
Für die Befragung „Laufende Wirtschaftsrechnungen (LWR)“ sucht das Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN) freiwillige Haushalte. Die LWR, die einen Überblick über die Lebenssituation privater Haushalte in Niedersachsen und Deutschland bieten, starten 2026 mit einigen wichtigen Neuerungen. Welche das sind, erklärt Dezernatsleiterin Kathleen Driefert im Interview.
Die LWR starten 2026 in eine neue Runde. Was sind die LWR eigentlich und was ist das Ziel dieser Erhebung?
Kathleen Driefert: Die LWR sind eine Haushaltsbefragung der amtlichen Statistik, an der Haushalte freiwillig teilnehmen können. Wir fragen dann zu den Wohnverhältnissen, der Ausstattung mit Gebrauchsgütern wie Auto oder Tablet, und dazu, wie viel Geld dem Haushalt zur Verfügung steht und wofür er es ausgibt. Diese Daten sind unverzichtbar, um politische und wirtschaftliche Entscheidungen auf eine solide Basis zu stellen. Zudem sind sie eine Grundlage für die Berechnung des Verbraucherpreisindex – umgangssprachlich die Inflationsrate – und eine wichtige Basis für die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen.
Was ist 2026 besonders an der Erhebung?
Kathleen Driefert: Die LWR 2026 bringen gleich mehrere Neuerungen mit sich. Zum einen wird die Erhebung erstmals nach einem EU-weit einheitlichen Konzept durchgeführt. Das verbessert die Vergleichbarkeit der Daten innerhalb Europas. Zum anderen sind erstmals auch Haushalte von Selbstständigen dabei. Die Aufnahme dieser Haushalte geht auf eine Vorgabe der EU zurück. Das ist aber erstmal nur ein punktuelles Ereignis. Selbstständigen-Haushalte sind nur 2026 Teil der LWR, 2027 sind sie dann wieder nicht dabei. Darüber hinaus gibt es Änderungen bei der Dokumentation: Für Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren müssen die Ausgaben ab sofort detaillierter erfasst werden.
Wer kann an den LWR teilnehmen?
Kathleen Driefert: Jeder Haushalt in Niedersachsen kann sich anmelden. Die Auswahl der tatsächlich teilnehmenden Haushalte erfolgt dann nach einem sogenannten Quotenplan. Die Haushalte, die mitmachen, sind ja nur eine Stichprobe aller Haushalte in Niedersachsen. Der Quotenplan sorgt dafür, dass die Stichprobe die Gesellschaft realistisch abbildet. Dafür wird vorab festgelegt, wie viele Haushalte bestimmter Typen – etwa Paare mit Kindern, Alleinerziehende oder Einpersonenhaushalte – benötigt werden. Wenn es schon ausreichend passende Haushalte gibt, werden bestimmte Haushalte daher unter Umständen nicht sofort zur Teilnahme eingeladen. In diesem Fall besteht aber die Möglichkeit, dass der Haushalt im Erhebungsjahr 2027 berücksichtigt wird.
Welche Haushalte werden aktuell besonders gesucht?
Kathleen Driefert: Für die LWR werden vor allem sogenannte „sonstige Haushalte“ gesucht – das sind Mehrpersonenhaushalte, in denen beispielsweise Paare mit volljährigen Kindern oder Schwiegereltern zusammenleben. Außerdem können einmalig im Jahr 2026, wie bereits gesagt, auch Haushalte teilnehmen, in denen die Haupteinkommensperson selbstständig, freiberuflich oder als selbstständige Landwirtin bzw. selbstständiger Landwirt tätig ist.
Warum lohnt sich die Teilnahme für die Haushalte?
Kathleen Driefert: Neben der finanziellen Anerkennung von 90 Euro im Jahr 2026 bietet die Teilnahme auch einen persönlichen Mehrwert: Man erhält einen detaillierten Überblick über die eigenen Finanzen und das Ausgabeverhalten. Gleichzeitig leistet man einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Datenlage in Deutschland – und damit zur Grundlage für politische Entscheidungen.
Wie läuft eine Teilnahme konkret ab?
Kathleen Driefert: Nachdem ein Haushalt für die Stichprobe ausgewählt wurde, erhält er ein Schreiben per Post. Haushalte, die sich für das Ausfüllen klassischer Fragebogen in Papierform entschieden haben, bekommen direkt die entsprechenden Fragebogen zugesendet. Wer die digitale Variante nutzt, erhält die Zugangsdaten für die LWR-App. Die Teilnahme erstreckt sich über einen Monat, in dem alle Einnahmen und Ausgaben sorgfältig dokumentiert werden müssen. Ergänzend werden einige Basisangaben zum Haushalt erhoben.
Welche Themen werden genau im Fragebogen behandelt?
Kathleen Driefert: Im Mittelpunkt stehen die monatlichen Konsumausgaben – also wofür das Geld im Alltag ausgegeben wird: Lebensmittel, Kleidung, Freizeit, Verkehr usw. Zusätzlich werden Informationen zu Haushaltszusammensetzung, Wohnsituation, Einkommensverhältnissen und zur Ausstattung mit Gebrauchsgütern erhoben. Jedes Haushaltsmitglied ab 16 Jahren macht zudem weitere Angaben, zum Beispiel zur beruflichen oder schulischen Situation sowie zum eigenen Einkommen.
Wie können sich interessierte Haushalte für die Erhebung anmelden?
Kathleen Driefert: Am einfachsten ist es, wenn sich interessierte Haushalte online über das dafür eingerichtete Anmeldeportal registrieren. Alternativ ist aber auch eine Anmeldung per Telefon möglich.
- Weitere Informationen auf der Webseite des LSN unter statistik.niedersachsen.de/lwr
- Anmeldungen über das Anmeldeportal oder per Telefon: 0511/9898-1433 oder -1058
Vielen Dank für das Gespräch!