Erwerbsbeteiligung und Arbeitszeitmodelle von Müttern und Vätern in Niedersachsen

Erwerbsbeteiligung und Arbeitszeitmodelle von Müttern und Vätern in Niedersachsen
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In welchem Umfang Mütter und Väter minderjähriger Kinder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, prägt nicht nur den Familienalltag, sondern beeinflusst die Gesamtwirtschaft. Dieser Beitrag beleuchtet die Unterschiede zwischen Müttern und Vätern in Niedersachsen hinsichtlich Erwerbstätigkeit, Arbeitszeitmodellen und geleisteten Arbeitsstunden – abhängig vom Alter des jüngsten Kindes.

Um wen geht es?

Im Fokus stehen Familien, deren Arbeitsmarktteilnahme durch die Verantwortung für Kinder beeinflusst wird. Betrachtet werden deshalb Mütter oder Väter, die mit mindestens einem minderjährigen Kind1Dazu zählen auch Stief-, Pflege- und Adoptivkinder. in einem gemeinsamen Haushalt leben. In Niedersachsen traf dies 2024 auf je 562.000 verheiratete Elternteile, über 92.000 Mütter und 91.000 Väter in Lebensgemeinschaften sowie 23.000 alleinerziehende Väter und 117.000 alleinerziehende Mütter zu. Bei Alleinerziehenden zeigt sich ein deutlicher Unterschied: Mütter übernahmen diese Rolle fünfmal so häufig wie Väter.

Das Balkendiagramm veranschaulicht die Zahl der Eltern mit minderjährigem Kind in Niedersachsen 2024 nach Familienform. Je 562.000 Mütter und Väter waren verheiratet. In Lebensgemeinschaften wohnten 91.000 Väter und 92.000 Mütter. Bei den Alleinerziehenden standen 117.000 Mütter nur 23.000 Vätern gegenüber.
A1 Eltern mit minderjährigem Kind in Niedersachsen 2024 nach Familienform

Definition

Als erwerbstätig gelten laut Mikrozensus Personen ab 15 Jahren, die im Berichtszeitraum mindestens eine Stunde gegen Entgelt gearbeitet haben oder selbstständig tätig sind. Dazu zählen auch mithelfende Familienangehörige ohne Lohn sowie Personen, die vorübergehend z. B. wegen Elternzeit, Mutterschutz, Urlaub oder Krankheit nicht arbeiten, aber weiterhin in einem Arbeitsverhältnis stehen.

Wer ging arbeiten? Niedersächsische Väter und Mütter im Vergleich

2024 waren in Niedersachsen über neun von zehn Vätern und mehr als drei Viertel aller Mütter erwerbstätig. Die Erwerbstätigenquote – der Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung – war bei Vätern unabhängig vom Alter des jüngsten Kindes und schwankte zwischen 91,8% und 93,9%. Bei Müttern zeigt die Abbildung A2 hingegen einen deutlichen Zusammenhang: Mit zunehmendem Alter des jüngsten Kindes stieg ihre Erwerbsbeteiligung. So waren 65,2% der Mütter von Kindern unter drei Jahren erwerbstätig – einschließlich jener in Mutterschutz oder Elternzeit. War das jüngste Kind drei bis unter sechs Jahre alt, erhöhte sich die Quote um 8,8 Prozentpunkte. Bei Müttern von Sechs- bis unter Zehnjährigen, also mit Eintritt der Kinder in das schulpflichtige Alter, stieg die Erwerbstätigenquote erneut (82,1%). Die höchste Quote von 85,1% wurde bei Müttern von 15- bis unter 18-Jährigen erreicht.

Im Balkendiagramm werden die Erwerbstätigenquoten von Müttern und Vätern in Niedersachsen im Jahr 2024 nach Alter des jüngsten Kindes ausgewiesen. Bei den Vätern lagen die Erwerbstätigenquoten stets über 90% - das Kindesalter hatte keinen Einfluss. Bei Müttern stieg die Erwerbstätigenquote von 65,2% bei Müttern mit unter 3-jährigen Kindern auf 82,1%, wenn das jüngste Kind 6-10 Jahre alt war. Mit höherem Alter des jüngsten Kindes blieb die Erwerbstätigenquote von Müttern dann recht konstant.
A2 Erwerbstätigenquoten von Eltern in Niedersachsen 2024 nach Alter des jüngsten Kindes – Angaben in Prozent

Wer arbeitete in Vollzeit?

Die Daten zeigen: Beim Arbeitszeitmodell bestanden große Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Der Anteil der Vollzeitbeschäftigten an den realisiert Erwerbstätigen2„Realisierte“ Erwerbstätigkeit zählt Personen, die wegen Mutterschutz oder Elternzeit in der Berichtswoche nicht arbeiten, nicht als erwerbstätig. Damit erlaubt dieser Ansatz Rückschlüsse auf die aktive Ausübung eines Erwerbsverhältnisses vor dem Hintergrund der familiären Situation. lag bei Vätern minderjähriger Kinder fast 65 Prozentpunkte höher als bei Müttern. So arbeiteten 91,8% der Väter von minderjährigen Kindern in Vollzeit, bei den Müttern waren nur 27,0% in Vollzeit beschäftigt.

Das Balkendiagramm zeigt die Vollzeitbeschäftigungsquoten von Müttern und Vätern in Niedersachsen 2024 nach Alter des jüngsten Kindes. Unabhängig vom Alter des jüngsten Kindes arbeiteten über 90% der Väter in Vollzeit. Bei Müttern war die Vollzeitbeschäftigungsquote deutlich geringer und verlief u-förmig. Mütter von unter 3-jährigen arbeiteten zu 25% in Vollzeit, bei Kindern zwischen 3 und 6 sind es nur knapp 18%. Dann steigt die Vollzeitquote mit dem Alter des jüngsten Kindes auf 38,5% in der Altersspanne 15-18.
A3 Vollzeitbeschäftigungsquoten von Eltern in Niedersachsen 2024 nach Alter des jüngsten Kindes – Angaben in Prozent

Die Abbildung A3 verdeutlicht, dass sich das Alter des jüngsten Kindes vorwiegend bei Müttern auf die Arbeitszeitgestaltung auswirkte. Bei Müttern betrug die Vollzeitquote 24,9%, wenn das jüngste Kind unter drei Jahre alt war, und sank bei Müttern mit jüngstem Kind im Alter von drei bis unter sechs Jahren auf 17,7%. Die sinkende Vollzeitquote könnte mit der steigenden Erwerbsbeteiligung von Müttern mit Kindern im Kindergartenalter (A2) zusammenhängen, falls diese Mütter bei Eintritt in die Erwerbstätigkeit zunächst ein Teilzeitmodell wählten. Mit zunehmendem Alter des Kindes erhöhte sich die Vollzeitquote und erreichte für Mütter von Kindern zwischen 15 und unter 18 Jahren 38,5%. Trotz dieser Steigerung der Vollzeitbeschäftigungsquote von Müttern um über 20 Prozentpunkte blieb die Differenz zu Vätern groß.

Wie viele Stunden arbeiteten Eltern in Niedersachsen?

Es handelt sich um ein Balkendiagramm der Zahl der erwerbstätigen Mütter und Väter mit einem unter 3-jährigen Kind nach geleisteten Wochenarbeitsstunden in Niedersachsen 2024. In der Berichtswoche nicht gearbeitet haben fast 53.000 Mütter, aber weniger als 20.000 Väter. Zwischen 1 und 20 Stunden gearbeitet haben unter 10.000 Vätern, jedoch fast 33.000 Mütter. Bei Arbeitszeiten zwischen 21 und 35 Stunden war das Geschlechterverhältnis ausgeglichen. Ab einer Arbeitszeit von 36 Stunden standen über 110.000 Väter nur knapp 13.000 Müttern gegenüber.
A4 Erwerbstätige Eltern, deren jüngstes Kind unter 3 Jahre alt ist, in Niedersachsen 2024 nach tatsächlicher Wochenarbeitszeit (u = Aussagewert eingeschränkt, da der Zahlenwert statistisch relativ unsicher ist)

Um die Arbeitsmarkteffekte der niedrigen Vollzeitbeschäftigung von Müttern besser zu verstehen, wird die tatsächlich geleistete Arbeitszeit betrachtet. Der Mikrozensus umfasst für Erwerbstätige die Frage: „Wie viele Stunden haben Sie in der Berichtswoche tatsächlich gearbeitet?“ Die Berichtswochen sind gleichmäßig über das Jahr verteilt. Eine Wochenarbeitszeit von null Stunden kann verschiedene Gründe haben. Dazu zählen Urlaub sowie Krankheit, Mutterschutz und Elternzeit.

Es handelt sich um ein Balkendiagramm der Zahl der erwerbstätigen Mütter und Väter, deren jüngstes Kind zwischen 3 und 6 Jahre alt ist, nach geleisteten Wochenarbeitsstunden in Niedersachsen 2024. Das Geschlechterverhältnis bei Eltern, die in der Berichtswoche nicht gearbeitet haben, war mit je 13.000 Erwerbstätigen ausgeglichen. Über 40.000 Mütter haben 1-20 Stunden gearbeitet, bei Vätern waren dies 8000. Bei Arbeitszeiten von 21 bis 35 Stunden standen gut 20000 Väter 41.000 Müttern gegenüber. 77.000 Väter haben über 36 Stunden gearbeitet, bei Müttern waren es unter 13.000.
A5 Erwerbstätige Eltern, deren jüngstes Kind 3 bis unter 6 Jahre alt ist, in Niedersachsen 2024 nach tatsächlicher Wochenarbeitszeit (u = Aussagewert eingeschränkt, da der Zahlenwert statistisch relativ unsicher ist)

Die Abbildungen A4 bis A6 veranschaulichen die tatsächlich geleisteten Wochenarbeitsstunden von Eltern, differenziert nach dem Alter des jüngsten Kindes. Die hohen Vollzeitquoten der Väter spiegeln sich in der deutlichen Konzentration auf Arbeitszeiten ab 36 Stunden. Die Auswertung der Wochenarbeitsstunden bestätigt, dass das Alter des jüngsten Kindes bei Vätern keinen signifikanten Einfluss auf den Umfang der geleisteten Arbeitszeit hatte. Bei Müttern hingegen variierten die Arbeitsstunden deutlich – je nachdem, ob das jüngste Kind unter drei Jahre alt war, im Kindergartenalter war oder bereits die Schule besuchte.

Es handelt sich um ein Balkendiagramm der Zahl der erwerbstätigen Mütter und Väter, deren jüngstes Kind zwischen 6 und 18 Jahre alt ist, nach geleisteten Wochenarbeitsstunden in Niedersachsen 2024. Das Geschlechterverhältnis bei Eltern, die in der Berichtswoche nicht gearbeitet haben, war ausgeglichen. Bei Arbeitszeiten von 1 bis 20 Stunden und bei 21 bis 35 Stunden machten Mütter 84%, beziehungsweise 75% der Befragten aus. Ab einer Arbeitszeit von 36 Stunden standen 235.000 Väter 71.000 Müttern gegenüber.
A6 Erwerbstätige Eltern, deren jüngstes Kind 6 bis unter 18 Jahre alt ist, in Niedersachsen 2024 nach tatsächlicher Wochenarbeitszeit

Erwerbstätigkeit von Müttern steigt mit Alter des Kindes

Ein Blick auf die Eltern, die in der Berichtswoche nicht gearbeitet haben, zeigt in den Abbildungen A5 und A6 ein nahezu ausgeglichenes Verhältnis: Mütter und Väter waren wohl ähnlich oft krank oder im Urlaub. Bei Eltern von Kindern unter drei Jahren (A4) fiel die Zahl der Mütter mit null Arbeitsstunden hingegen fast dreimal höher aus als die entsprechende Anzahl von Vätern. Dies ist vor allem auf Mutterschutz und die Inanspruchnahme von Elternzeit zurückzuführen, da viele Mütter mit Kleinkindern ihre Erwerbstätigkeit vorübergehend nicht aktiv ausüben.

Wenn das Kind im Kindergartenalter war (A5), wuchs die Zahl der Mütter, die entweder 1 bis 20 oder 21 bis 35 Stunden pro Woche arbeiteten. Beide Teilzeitmodelle waren in dieser Phase nahezu gleich häufig vertreten. Für Mütter von Kindern im Schulalter (A6) verschob sich die Verteilung und es arbeiteten mehr Mütter 21 bis 35 Stunden als 1 bis 20 Stunden. Dies weist auf eine Ausweitung der Arbeitszeit innerhalb des Teilzeitmodells hin. In Abbildung A6 werden auch die steigenden Vollzeitquoten von Müttern mit älteren Kindern deutlich. Unter den Eltern, deren jüngstes Kind im Schulalter war, machten Mütter 23,1% der Erwerbstätigen mit mindestens 36 Wochenstunden aus.

Welche Schlüsse lassen sich ziehen?

Zwischen niedersächsischen Müttern und Vätern bestanden erhebliche Unterschiede in der Erwerbsbeteiligung. Mütter waren 2024 seltener erwerbstätig und arbeiteten überwiegend in Teilzeit. Mit dem Alter des jüngsten Kindes stieg ihre Erwerbsbeteiligung sowie ihre Wochenarbeitszeit, während sich bei Vätern kaum Veränderungen zeigten. Dies weist darauf hin, dass Frauen innerhalb der Familie häufig den größeren Anteil an Erziehungsarbeit übernahmen. Diese Rollenverteilung wird nicht allein durch individuelle Entscheidungen geprägt. Auch gesellschaftliche Rahmenbedingungen, wie die Verfügbarkeit von Kinderbetreuung und Verdienstunterschiede, haben einen wesentlichen Einfluss.

Dass geschlechterspezifische Unterschiede in der Erwerbsbeteiligung und dem gewählten Arbeitszeitmodell auch bei Eltern mit älteren Kindern fortbestanden, verdeutlicht, wie sehr die Erwerbsunterschiede zwischen Müttern und Vätern, bzw. Frauen und Männern, über die reine Aufteilung der Erziehungsarbeit hinausreichen.


Weitere Informationen zum Thema Haushalte und Familien in Niedersachsen finden Sie auf der Website des LSN.

Fußnoten

  • 1
    Dazu zählen auch Stief-, Pflege- und Adoptivkinder.
  • 2
    „Realisierte“ Erwerbstätigkeit zählt Personen, die wegen Mutterschutz oder Elternzeit in der Berichtswoche nicht arbeiten, nicht als erwerbstätig. Damit erlaubt dieser Ansatz Rückschlüsse auf die aktive Ausübung eines Erwerbsverhältnisses vor dem Hintergrund der familiären Situation.