
Wie viele Menschen im Alter von über 100 Jahren gab es 2022 in Niedersachsen? Wie lebten diese – allein, im Eigentum und auf welcher Wohnfläche? Anlässlich des Tages der älteren Generation zeigt dieser Beitrag die Wohnsituation der über 100-Jährigen anhand der Ergebnisse des Zensus 2022 auf.
Mehr über 100-Jährige in Niedersachsen
Zum Zensusstichtag 15. Mai 2022 gab es in Niedersachsen insgesamt 1.757 Personen, die 100 Jahre oder älter waren. Am Zensusstichtag 2011 waren es insgesamt 1.309 Personen. Somit hat sich die Anzahl in den 11 Jahren um rund ein Drittel (34%) erhöht. Knapp neun von zehn mindestens 100-Jährige waren Frauen (86%) – ein deutliches Zeichen für deren höhere Lebenserwartung. Der Großteil von ihnen war verwitwet (87%, siehe Abb. A1). Auch davon entfiel der weit überwiegende Teil auf Frauen (88%).

Mindestens 100-jährige Menschen überwiegend in privaten Haushalten
Im weiteren Verlauf des Artikels geht es um mindestens 100-Jährige, die in privaten Haushalten und in Gebäuden mit Wohnraum lebten. Die Gebäude, die die mindestens 100-Jährigen in Niedersachsen bewohnten, gehörten überwiegend Privatpersonen (66%). Ein weiteres Fünftel der Gebäude war im Besitz von Gemeinschaften von Wohnungseigentümerinnen und Wohnungseigentümern (siehe Abb. A2).

Mindestens 100-Jährige Menschen heizten weniger mit erneuerbaren Energien
Nur 4% der mindestens 100-Jährigen lebten in Neubauten. Mehr als die Hälfte wohnte in Gebäuden, die vor 1950 oder zwischen 1950 und 1969 errichtet wurden (siehe Abb. A3). Der überwiegende Teil der Gebäude, nämlich zwei Drittel, wurde mit Gas geheizt. Der Anteil an erneuerbaren Energien, zu denen Solar-/Geothermie und Wärmepumpen; Holz und Holzpellets zählen, war mit 3% gering, aber vorhanden. Der Großteil der Gebäude, in denen mindestens 100-Jährige lebten, hatte eine Zentralheizung (siehe Abb. A4).


Mindestens 100-Jährige in Niedersachsen überwiegend in Singlehaushalten
Mindestens 100-Jährige wohnten überwiegend allein (Singlehaushalte) oder mit anderen Seniorinnen und Senioren zusammen. Nur 17% teilten sich den Haushalt mit jüngeren Generationen (siehe Abb. A5).

Wohneigentum unter 40 Quadratmetern wurde nicht bewohnt
44% der mindestens 100-Jährigen wohnten in Einfamilienhäusern. 51% davon lebten im Eigentum (siehe Abb. A6).

Mehr als die Hälfte der Wohnungen, in denen Menschen im Alter von über 100 Jahren lebten, waren kleiner als 100 Quadratmeter (siehe Abb. A7). Dies galt insbesondere für Mietwohnungen (79%, siehe Abb. A7). Wohneigentum war hingegen wesentlich größer: Die Hälfte der Eigentumswohnungen besaß eine Wohnfläche von über 120 Quadratmeter (siehe Abb. A7). Wohneigentum mit einer Wohnfläche unter 40 Quadratmetern wurde von den mindestens 100-Jährigen in Niedersachsen nicht bewohnt (siehe Abb. A7).

Mehr als 70 Prozent der mindestens 100-Jährigen zahlten weniger als 500 Euro Nettokaltmiete
Fast die Hälfte der mindestens 100-jährigen Mieterinnen und Mieter in Niedersachsen zahlte eine monatliche Nettokaltmiete zwischen 250 und 500 Euro. Etwa ein Viertel zahlte unter 250 Euro (siehe Abb. A8). Dafür war tendenziell auch die Wohnfläche kleiner. Der überwiegende Teil der Mietwohnungen (66%) hatte eine Wohnfläche von weniger als 80 Quadratmetern (siehe Abb. A7).

Fazit
Viele niedersächsische Menschen im Alter von 100 Jahren und älter wohnten in Haushalten, in denen ausschließlich Seniorinnen und Senioren lebten. Der überwiegende Teil der mindestens 100-Jährigen waren verwitwete Frauen.
Viele mindestens 100-Jährige lebten im Wohneigentum mit großer Wohnfläche, und zwar häufig in älteren Gebäuden, die überwiegend mit fossilen Energieträgern beheizt wurden. Die von ihnen bewohnten Mietwohnungen fielen im Vergleich dazu deutlich kleiner aus.
Die Wohnverhältnisse der mindestens 100-Jährigen waren oft durch Alleinleben, große Wohnflächen im Eigentum und ältere, nicht energieeffiziente Gebäude geprägt. Mehr als die Hälfte lebte in privaten Haushalten und nur etwa ein Fünftel mit jüngeren Generationen zusammen – vermutlich häufig mit ihren Angehörigen. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Wohnkosten in privaten Haushalten meist deutlich geringer sind als die Kosten für stationäre Pflegeeinrichtungen. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass insbesondere barrierefreie Wohnungen sowie ambulante Pflege- und Hilfsangebote für hochbetagte Menschen in privaten Haushalten künftig eine zentrale Rolle spielen könnten.
Die detaillierten Ergebnisse der GWZ 2022, der Personenerhebung und der Haushaltszahlen aus dem Zensus 2022 sind auf der Internetseite des LSN im Themenbereich Zensus und auf der zentralen Zensus-Seite der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder abrufbar.