
Die wirtschaftliche Lage vieler Unternehmen in Niedersachsen bleibt angespannt. Geopolitische Konflikte, Zollstreitigkeiten, steigende Preise und eine durch höhere Lebenshaltungskosten gedämpfte Konsumneigung belasten die Wirtschaft insgesamt weiterhin erheblich. Diese und weitere Faktoren können zu ernsthaften wirtschaftlichen Schwierigkeiten führen – bis hin zu einem Insolvenzantrag. Der folgende Beitrag beleuchtet die Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2025 im Detail.
Erneut mehr Insolvenzen in Niedersachsen, aber keine Rekordwerte
Im Jahr 2025 stellten 1.910 Unternehmen in Niedersachsen einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Dies entspricht einem Anstieg von 4,7% gegenüber dem Vorjahr. Zwar setzt sich damit der seit einigen Jahren beobachtbare Aufwärtstrend fort, dennoch liegt das Niveau weiterhin deutlich unter den historischen Höchstständen vergangener Jahrzehnte. Zudem schwächte sich der Zuwachs merklich ab – im Jahr 2024 hatte das Plus noch bei 33,5% gelegen. Insgesamt bewegen sich die Insolvenzzahlen in etwa auf dem Niveau von vor zehn Jahren.
Während der Corona-Pandemie kam es zeitweise zu einem deutlichen Rückgang der Insolvenzen, begünstigt durch staatliche Hilfen und zeitweise ausgesetzte Insolvenzantragspflichten. Diese Maßnahmen ermöglichten vielen Unternehmen ein vorübergehendes Weiterbestehen.

Bei der Betrachtung nach Branchen entfielen im Jahr 2025 mit 342 Fällen (+3,3%) die meisten Unternehmensinsolvenzen auf den Bereich „Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen“. Im Jahr 2024 hatte es die meisten Insolvenzen noch im Baugewerbe gegeben, das nach einem Rückgang um 11,0% im Vergleich zum Vorjahr nun die zweitmeisten Beantragungen zu verbuchen hatte.

Differenziertes Bild bei betroffenen Beschäftigten nach Branchen
Einen Rückgang gab es im Jahr 2025 hingegen bei der Anzahl der gefährdeten Arbeitsplätze. Durch niedersächsische Unternehmensinsolvenzen waren die Arbeitsplätze von rund 12.500 Beschäftigten bedroht. Dies stellte gegenüber dem Vorjahr mit rund 15.500 Arbeitsplätzen einen Rückgang um 19,2% dar.
Bei der Analyse nach Wirtschaftsabschnitten stach in Bezug auf die betroffenen Beschäftigten wie auch in den Vorjahren das Verarbeitende Gewerbe hervor. Allein in diesem Bereich waren 2025 die Arbeitsplätze von rund 3.200 Personen gefährdet, gefolgt vom Gesundheits- und Sozialwesen mit rund 2.200 Personen. In beiden Branchen waren mit durchschnittlich mehr als 20 Beschäftigten je beantragter Insolvenz im Verhältnis zu allen anderen Branchen überproportional viele Arbeitsplätze betroffen. Über alle Branchen hinweg lag der Durchschnittswert bei 6,6 gefährdeten Arbeitsplätzen; ohne das Verarbeitende Gewerbe sowie das Gesundheits- und Sozialwesen bei 4,3.

Ältere Unternehmen betreffen mehr Beschäftigte – jüngere verursachen höhere Forderungen
Bei der Betrachtung nach Unternehmensalter zeigt sich ebenfalls ein differenziertes Bild: 2025 stellten jüngere (bis 8 Jahre am Markt, 944 Fälle) und ältere Unternehmen (8 Jahre und älter, 906 Fälle) nahezu gleich viele Insolvenzanträge. Deutlich unterschiedlich fällt jedoch die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze aus: Ältere Unternehmen sorgten für 9.332 gefährdete Stellen, während die jüngeren 3.189 Arbeitsplätze betrafen.
Die voraussichtlichen Forderungen waren dagegen bei jüngeren Unternehmen in Niedersachsen mit knapp 2,6 Milliarden Euro spürbar höher als bei älteren (1,9 Milliarden Euro). Besonders hervor sticht die Gruppe der Unternehmen im Alter von 3 bis 8 Jahren, die mit 532 Fällen zwar nur einen Teil der jungen Unternehmen ausmachte, aber 2,4 Milliarden Euro Forderungen und damit einen überproportional hohen Anteil aufwies. Sehr junge Unternehmen (bis 3 Jahre) waren dagegen sowohl bei Forderungen als auch bei der Zahl der betroffenen Beschäftigten deutlich unterrepräsentiert.
| Alter des Unternehmens | Anzahl Insolvenzverfahren | Anzahl Arbeitnehmer/-innen | Arbeitnehmer/-innen je Fall | Voraussichtliche Forderungen in 1 000 Euro | Voraussichtliche Forderungen je Fall |
|---|---|---|---|---|---|
| Unter 8 Jahre alt | 944 | 3189 | 3,2 | 2.553.696 | 2.705 |
| darunter bis 3 Jahre alt | 412 | 941 | 2,2 | 126.380 | 307 |
| noch darunter 3 bis 8 Jahre alt | 532 | 2248 | 4,2 | 2.427.316 | 4.563 |
| 8 Jahre und älter | 906 | 9332 | 11,8 | 1.913.933 | 2.113 |
| Unbekannt | 60 | 16 | 0,6 | 12.444 | 207 |
Zusammenfassung
Die Unternehmensinsolvenzen in Niedersachsen sind 2025 zum vierten Mal in Folge gestiegen, jedoch mit deutlich geringerer Dynamik als im Vorjahr. Trotz des leichten Zuwachses liegt das Niveau weiterhin unter früheren Rekordständen und bewegt sich auf dem Niveau von vor einem Jahrzehnt.
Auffällig ist der deutliche Rückgang der gefährdeten Arbeitsplätze um etwa ein Fünftel. Gleichzeitig zeigt die Branchenanalyse, dass insbesondere Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes sowie des Gesundheits- und Sozialwesens überdurchschnittlich viele Beschäftigte betreffen.
Auch die Betrachtung nach Unternehmensalter zeichnet ein differenziertes Bild: Jüngere Unternehmen verursachten insgesamt höhere Forderungen, während die älteren Betriebe deutlich mehr Arbeitsplätze betrafen.
Weitere Informationen zum Thema Unternehmens- und Verbraucherinsolvenzen in Niedersachsen finden Sie auf unserer Webseite: www.statistik.niedersachsen.de.