumsätzen hatten mit 57,9% auch im Jahr 2024 Länder außerhalb der Eurozone.
Die Entwicklung der Umsätze im Verarbeitenden Gewerbe in Niedersachsen ging weniger stark zurück als im Bundesdurchschnitt. Für ganz Deutschland wurde im Jahr 2024 ein Umsatzrückgang von 3,4% im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet.
Rückgang der tätigen Personen im Verarbeitenden Gewerbe in Niedersachsen um 0,2%
Die Zahl der tätigen Personen im Verarbeitenden Gewerbe in Niedersachsen sank 2024 gegenüber dem Vorjahr um 0,2% auf rund 508.000. Besonders deutliche Rückgänge wurden in der Herstellung von Bekleidung (-15,2 %) sowie in der Herstellung von Druckerzeugnissen (-8,2%) verzeichnet. Zuwächse hingegen gab es in der Reparatur und Installation von Maschinen und Ausrüstungen (+8,6%) sowie im sonstigen Fahrzeugbau (+7,4%).
Auch bundesweit verringerte sich die Zahl der tätigen Personen im Verarbeitenden Gewerbe, mit -0,5% jedoch etwas stärker als in Niedersachsen.
Fahrzeugbau dominiert Verarbeitendes Gewerbe in Niedersachsen
Die Branchenstruktur des Verarbeitenden Gewerbes in Niedersachsen wurde im Jahr 2024 erneut vom Fahrzeugbau dominiert. In diesem Wirtschaftszweig wurde ein Anteil von 45,4% am Gesamtumsatz im Verarbeitenden Gewerbe erzielt (siehe Abbildung A4) und damit 0,8 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Danach folgte das Ernährungsgewerbe einschließlich der Tabakverarbeitung, wobei der Anteil am Gesamtumsatz bei 17,1% lag und damit gegenüber 2023 unverändert blieb. In der Metallerzeugung und -bearbeitung einschließlich der Herstellung von Metallerzeugnissen wurde ein Umsatzanteil von 7,9% erwirtschaftet. Dies waren 0,4 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr.

Fazit
Die Auftragslage im Verarbeitenden Gewerbe in Niedersachsen entwickelte sich im Jahr 2024 sowohl nominal (+8,5%) als auch preisbereinigt (+9,9%) positiv. Dies wurde insbesondere durch die Bestellungen aus dem Ausland begünstigt.
Die Umsätze im Verarbeitenden Gewerbe in Niedersachsen gingen im Jahr 2024 um 0,3% im Vergleich zu 2023 zurück, die Zahl der tätigen Personen nahm um 0,2% ab.
Der Fahrzeugbau dominierte auch im Jahr 2024 die Branchenstruktur im Verarbeitenden Gewerbe in Niedersachsen mit einem Umsatzanteil von 45,4%.
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