
Eine bezahlbare Wohnung gehört für die meisten Menschen zu den wichtigsten Lebensgrundlagen. Steigende Mieten und Lebenshaltungskosten stellen jedoch insbesondere Haushalte mit geringem Einkommen vor Herausforderungen. Für sie ist Wohngeld eine wichtige staatliche Unterstützung. Wie sich dieses in den vergangenen Jahren entwickelte, zeigt der folgende Beitrag.
Wirkungen der Wohngeld-Plus-Reform
Mit der Wohngeld-Plus-Reform zum 1. Januar 2023 kam es bundesweit zu erheblichen Anpassungen. Ziel der Reform war es insbesondere, Haushalte knapp oberhalb der Grundsicherungsschwelle zu entlasten und den Übergang in die Grundsicherung zu vermeiden.
Der Kreis der Anspruchsberechtigten wurde durch eine Anhebung der Einkommensgrenzen sowie die Einführung der dauerhaften Heizkosten- und Klimakomponente deutlich ausgeweitet. Dadurch erhielten Haushalte in Niedersachsen mit niedrigen Erwerbseinkommen, Rentnerinnen und Rentner mit geringen Alterseinkünften, Alleinerziehende und Familien sowie Bezieherinnen und Bezieher von Arbeitslosengeld I oder Kurzarbeitergeld erstmals oder in deutlich größerem Umfang Zugang zum Wohngeld. Auch selbstnutzende Eigentümerinnen und Eigentümer wurden durch den ausgeweiteten Lastenzuschuss stärker berücksichtigt.
Infolge der Reform stieg die Zahl der wohngeldbeziehenden Haushalte in Niedersachsen von 66.870 im Jahr 2022 auf 123.725 im Jahr 2023, was einem Anstieg von 85,0% entspricht.1Https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Soziales/Wohngeld/Tabellen/01-zv-bl-wohngeld-haush-ab2016.html.
Wohngeldhaushalte in Niedersachsen 2020 bis 2024
Nicht nur im Jahr der Reform, auch im darauffolgenden Jahr – im Berichtsjahr 2024 – ist die Zahl der Haushalte mit Wohngeldbezug in Niedersachsen weiter gestiegen und lag am Jahresende bei 132.025 Haushalten.

Im Jahr 2024 erhielten in 97,3% der Wohngeldhaushalte alle Haushaltsmitglieder Wohngeld (sogenannte reine Wohngeldhaushalte). Bezogen auf die reinen Wohngeldhaushalte betrug seit dem Jahr 2020 der Anteil der Mietzuschüsse regelmäßig über 89%.
T1 Wohngeldhaushalte in Niedersachsen 2020 bis 2024
| Jahr | Empfängerhaushalte | Davon | Mietzuschuss (nur reine Wohngeldhaushalte) | Lastenzuschuss (nur reine Wohngeldhaushalte) | |||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Anzahl | reine Wohngeldhaushalte | Mischhaushalte | Anzahl | Prozent | Anzahl | Prozent | |
| 2020 | 62.265 | 58.375 | 3.890 | 52.235 | 89,5 | 6.135 | 10,5 |
| 2021 | 59.455 | 55.940 | 3.515 | 50.135 | 89,6 | 5.805 | 10,4 |
| 2022 | 66.870 | 63.715 | 3.155 | 57.010 | 89,5 | 6.705 | 10,5 |
| 2023 | 123.725 | 120.170 | 3.560 | 106.945 | 89,0 | 13.225 | 11,0 |
| 2024 | 132.025 | 128.445 | 3.585 | 114.385 | 89,1 | 14.060 | 10,9 |
Reine Wohngeldhaushalte in Niedersachsen nach Haushaltsgröße
Regelmäßig sind mehr als die Hälfte aller reinen Wohngeldhaushalte Einpersonenhaushalte (2024: 51,7%). Bezogen auf ihren Anteil an der niedersächsischen Gesamtbevölkerung (2024: 42,5%)2Alle Angaben im Text zur Anzahl der Haushalte an der Gesamtbevölkerung basieren auf den Angaben des Mikrozensus 2024. sind sie damit überproportional oft auf Wohngeld angewiesen. Grund hierfür ist, dass Einpersonenhaushalte alle Wohnkosten allein tragen müssen, während das Einkommen häufig niedriger ist. Fixe Ausgaben wie Miete und Nebenkosten wiegen dadurch stärker, was das Risiko einer hohen Mietbelastung erhöht.
Große Haushalte ebenfalls betroffen
Während der Anteil der Haushalte mit 5 und mehr Personen an der Gesamtbevölkerung in Niedersachsen im Jahr 2024 durchschnittlich 3,9% betrug, war ihr Anteil am Wohngeldbezug mit 15,6% deutlich größer. Es ist zu vermuten, dass dies auf höhere Wohnkosten, geringere Pro‑Kopf‑Einkommen und mögliche soziale Risikolagen zurückgeführt werden kann. Damit sind Einpersonenhaushalte und große Haushalte überdurchschnittlich oft auf Wohngeld angewiesen.

Im Gegensatz dazu ist insbesondere bei den Zweipersonenhaushalten der Anteil der Wohngeldhaushalte im Vergleich zum Anteil an der Gesamtbevölkerung besonders niedrig. Während 2024 in 13,4% der Wohngeldhaushalte zwei Personen lebten, lag ihr Anteil an allen Haushalten bei 33,0%.

Durchschnittliche Wohnkosten und monatliches Gesamteinkommen
Der Anteil der Wohnkosten am Gesamteinkommen liegt bei Wohngeldhaushalten in Niedersachsen auf einem sehr hohen und nahezu konstanten Niveau und zeigt eine starke finanzielle Belastung, da fast die Hälfte des Einkommens für Miete aufgewendet werden muss. 2023 sank der Anteil als Folge der rechtlichen Änderung im Zusammenhang mit der Wohngeld-Plus-Reform. Jedoch lagen selbst die niedrigeren Werte weiterhin über dem in Wissenschaft und Praxis häufig herangezogenen Richtwert von rund 30% des Haushaltseinkommens und sind damit weiterhin als hoch einzustufen. Quoten oberhalb der 30%-Schwelle werden oft als finanziell problematisch bewertet, da sie den Spielraum für Lebenshaltung, Vorsorge und unerwartete Ausgaben deutlich einschränken.3Vgl. https://www.boeckler.de/de/boeckler-impuls-mieten-bringen-viele-an-die-belastungsgrenze-3805.htm.

Höhe des Wohngeldanspruchs in Niedersachsen nach Haushaltsgröße
Durch die Wohngeld-Plus-Reform erhöhte sich das durchschnittliche Wohngeld in Niedersachsen um 46,4% von 211 Euro im Jahr 2022 auf 309 Euro im Jahr 2023. Im Jahr 2024 wurden durchschnittlich 301 Euro gewährt. Für Haushalte, die bereits vor der Reform Wohngeld bezogen haben, fiel dabei – insbesondere durch die Neuberechnung laufender Bewilligungen sowie die Einführung zusätzlicher Leistungsbestandteile (u. a. Heizkosten‑ und Klimakomponente) – der Anstieg mitunter noch höher aus.4Vgl. Niedersächsischer Landtag, Drucksache 19-06112.pdf; Statistisches Bundesamt (Destatis); HSBN 2011-2024.

Städte und Landkreise im Westen Niedersachsens: überdurchschnittlich viele Wohngeldhaushalte
Im Jahr 2024 betrug der Anteil der Wohngeldhaushalte an allen Privathaushalten in Niedersachsen 3,3%. Regional zeigten sich dabei deutliche Unterschiede: Besonders hoch war die Quote in den kreisfreien Städten und Landkreisen innerhalb der Statistischen Region Weser‑Ems. Spitzenreiter war die kreisfreie Stadt Emden mit einem Anteil von 5,3%, gefolgt vom Landkreis Cloppenburg mit 4,6%. Deutlich niedriger fiel die Quote hingegen in der Statistischen Region Lüneburg aus; den geringsten Wert wies dort der Landkreis Harburg mit 1,9% auf.

Zusammenfassung
Nach der Einführung des Wohngeld-Plus zeigt sich in Niedersachsen eine deutliche Ausweitung der Unterstützung: Die Zahl der Wohngeldhaushalte hat sich vom Jahr 2022 auf das Jahr 2024 fast verdoppelt.
Gleichzeitig bleiben die strukturellen Merkmale weitgehend konstant: Der Anteil der reinen Wohngeldhaushalte ist über die Jahre hoch und die überwiegende Zahl der Haushalte erhält einen Mietzuschuss. Einpersonenhaushalte und Haushalte mit fünf und mehr Personen sind überdurchschnittlich häufig auf Wohngeld angewiesen.
Die Daten verdeutlichen zudem weiterhin eine hohe Wohnkostenbelastung der betroffenen Haushalte in Niedersachsen. Insgesamt unterstreichen die Ergebnisse die anhaltende Relevanz des Wohngeldes als unterstützendes Instrument zur Sicherung angemessenen Wohnraums für einkommensschwächere Haushalte.
Weitere Informationen, methodische Hinweise sowie Ergebnistabellen zum Thema Wohngeldstatistik finden Sie unter: www.statistik.niedersachsen.de.
Fußnoten
- 1
- 2Alle Angaben im Text zur Anzahl der Haushalte an der Gesamtbevölkerung basieren auf den Angaben des Mikrozensus 2024. ↩︎
- 3
- 4Vgl. Niedersächsischer Landtag, Drucksache 19-06112.pdf; Statistisches Bundesamt (Destatis); HSBN 2011-2024. ↩︎