
Wie entwickelte sich die Tierhaltung in Niedersachsen im Jahr 2025? Gab es mehr Rinder, Schweine und Schafe oder sank ihre Zahl? Wie viele Eier und wie viel Fisch wurden produziert? Einen Überblick über Tiere, tierische Erzeugung sowie über die Entwicklung der Tierhaltungsbetriebe bietet dieser Beitrag.
Rinderhaltung in Niedersachsen: Trend zur Abnahme trotz Zuwachs
Der klare Trend in der Rinderhaltung hin zur Abnahme der Bestände blieb trotz eines leichten Zuwachses im November 2022, Mai 2023 und zuletzt im November 2025 deutlich erkennbar. So nahm in Niedersachsen die Anzahl gehaltener Rinder in den vergangenen Jahren ab. Auch die Anzahl der Haltungen – also Ställe – verringerte sich von 19.472 im Mai 2020 auf 17.898 im November 2025 (-8,1%). Die durchschnittliche Anzahl Tiere pro Betrieb stieg in den vergangenen sechs Jahren von rund 123 auf 125 Tiere.

59.037 der 2,24 Mio. Rinder waren Milchkühe (Stand: November 2025). In den letzten sechs Jahren nahm die Anzahl der Milchkühe um 7,7% ab. Von 8.676 Betrieben im Mai 2020 hatten sechs Jahre später noch 7.064 Betriebe (-18,6%) Milchkuhhaltung. Pro Betrieb wurden im November 2025 rund 108 Milchkühe gehalten. Das waren etwa 13 Tiere mehr als noch im Jahr 2020.

Mehr Schweine, aber weniger Betriebe in Niedersachsen
In Niedersachsen setzt sich ein weiterer klarer Trend fort: Die Zahl der Schweinehalterinnen und Schweinehalter ist in den vergangenen Jahren massiv geschrumpft. Zwischen 2015 und 2025 ging die Zahl der Betriebe um 42,1 Prozent zurück – ein markanter Einschnitt für die niedersächsische Tierhaltung.
Zwar stieg der Schweinebestand im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr leicht um 2,2 Prozent, doch der Blick auf das gesamte Jahrzehnt zeigt ein anderes Bild: Der Trend weist deutlich nach unten. Haupttreiber dieser Entwicklung sind eine anhaltend schwierige wirtschaftliche Lage, rückläufige Absatzmöglichkeiten im In- und Ausland sowie deutlich gestiegene Produktionskosten.
Viele Betriebe standen damit vor einer schweren Entscheidung: aussteigen, pausieren oder durch Betriebsvergrößerungen effizienter werden. Die Struktur der verbliebenen Höfe verändert sich dementsprechend. Hielt ein niedersächsischer Betrieb im Jahr 2015 im Durchschnitt rund 1.324 Schweine, waren es 2025 bereits etwa 1.885 Tiere pro Betrieb. Größere Bestände werden damit zunehmend obligatorisch.

Sich stetig verändernde Schafhaltung in Niedersachsen
Die Schafhalterinnen und Schafhalter in Niedersachsen stehen seit Jahren unter Druck. Hohe Kosten und erheblicher Aufwand für Maßnahmen zum Schutz der Tiere sorgen für große Unsicherheiten – viele Betriebe sehen sich gezwungen, die Schafhaltung ganz aufzugeben.
Seit 2018 ist die Folge deutlich sichtbar: Sowohl die Zahl der Tiere als auch die Zahl der Betriebe ging zurück. Erst nach 2020 erholten sich die Bestände wieder leicht. Eine mögliche Ursache dafür sind die seit dem 1. September 2021 eingeführten Übergangsförderungen des Landes Niedersachsen. Zudem greifen seit 2024 neue Förderinstrumente der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU, die insbesondere die Mutterschafhaltung stärken sollen.
Trotz dieser Unterstützungsangebote setzte sich der Abwärtstrend zunächst fort. Die Zahl der Betriebe sank von 1.040 im Jahr 2023 auf rund 990 im Jahr 2024. Die Tierbestände gingen im selben Zeitraum von 171.700 auf knapp 159.800 zurück. Erst 2025 zeigte sich wieder ein Anstieg.
Die rund 940 Betriebe hielten 2025 in Niedersachsen insgesamt 162.400 Schafe (+1,6% gegenüber dem Vorjahr). Die Anzahl der Betriebe sank im Vergleich zu 2024 um 4,7%. 30 Betriebe in Niedersachsen hatten eine Größe von 1.000 und mehr Tieren. Fast drei Viertel aller Schafe wurden in den Regionen Weser-Ems und Lüneburg gehalten.
Blickt man auf den gesamten Zeitraum von 2016 bis 2025, relativieren sich die kurzfristigen Schwankungen: Der Rückgang der Betriebe beträgt über zehn Jahre betrachtet lediglich 1,6%, die Tierzahl sank insgesamt um 3,6%.
Ungeachtet dieser Entwicklungen bleibt die Bedeutung der Schafhaltung unbestritten. Sie spielt eine zentrale Rolle beim Erhalt der Biodiversität und bei der Pflege wertvoller Kulturlandschaften.

Legehennenhaltung auf gleichbleibendem Niveau
In Niedersachsen blieb die Struktur der Legehennenhaltung weitgehend stabil. Die Zahl der Betriebe verringerte sich lediglich von 774 im Jahr 2024 auf 773 im Jahr 2025. Parallel dazu sank die Zahl der verfügbaren Haltungsplätze um 0,8% gegenüber dem Vorjahr. Der durchschnittliche Legehennenbestand lag 2024 bei 17,9 Mio. Tieren und ging 2025 moderat auf 17,6 Mio. Tiere zurück. Insgesamt zeigt sich allerdings seit Juli 2023 ein weitgehend konstantes Bild.

Rund 458 Mio. Eier wurden 2025 in Niedersachsen monatlich gelegt – durchschnittlich 26 Eier pro Henne und Monat. Die Gesamtzahl der Eier steigerte sich seit 2023 um 5,7% von 5,2 Mrd. auf 5,5 Mrd. Eier, im Vergleich zum Vorjahr sank sie allerdings um 0,5%.

Insgesamt zeigt sich ein Zuwachs an Freilandhaltung sowie in ökologischer Erzeugung. Wobei im Vergleich zum Vorjahr die Anzahl der Haltungsplätze in Freilandhaltung um 3,4% einen deutlichen Zuwachs verzeichnete. Die ökologische Erzeugung erreichte mit einem Plus von 6,3% ebenfalls eine erhebliche Zunahme.

Aquakultur: Gestiegene Muschelernte in Niedersachsen
Die Produktion in deutschen Aquakulturen wird seit 2011 jährlich im Rahmen einer Totalerhebung erfasst. Weil der Stichtag auf den 31. Dezember fällt, liegen die Ergebnisse später vor als die Zahlen zur Tierhaltung oder zu anderen Bereichen der tierischen Erzeugung.
Für das Jahr 2024 meldeten 95 niedersächsische Betriebe eine Gesamtproduktion von fast 4.505 Tonnen Aquakulturerzeugnissen. Rund 81 Tonnen davon stammten aus ökologischer Erzeugung – erzeugt von drei Betrieben. Zu den erfassten Aquakulturerzeugnissen zählen Fische, Weichtiere wie Muscheln, Krebstiere sowie Algen.

Seine Spitzenposition in der deutschen Aalproduktion behauptete Niedersachsen auch 2024. Mit einem Plus von 2,5% gegenüber dem Vorjahr wurden im Bundesland 99,9% des gesamten deutschen Aals erzeugt. Die Aalproduktion belief sich auf rund 1.190 Tonnen und machte damit rund 45% der niedersächsischen Gesamtfischproduktion von 2.633 Tonnen aus. Insgesamt waren 87 Betriebe an der Fischproduktion beteiligt.
Nicht nur der Aal auch die Muschelerzeugung spielt in Niedersachsen eine wichtige Rolle. Nach langen Jahren des Rückgangs steigt die Produktion von Muscheln in Niedersachsen seit 2023 wieder. Zum Vorjahr nahm die Muschelernte 2024 nochmals um nahezu 50% zu. Dennoch steht die Muschelfischerei durch Bauarbeiten wie an LNG-Terminals und Offshore-Anlagen sowie durch Umweltverschmutzung und Klimawandel stark unter Druck.

Fazit
Trotz eines Zuwachses des Bestands im November 2025 zeichnete sich bei der Rinder- und Schweinehaltung mit Blick auf die vergangenen zehn Jahre weiterhin ein abnehmender Trend ab. Der Tierbestand pro Betrieb stieg in der Rinder- und Schweinehaltung leicht. Die Anzahl der gehaltenen Schafe in Niedersachsen nahm im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls zu. Ein Trend in der Schafhaltung lässt sich aufgrund starker Schwankungen in den vergangenen zehn Jahren nicht ausmachen.
In der Legehennenhaltung zeigt sich ein stabiles Bild ohne größere Veränderungen.
In der Aquakultur steigerte sich die Muschelproduktion 2024 ein weiteres Jahr in Folge – auch die Aalproduktion stieg an.
Weitere Informationen zum Thema Tiere und tierische Erzeugung finden Sie auf unserer Webseite:
- Informationen zu Viehbeständen und tierischer Erzeugung
- Daten zur Aquakultur und Fischerei in Niedersachsen
Wie sich die Ernte sowie die Betriebsgrößenstruktur und die Bodennutzung in Niedersachsen 2025 entwickelten, lesen Sie in den ersten beiden Teilen des Jahresrückblicks Landwirtschaft: